Kurz nach 10 Uhr im Hallenbad in Aarau. Der 13-jährige Jan Jenne schwimmt mit seinen neun Trainingskolleginnen und -kollegen vom Schwimmclub Aarefisch Zug um Zug, Bahn für Bahn. Ein Aufwärmen für das Training.
Aktuell steht die Vorbereitung für einen Wettkampf auf dem Programm. Schwimmtrainerin Susi Radam erklärt: «Sie schwimmen in ihrer Hauptschwimmart achtmal 200 Meter, zum Schluss gibt es noch ein Zusatz-Set.» Heute schwimmen die Kinder «nicht so viel», erklärt die Trainerin. Lediglich drei bis dreieinhalb Kilometer. Normalerweise sind es pro Training fünf bis fünfeinhalb. Und dies an sechs Tagen pro Woche.
Jan Jenne schwimmt also über 30 Kilometer pro Woche. Viel Zeit im Wasser, doch dem 13-Jährigen macht das Spass. Ohne Wasser fehle ihm etwas: «Ich habe sehr viel Energie. Wenn ich nicht schwimmen kann, ärgere ich manchmal meine Geschwister oder ich gehe zu den Nachbarn aufs Trampolin.» Im Wasser fühle er sich wohl: «Während ich schwimme, denke ich manchmal an Musik und manchmal an die Schule.»
Zug um Zug zum nächsten Erfolg
Jan Jenne geht in Buchs AG in die Sportschule. Dort, in der Oberstufe, hat er genug Zeit fürs Training. Doch weil er in Brittnau AG wohnt, hat er einen langen Schulweg. Rund 40 Minuten mit Bus und Zug. Morgens geht er jeweils kurz nach sieben Uhr auf den Zug, nach Hause kommt er oft erst nach dem Schwimmtraining am Abend.
Ich weiss, dass jedes Training gut ist für den nächsten Wettkampf.
Freizeit bleibt neben der Schule und dem Schwimmen kaum. Seine Trainingskolleginnen und -kollegen sind inzwischen zu seinen besten Freunden geworden. Gibt es manchmal Tage, an denen Jan keine Lust hat, zu trainieren? Er bejaht. Aber er gebe trotzdem immer sein Bestes. «Weil ich weiss, dass jedes Training gut ist für den nächsten Wettkampf.»
Schwimmen sei ein sehr zeit- und trainingsintensiver Sport, sagt Trainerin Susi Radam. Die Kinder würden bei ihr viel und hart trainieren. Dies sei nicht nur für die jungen Athletinnen und Athleten eine Herausforderung, sondern auch für deren Eltern.
Ein Trainingsbesuch mit einem Kameraden
Dass Jan jetzt Leistungsschwimmer ist, sei eher dem Zufall geschuldet, sagt seine Mutter Mirjam Jenne. Vor drei Jahren begleitete er einen Schulkollegen ins Training des Schwimmclubs Aarefisch. «Wir waren zuerst skeptisch, doch er hat nicht locker gelassen und wollte unbedingt hin.»
Am Anfang war die Organisation recht schwierig innerhalb der Familie, doch mittlerweile klappt es sehr gut.
Die Eltern hatten eigentlich mit Schwimmen nichts am Hut. Doch mittlerweile bestimmt der Sport auch ihren Terminkalender. Training, Schwimmlager und Wettkämpfe entscheiden über das Familienleben der Jennes. «Am Anfang war die Organisation recht schwierig innerhalb der Familie, doch mittlerweile klappt es sehr gut.»
Sportliche Ziele oder gar Ambitionen hätten die Eltern für ihren Sohn jedoch nie gehabt, sagt Mirjam Jenne. «Wir als Eltern nehmen es, wie es kommt. Jan hat aber viele grosse Träume und Wünsche.»
Olympische Spiele als grosses Ziel
Jan Jenne sagt: «Die Junioren-EM ist das nächste Ziel, später sind die Olympischen Spiele mein grosses Ziel.» Erste sportliche Erfolge konnte der 13-Jährige bereits feiern, an den letzten Schweizer Nachwuchsmeisterschaften gewann er dreimal Bronze in verschiedenen Disziplinen.
Fixiert auf den Sport ist er jedoch nicht. «Ich würde gerne Tierarzt werden», sagt Jenne. Doch bevor es so weit ist, möchte er noch seine sportlichen Ziele verwirklichen. Daran arbeitet er Zug um Zug, Bahn für Bahn.