Überschwemmung, Lawine, Steinschlag – weil 13 Walliser Campingplätze von Naturgefahren betroffen sind, mussten sie am Freitag per sofort schliessen. Die Gefährdungssituation hat sich laut dem Kanton in den letzten Jahren zugespitzt, deshalb hat er eingegriffen. Für viele Campingplatzbetreiber kommt dieser Schritt überraschend – und ist nicht nachvollziehbar.
Es geht um viel Geld. Das Goms ist auf die Campingplätze angewiesen – vor allem im Sommer, sagt Samuel Hofmann von Goms Tourismus. Die Campinggäste würden in den Gemeinden Goms und Obergoms fast zwölf Prozent aller Übernachtungen ausmachen. Wenn dort nun drei von sechs Campingplätzen vor der Saison wegfallen, sei dies ein massgeblicher Einschnitt ins Sommergeschäft.
Mehr noch: Dass die betroffenen Campingplätze Knall auf Fall schliessen müssen, löst bei den Betreibenden Existenzängste aus.
Unsere komplette Existenz ist bedroht.
Bei Pim Beijen zum Beispiel: Er und seine Frau führen seit zwei Jahren den Campingplatz Riverside in Reckingen in der Gemeinde Goms. Als er von der Schliessung erfahren hat, sei er total erschrocken. «Unsere komplette Existenz ist bedroht.» Der Brief der kantonalen Baukommission, die diesen Schritt verordnet hat, sei aus heiterem Himmel eingetroffen.
Schliessung nicht nachvollziehbar
Die kantonale Baukommission begründet die Schliessung der Campingplätze mit erheblichen Naturgefahren. Tatsächlich birgt das Gebiet des Campingplatzes Riverside Risiken. Der Platz liegt eingebettet zwischen der Rhone und einem Bergbach mit grossem Einzugsgebiet, was bedeutet, dass er viel Wasser mit sich führen kann.
Dies könnte zu Überschwemmungen führen, kommt die kantonale Baukommission zum Schluss. Deshalb hat sie die sofortige Schliessung des Platzes angeordnet.
Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Betreiber Pim Beijen versteht den Entscheid nicht, zumal die Gemeinde seit Jahren ein Projekt umsetzen möchte, um den Bergbach sicherer zu machen. Seit 2018 seien die nötigen Sicherungsmassnahmen im Budget eingerechnet, sagt Gemeindepräsident Gerhard Kiechler. Aber: «Wir haben immer noch keine Bewilligung des Kantons.» Der Kanton verfüge also einerseits aufgrund fehlender Schutzmassnahmen die Schliessung des Campings, gleichzeitig erteile er keine Bewilligung für den Schutz. Er verstehe die Welt nicht mehr.
Baukommission widerspricht
Ihr Handeln könne nicht als rasch bezeichnet werden, schreibt die Kantonale Baukommission, sondern als Ultima Ratio in Bezug auf die Gefahrenlage. Die Campingbetreiber seien seit 2020 über die Gefahrenlage informiert worden. Es gehe um Gefahren für Menschen und deren Sicherheit. Deshalb habe die Situation ein rasches Eingreifen erfordert. Ausserdem habe jeder Platzbetreiber die Möglichkeit, sich zu wehren. «Bei der zuständigen Behörde kann ein Gesuch um Wiedererwägung gestellt werden.»
Pim Beijen und seine Frau haben drei Millionen Franken in den Campingplatz Riverside investiert. Deshalb ist für ihn klar: Aufgeben ist keine Option. Er fordert mit einem Anwalt Schadenersatz.
Auch die Gemeinde Goms will nach vorne blicken. Sie setze bei den Walliser Behörden Druck auf, damit die Sicherheitsmassnahmen so rasch wie möglich umgesetzt werden können, sagt Gemeindepräsident Gerhard Kiechler. «Wir verlangen, dass wir eine vorzeitige Baubewilligung erhalten.» Das letzte Wort ist somit noch nicht gesprochen.