«Wir können das nicht aufhalten, dafür sind wir zu wenig stark», sagt Alwin Meichtry. Im Dorf Leuk im Wallis ist eine Debatte entfacht: Elon Musk will hier 40 Antennen für sein Starlink-Internet aufstellen.
Schäfer Alwin Meichtry ist einer der Befürworter der neuen Anlage – Widerstand sei zwecklos: «Ich brauche Starlink zur Überwachung meiner Schafe.»
Im Winter lebt Alwin Meichtry abgeschieden im Weiler Lichten oberhalb von Leuk zusammen mit seinen Schwarznasenschafen. «Die Tiere sind meine Familie», sagt er. Nach einem brutalen Wolfsangriff sei ihm klar geworden: Er müsse immer wissen, wie es seinen Tieren gehe.
Um seine Schafe im Alpsommer zu überwachen, greift Meichtry auf die Technik von Elon Musk zurück: Starlink ist ein Satellitennetzwerk, das abgelegene Regionen mit Internet versorgt: «Auf meiner Alp habe ich keinen Handyempfang. Um die Daten meiner Schafe zu empfangen, brauche ich Starlink», sagt der Schäfer in der «Rundschau».
Starlink kommt in die Schweiz
Um das Netzwerk weiter zu verdichten, plant Starlink in Leuk eine Bodenstation mit 40 Kugelantennen. Schon heute stehen mehrere grosse Satellitenschüsseln oberhalb des Dorfes, die aber mit alten Trabanten kommunizieren.
«Die Pläne von Elon Musk haben eine völlig neue Dimension», sagt Hanna Schnyder-Etienne. «Ich bin konsterniert. Durch die Anlage würde Elon Musk eine unglaubliche Macht erhalten.»
Hanna Schynder-Etienne und Roman Kuonen sind langjährige Dorfärzte in Leuk und haben gegen das Baugesuch Beschwerde eingereicht. «Es geht um Macht und Geld, und wir sind die Versuchskaninchen», sagt Kuonen.
Neben dem Strahlenrisiko fürchten sie sich vor einer Abhängigkeit. «Die Schweiz hat keinen Zugriff auf die Daten, die Starlink transportiert.»
Ein Bergdorf und die Mächtigen
Plötzlich ist ein Walliser Dorf mitten in der Weltpolitik. Auch an der Dorffasnacht ist Elon Musk Thema. Ein Fasnachtswagen ist als Space-Shuttle dekoriert, in der Bevölkerung sind die Meinungen geteilt. «Das bringt uns Geld», sagen die einen. «Das gehört nicht ins Wallis», sagen die anderen.
Die Beschwerde gegen das Baugesuch ist derzeit beim Kanton hängig. Der Bund hat bereits eine Versuchskonzession für Starlink in der Schweiz erteilt. Man begrüsse neue Satellitennetzwerke, schrieb der Bundesrat als Antwort auf eine Interpellation. «Für mich steckt der Bundesrat den Kopf in den Sand», sagt Beschwerdeführer Roman Kuonen.
Wie einflussreich Starlink sein könne, zeige sich im Ukrainekrieg. «Was passiert mit unserer Neutralität und unserer Sicherheit? Es muss eine nationale Diskussion geben», sagt Hanna Schnyder-Etienne.
Muss sich die Schweiz gegen die Pläne des Tech-Giganten wehren? Kann ein kleines Dorf etwas gegen den mächtigen Elon Musk ausrichten?
Viele Stimmen im Dorf sind da skeptisch und sehen lieber das Positive in den Plänen der Amerikaner. Auch Schäfer Alwin Meichtry: «Ich brauche die Technik, um meinen Schafen Sicherheit zu geben. Sonst müsste ich im Zelt oben bei ihnen schlafen. Ich hätte gar keine andere Wahl.»
Starlink hat im Herbst eine eigene Niederlassung in der Schweiz gegründet. Betrieben werden sollen die neuen Antennen von der Signalhorn AG. Beide Firmen haben ein Interview mit der «Rundschau» abgelehnt.