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Lawinenschutz Schweiz Lawinenwinter 1951 – Weckruf für Forschung und Politik

Der katastrophale Lawinenwinter 1951 war der folgenschwerste des 20. Jahrhunderts – und Anstoss für den Lawinenschutz, wie er heute existiert.

1951 entstand eine Wetterkonstellation, die es nur alle 50 bis 100 Jahre gibt: An jeweils wenigen Tagen – im Januar auf der Alpennordseite und im Februar auf der Alpensüdseite – fielen gigantische Schneemengen. Gemessen wurden zwei bis vier Meter Neuschnee; das vier- bis sechsfache der durchschnittlichen Monatsmengen in Januar und Februar.

Grosse Zerstörung in vielen Bergregionen

Von Hunderten Berghängen lösten sich die Schneemassen, viele Lawinen donnerten bis in die Täler und zerstörten insgesamt 1500 Gebäude. 98 Menschen fanden den Tod und mehr als 200 Nutztiere wurden unter den Schneemassen begraben.

Die am meisten betroffenen Orte waren Vals (GR), Andermatt (UR) und Airolo (TI). Stefan Margreth vom Davoser Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) sagt heute: «1951 war sicher mit Abstand das grösste Lawinenereignis des 20 Jahrhunderts.»

Solidaritätswelle – und politische Folgen

Die Lawinenkatastrophe wurde auch fernab der Alpentäler wahrgenommen. 1951 waren Radio, Tageszeitungen und gedruckte Magazine wie die «Schweizer Illustrierte» schon weit verbreitet. Diese Medien zusammen mit der Schweizerischen Filmwochenschau sorgten dafür, dass die Bilder von zerstörten Gebäuden und verzweifelten Menschen das ganze Land erreichten.

Die Folge war eine Welle der Solidarität und landesweite Spendenaktionen. Schon nach kurzer Zeit reagierte auch die Politik. «Der Lawinenwinter 1951 war ein Weckruf. Das Ausmass der Zerstörung zeigte, dass man zu wenig Lawinenschutz hatte und dass man hier mehr Geld investieren musste», so SLF-Experte Margreth.

Schneebedeckte Berglandschaft mit Steinmauern.
Legende: Trockenmauer als Lawinenschutz – vor 1951 die einzig weit verbreitete Lawinenschutzmassnahme. SLF-Archiv

Dabei hatte der Bund eben erst beschlossen, seine Beiträge an den Lawinenschutz abzubauen. Diesen Entscheid machte das Parlament noch im Katastrophenjahr rückgängig.

Innovationen und Investitionen

Es brauchte aber nicht nur mehr, sondern auch bessere Lawinenverbauungen. Vor 1951 waren an den Steilhängen vor allem Trockenmauern gegen Lawinen errichtet worden. Diese boten zwar Schutz bei normalen Schneemengen, bei aussergewöhnlichen oder extremen Wetterereignissen wie 1951 waren sie aber zu wenig wirksam: Die Mauern waren rasch mit Schnee hinterfüllt und konnten bei anhaltenden Schneefällen Lawinenabgänge nicht mehr verhindern.

Schneebedeckter Hang mit Lawinenschutzbarrieren.
Legende: Solche sogenannten Schneebrücken setzten sich als Lawinenschutzmassnahmen durch. SLF-Archiv

Die Lawinenforscher in Davos begannen darum, die Wirksamkeit von anderen Konstruktionen zu untersuchen. Dabei erwiesen sich sogenannte Schneebrücken als eine der besten Varianten. Die bis heute gebräuchlichste Lawinenverbauung ähnelt einem überdimensionierten Lattenzaun und ist drei bis fünf Meter hoch. Die Zwischenräume zwischen den Latten verhindern, dass die Verbauung zugeschneit wird.

Lawinenschutz – eine Daueraufgabe

Von 1951 bis heute sind rund zwei Milliarden Franken in Lawinenschutzbauten geflossen. Dass 1999, in einem Winter mit ähnlichen Wetterextremen wie 1951, Lawinen in der Schweiz viel weniger Tod und Zerstörung zur Folge hatten, führen Experten auf den verbesserten Schutz zurück.

Aber Lawinenschutz ist eine Daueraufgabe. Viele Verbauungen sind in die Jahre gekommen und müssen saniert werden. Andere sollten verstärkt werden, weil mit dem Klimawandel extreme Schneefälle in hohen Lagen zunehmen könnten.

Lawinenschutz-Experte Margreth warnt darum vor Einsparungen: «Für Dörfer in steilen Bergtälern sind diese Verbauungen entscheidend, damit dort überhaupt noch Menschen leben können.»

10vor10, 04.02.2026, 21:50 Uhr

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