Am Donnerstag kurz vor Mittag ging bei der Kantonspolizei Wallis die Meldung ein: Eine Lawine hatte den Bereich der Rotlaui-Galerie auf der Strasse zwischen Gampel und Goppenstein verschüttet. Also jene Schutzgalerie, die genau für solche Ereignisse gebaut wurde.
Das Bundesamt für Strassen Astra – es ist für Nationalstrassen zuständig – hatte die angespannte Lawinensituation am Hang oberhalb bereits am Donnerstagmorgen auf dem Radar. «Man hat die Situation beobachtet und wollte eigentlich am Nachmittag sprengen. Doch die Lawine kam bereits am Mittag», so Lukas Studer, Mediensprecher des Astra.
Die Rotlaui-Galerie liegt an einer Stelle, an der häufig Lawinen abgehen. Die meisten davon bemerkt die Öffentlichkeit nicht, weil die Schneemassen über die Schutzgalerie hinweg fliessen. Am Donnerstag hat der Schutz nicht funktioniert, die Strasse wurde verschüttet. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden.
Gefahr unterschätzt?
Dass die Lawine nicht über die Galerie hinweg, sondern auf die Strasse niederging, sei ungewöhnlich. «Meines Wissens ist das bei der Rotlaui-Galerie in jüngster Zeit nie vorgekommen», sagt Astra-Sprecher Lukas Studer. «Die Lawine vom Donnerstag war gross und der Schnee sehr nass und schwer.»
Hat das Astra die Gefahr am Hang falsch eingeschätzt? Lukas Studer betont, man müsse das Ereignis nun detailliert analysieren. Einfache Antworten gebe es nicht. «Wir sind in den Bergen. Man kann nicht alles zu 100 Prozent schützen. Es war ein Extremereignis.»
Aufgrund der grossen Lawinengefahr im Wallis werden derzeit die Schneemassen, die auf der Rotlaui-Galerie liegen, geräumt. «Der Schnee türmt sich dort teilweise sechs Meter hoch, wir räumen ihn und bauen damit Dämme», erklärt Astra-Sprecher Studer. So sollen allfällige weitere Lawinen über die Galerie gelenkt und die Strasse zusätzlich geschützt werden.