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Erster Kantonschemiker 1876 Als Brot mit Sägemehl gestreckt wurde

Vor 150 Jahren wurde in Luzern der erste Kantonschemiker der Schweiz angestellt. Bis die Lebensmittelkontrolle schweizweit geregelt wurde, vergingen weitere 33 Jahre.

Vor 150 Jahren, am 7. Juni 1876, wählte der Luzerner Regierungsrat den Apotheker Robert Stierlin-Hauser zum ersten Kantonschemiker des Kantons Luzern – und gleichzeitig der Schweiz.

Zwar wurden Lebensmittel schon seit dem Mittelalter kontrolliert, etwa auf Märkten, aber mit diesem Schritt startete die Ära der wissenschaftlich gestützten Lebensmittelkontrollen in der Schweiz.

Person in historischer Uniform mit Armbinde auf einem Stuhl.
Legende: Dr. Robert Stierlin-Hauser war drei Jahre lang Luzerner Kantonschemiker, von 1876 bis 1879. Stadtarchiv Luzern

«Es waren nicht etwa die Konsumentinnen und Konsumenten, die bessere Kontrollen forderten», sagt der heutige Luzerner Kantonschemiker Silvio Arpagaus, «hinter dieser Forderung stand primär das Gewerbe selbst, da oft betrogen wurde.» Die Rechtschaffenen wollten sich mit besseren Kontrollen gegen die Trickser zur Wehr setzen.

150 Jahre Kontrolle in Luzern – wichtige Stationen

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  • 1315 wird in der Stadt Luzern im «Ältesten Ratsbüchlein» die Lebensmittelkontrolle erstmals schriftlich erwähnt. Es geht um die Qualität und den Preis von Fleisch und Wein.
  • 1803 verbietet der Regierungsrat den Wirten und Betreibern von Schenkhäusern, Getränke zu panschen. Es drohen Strafen, wenn Getränke «durch Zubereitungen, welche der Gesundheit und dem menschlichen Leben gefährlich sind», verfälscht werden.
  • 1876 wird der Kühlschrank erfunden.
  • Am 7. Juni 1876 wird der Apotheker Robert Stierlin-Hauser zum ersten Kantonschemiker des Kantons Luzern und gleichzeitig der Schweiz gewählt.
  • 1909 wird der Verband der Kantonschemiker der Schweiz gegründet.
  • 1928 führt das Laboratorium Luzern, als eines der ersten der Schweiz, mikrobiologische Untersuchungen von Lebensmitteln ein.
  • 1950 wird erstmals die Wasserqualität der Seebäder untersucht – im Auftrag der Gemeinden Luzern, Horw und Sursee.
  • 1964 führt eine Salmonellen-Epidemie in Horw LU zu über 80 Krankheitsfällen. Als Quelle werden eine Molkerei und Metzgerei identifiziert.

Quelle: Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz Kanton Luzern

Betrogen und getrickst wurde in erster Linie, um den Gewinn zu maximieren. «Beim Backen wurde Sägemehl oder Gips beigemischt, um das Gewicht des Brots und damit den Profit zu erhöhen. Dem Wein wurde Farbstoff beigemischt, damit er Kundinnen und Kunden mit einer schönen Farbe überzeugt – und die Herkunft der Trauben wurde herbeifantasiert», erzählt Arpagaus von den damaligen Tricksereien.

Milchwässerung war immer wieder Thema.
Autor: Silvio Arpagaus Kantonschemiker LU

Auch bei der Milch sei geschummelt worden: «Milchwässerung war immer wieder Thema. Dabei wurde die Milch mit Wasser gestreckt. Zum Teil waren über 30 Prozent der Proben gewässert», erzählt Silvio Arpagaus.

Robert Stierlin-Hauser, der erste Kantonschemiker der Schweiz, war im Hauptberuf Apotheker mit eigenem Geschäft in der Stadt Luzern. Als kantonaler Lebensmittelkontrolleur arbeitete er nur im Nebenamt. Erwischte er Lebensmittelproduzenten oder Gewerbetreibende beim Schummeln, wurden sie namentlich im Luzerner Amtsblatt publiziert.

Ein Raum mit aufgehängten Fleischstücken und einer Theke.
Legende: Der Verkaufsraum einer Metzgerei in der Stadt Luzern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Stadtarchiv Luzern F2a / Wirtschaft / 07:01

Im Lauf der Jahre wurden die Kontrollen stetig ausgeweitet. Nebst Lebensmitteln werden seither auch Wasser, Boden und Gebrauchsgegenstände kontrolliert. 1950 etwa wurde die Wasserqualität der Seebäder analysiert.

Und heute? – «Aktuell beschäftigen uns vor allem chemische Stoffe, die lange Zeit als unbedenklich galten», erklärt der amtierende Luzerner Kantonschemiker, Silvio Arpagaus. Etwa PFAS, die sogenannten Ewigkeitschemikalien. Oder Chlorothalonil, ein Fungizid, das rund 50 Jahre lang eingesetzt wurde, um Getreide, Gemüse und Wein vor Pilzbefall zu schützen, und seit ein paar Jahren verboten ist, da Rückstände davon im Grundwasser gefunden wurden.

Regionaljournal Zentralschweiz, 29.5.2026, 17:30 Uhr ; 

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