Nutztiere in der Landwirtschaft: Tiere erfüllen eine wichtige Funktion in der Landwirtschaft, auch in der Bio-Landwirtschaft gehörten sie dazu. Das erklärt Jürn Sanders, der Vorsitzende der Geschäftsleitung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau Fibl, im Rahmen eines internationalen Treffens von Vertreterinnen und Vertretern der Bio-Nutztierbranche im aargauischen Frick. «Wir brauchen die Tiere beispielsweise als Nährstofflieferanten, sonst können wir keine nachhaltigen Fruchtfolgen managen.» Sprich: Der Dünger liefert Nährstoffe für die Böden. Die Frage sei jedoch, wie viel Tierhaltung es brauche.
Das richtige Mass: Im Hinblick auf die Ernährung und im Hinblick auf die Umwelt gebe es derzeit zu viel Tierhaltung in der Schweiz, so Jürn Sanders vom Fibl. Das habe Folgen: So sei etwa der Stickstoffgehalt in den Böden zu hoch und auch die Biodiversität leide unter der Nutztierhaltung. Der Schweizer Bauernverband hingegen verweist auf den Markt. Die Landwirtschaft produziere das, was die Bevölkerung nachfrage, sagt der Direktor des Bauernverbands Martin Rufer. Insofern kann die Frage nach dem richtigen Mass an Tierhaltung in der Schweiz aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.
Grasland Schweiz: Einen Hinweis darauf, wie viel Tierhaltung für die Schweiz ein sinnvolles Mass ist, könnte etwa die Fläche an Grasland geben. Die Schweiz ist als Grasland bekannt.Um diese Fläche landwirtschaftlich zu nutzen, braucht es Rindvieh. Nutztiere werden jedoch auch mit Kraftfutter ernährt, das teils importiert und teils auf Ackerfläche angebaut wird. Würde die Tierhaltung auf das Grasland beschränkt, würde sie stark sinken. Das zeigt eine Studie, an der neben dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau Fibl auch die ETH beteiligt war. Ohne Kraftfutter müsste etwa der Rinderbestand um über 20 Prozent und der Schweine- und Hühnerbestand um über 80 Prozent reduziert werden.
Die Ernährungsempfehlung: Auch die Ernährungsempfehlungen können ein Indikator dafür sein, wie viel Tierhaltung die Schweiz braucht. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt rund 200 bis 360 Gramm Fleisch pro Woche. Schweizerinnen und Schweizer essen mit durchschnittlich einem Kilo Fleisch pro Woche deutlich mehr.
Stabiler Fleischmarkt: Ein Blick auf die Zahlen der Branchenorganisation Pro Viande zeigt zwei Trends: Der Verkauf von Schweinefleisch hat in den letzten Jahren abgenommen, der Verkauf von Geflügel hingegen zugenommen. Insgesamt ist das Fleischangebot pro Kopf im Jahr 2025 gar etwas gestiegen im Vergleich zum Vorjahr (+2.5 Prozent).
Die Nachfrage: In der Landwirtschaft spielt letztlich der Markt eine wichtige Rolle. Das heisst: Die Betriebe produzieren, was nachgefragt wird. Die Tierhaltung sei auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig für die Landwirtschaft: «Rund 60 Prozent der Erlöse kommen in der Landwirtschaft aus der Tierhaltung», sagt Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbands. Der Anbau von Ackerkulturen sei teils nicht rentabel und somit weniger attraktiv.