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Luftqualität So (un)rein ist die Schweizer Luft

Die Feinstaubbelastung ist im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, zeigen die neusten Zahlen des Bundes. Insgesamt ging die Belastung in der Schweiz über viele Jahre zurück. Gemäss Experten zeichnet sich nun jedoch eine Stagnation ab.

So steht es um unsere Luft: Die Feinstaubbelastung in der Schweiz ist im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Das zeigt die provisorische Auswertung der Messungen des Nationalen Beobachtungsnetzes für Luftfremdstoffe NABEL. Jährliche Schwankungen seien gemäss dem Bundesamt für Umwelt in erster Linie wetterbedingt. So könnten Ereignisse wie Waldbrände oder Saharastaub die Feinstaubwerte beeinflussen.

Das ist Feinstaub

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Feinstaub ist ein Gemisch aus verschiedenen Partikeln. Er besteht einerseits aus sogenannten primären Partikeln, die durch Verbrennungsprozesse, z.B. bei Dieselmotoren und Holzheizungen, ausgestossen werden oder durch Abrieb etwa von Reifen, Bremsen oder Strassenbelag stammen. Und anderseits besteht er aus sogenannten sekundären Partikeln, die sich erst in der Luft bilden, aus gasförmigen Schadstoffen, wie Schwefeloxid, Stickoxid oder Ammoniak.

Es wird unterschieden zwischen PM10 und PM2.5 – Partikel, deren Durchmesser weniger als 10 beziehungsweise 2.5 Tausendstel-Millimeter beträgt.

So hat sich die Luftqualität entwickelt: Die Belastung der Luft durch Feinstaub ist in den letzten Jahren stetig zurückgegangen. Laut Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut der Universität Basel, habe man viele Massnahmen ergriffen, etwa bei Heizungen, beim Verkehr und bei der Industrie. Nun lasse sich jedoch eine Stagnation beobachten: «Ich bezweifle, dass wir die Feinstaubbelastung mit den jetzigen Massnahmen noch weiter verringern können.» So würden etwa Holzfeuerungen, die zum Heizen genutzt werden, einen relativ grossen Teil der Feinstaubbelastung ausmachen.

Das empfiehlt die WHO: Die Weltgesundheitsorganisation hat ihre Leitlinien für die Luftqualität 2021 aufgrund von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst und die Grenzwerte heruntergesetzt. Den Grenzwert für Feinstaub hat sie von 10 auf 5 Mikrogramm pro Kubikmeter mit Partikeln kleiner als 2.5 Mikrometer (PM2-5) heruntergesetzt. Diese Empfehlungen der WHO sind rechtlich jedoch nicht verbindlich.

Ozon und Stickstoffdioxid

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Auch Ozon und Stickstoffdioxid gehören zu den Schadstoffen, die unsere Luftqualität beeinflussen.

Stickstoffdioxid entsteht hauptsächlich durch Verbrennungsprozesse, etwa von Benzin, Diesel Kohle und Erdgas. Die Belastung der Luft durch Stickstoffoxid hat seit 1990 stetig abgenommen.

Deutlich geringer ist der Rückgang bei der Ozon-Belastung. Ozon ist ein Molekül, das uns in der Stratosphäre vor der Sonne schützt, auf der Erdoberfläche verschmutzt es jedoch unsere Atemluft. Schadstoffe, die im Verkehr und in der Industrie ausgestossen werden, fördern solches, bodennahes Ozon.

Diese Grenzwerte gelten: Die gesetzlichen Schweizer Grenzwerte orientieren sich noch an den veralteten WHO-Grenzwerten von 2005. Diese gesetzlichen Grenzwerte werden an den meisten Orten in der Schweiz eingehalten, betont das Bundesamt für Umwelt. Die neuen WHO-Grenzwerte hingegen werden oft deutlich überschritten. Derzeit prüft das Bundesamt, ob die Grenzwerte an die neuen WHO-Empfehlungen angepasst werden sollen, wie es auch die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene empfiehlt. Markus Kalberer, Professor für Atmosphärenwissenschaften an der Universität Basel, begrüsst das: «Die WHO stützt sich auf eine Vielzahl von medizinischen Studien. Man hat gemerkt, dass sich durch eine Halbierung der Feinstaubgrenzwerte deutliche Gesundheitsvorteile ergeben würden.»

Nahaufnahme eines Autoreifens und eines Radfahrers im Nebel.
Legende: Die Feinstaubbelastung hat in der Schweiz in den letzten Jahren abgenommen. Nun zeichnet sich jedoch eine Stagnation ab. DPA / MARIJAN MURAT

So schädlich ist Feinstaub: «Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz jedes Jahr über 2000 Todesfälle durch verschmutzte Luft verursacht werden. Das Gesundheitsrisiko durch Feinstaub ist also nicht zu vernachlässigen», sagt Atmosphärenwissenschafts-Professor Markus Kalberer. Und auch Martin Röösli sagt: «Feinstaub hat eine breite Wirkung auf das Herzkreislaufsystem. Er erzeugt auch erwiesenermassen Krebs und führt zu vorzeitiger Sterblichkeit.»

Karte.
Legende: PM2.5 Legende: blau=WHO-Richtwert (0-5) / hellgrün=übersteigt um das 1- bis 2-fache (5.1-10) / gelb=übersteigt um das 2- bis 3-fache (10.1-15) / orange=übersteigt um das 3- bis 5-fache (15.1-25) / rot=übersteigt um das 5- bis 7-fache (25.1-35) / violett=übersteigt um das 7- bis 10-fache (35.1-50) / braun=übersteigt um mehr als das 10-fache (>50.1) IQAir

So steht die Schweiz im Vergleich da: Eine höhere Feinstaubbelastung in der Schweiz im Jahr 2025 stellt auch das Unternehmen IQAir in seinem aktuellen «World Quality Report» fest. Demnach liegt Bern in der Rangliste von insgesamt 12 Hauptstädten derzeit auf Rang 30 (Stand 8. April 2026). Auckland in Neuseeland liegt als sauberste Hauptstadt auf Rang 1, während Chinas Hauptstadt Peking auf dem letzten Rang liegt. Die WHO-Grenzwerte werden demnach in fast keinem Land eingehalten.

SRF 4 News, 09.04.2026, 6:10 Uhr

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