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Machtkampf um Präsidium Nach dem grossen Triumph zerfleischt sich der FCSG selbst

Zwischen der Partynacht nach dem Cupsieg und dem Machtkampf liegen nur wenige Stunden. Eine grün-weisse Zerreissprobe.

Was ist passiert? FCSG-Präsident Matthias Hüppi tönte nach dem Cupsieg im SRF-Interview vage Machtkämpfe an. Dann bestätigte Stefan Kölliker, ein St. Galler alt Regierungsrat, gegenüber SRF, dass er neuer Präsident werden soll und vier aktuelle Verwaltungsratsmitglieder per Ende Juni zurücktreten. Diese sollen durch den Aktionären nahe stehende Mitglieder ersetzt werden. Die Ära Hüppi beim FC St. Gallen scheint am Ende.

Warum ein Führungswechsel nach einem Erfolg? Seit 2018 ist Matthias Hüppi Präsident des Verwaltungsrats. Dort galt unter seiner Ägide stets, dass die Grossaktionäre vom Verwaltungsratsgremium getrennt funktionieren sollen. Seit der letzten Generalversammlung im Herbst war dies nicht mehr der Fall: Patrick Thoma, der 15.01 Prozent der Aktien hält, wurde in den Verwaltungsrat gewählt. Allgemein drängte die Aktionärsgruppe auf mehr Mitbestimmung.

Grossaktionäre beim FC St. Gallen

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Der FCSG ist in zwei Aktiengesellschaften unterteilt. Die FC St. Gallen Event AG hält 49.6 Prozent an der FC St. Gallen AG. Innerhalb der FC St. Gallen Event AG sind die Aktien so verteilt:

  • Philipp und Remo Bienz (21.76 Prozent), Immobilienunternehmer
  • Jérôme und Patric Müller (15.01 Prozent), Immobilienunternehmer
  • Roland Gutjahr (15.01 Prozent), Unternehmer im Metallbau
  • Patrick Thoma (15.01 Prozent), Immobilienunternehmer
  • Rolf Schubiger (13.51 Prozent), Unternehmer im Küchenbau
  • Ernst Eisenhut (7.69 Prozent), Bauunternehmer
  • Martin Jäger (6.00 Prozent)
  • Brauerei Schützengarten AG (6.00 Prozent)

Wieso drängen die Grossaktionäre in den Club? Es geht um Macht. Offiziell wollen die Grossaktionäre rund um Patrick Thoma eine «Vorwärtsstrategie» fahren, Geld investieren und den «Club an der Spitze des Schweizer Fussballs etablieren». Mehrere Grossaktionäre gingen laut Aussage von Stefan Kölliker auf eben diesen zu, ob er sich ein Präsidium vorstellen könne. Ja, kann er. «Irgendwann wird die Ablösung kommen. Ich kann dem FCSG viel Gutes tun», sagt der ehemalige SVP-Politiker.

Was sagen die Protagonisten darüber hinaus? Er sehe dies nicht als Putsch, so Kölliker. «Wenn vier Verwaltungsräte zurücktreten, ist das Aktionariat gezwungen, einen neuen Verwaltungsrat bereitzustellen.» Warum die vier Bisherigen ihren Rücktritt eingereicht haben, ist allerdings nicht abschliessend geklärt. Noch-Verwaltungsrat Benedikt Würth sagt gegenüber dem «St. Galler Tagblatt», er und Patrick Gründler seien im VR nicht mehr erwünscht. Die Gründe dafür kenne er nicht.

Der Noch-Verwaltungsrat des FC St. Gallen

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Person mit Brille und Kapuzenpullover schaut ernst.
Legende: Endet die Ära von Matthias Hüppi beim FC St. Gallen mit einem Machtkampf gegen einige Grossaktionäre? Keystone/Gian Ehrenzeller
  • Matthias Hüppi (Präsident)
  • Peter Germann (Unternehmensführung)
  • Patrick Gründler (Recht)
  • Christoph Hammer (Finanzen)
  • Benedikt Würth (Politik)
  • Patrick Thoma (Grossaktionariat)

Wie reagiert Matthias Hüppi? Laut «St. Galler Tagblatt» stellte Hüppi den Grossaktionären Roland Gutjahr (Ernst Fischer AG) und Patrick Thoma (Thoma Immobilien) ein Ultimatum bis Dienstagabend: Entweder sie ziehen sich zurück, oder er trete zurück.

Statement von Matthias Hüppi und Medienkonferenz

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Nachdem Matthias Hüppi während des ganzen Dienstags nicht erreichbar, folgte abends um 17:30 Uhr ein Statement des Vereins, wo der FCSG-Präsident zitiert wird: «Wir arbeiten gemeinsam mit dem Aktionariat mit Hochdruck an einer tragfähigen und guten Lösung für unseren FC St.Gallen 1879. Ich werde alles daransetzen, dass wir unseren Weg in einem konstruktiven Geist und Klima sowie mit einem Höchstmass an gegenseitigem Vertrauen fortsetzen können.»

Der FC St. Gallen lädt zudem zu einer Medienkonferenz, wo er weiter informieren will. Diese findet am Mittwoch um 11 Uhr statt. Mit Matthias Hüppi und den Aktionären Philipp Bienz und Reto Preisig (Schützengarten).

Weshalb schaltet sich sogar die Regierung ein? Diese liess in einem Statement verlauten, man nehme die Unruhe rund um den Club besorgt zur Kenntnis. Regierungsrätin Bettina Surber (SP), notabene unmittelbare Nachfolgerin Köllikers als St. Galler Bildungsdirektorin, sagt zu SRF: «Dieser Club stiftet einen Zusammenhalt, wir haben keinen einfachen Kanton mit Blick auf die Zusammengehörigkeit.» Matthias Hüppi habe einen grossen Verdienst daran, was dieser Club für den Kanton erreicht habe.

Feiernde Menschen heben einen Pokal in die Luft.
Legende: Noch am Pfingstsonntag feierten der FC St. Gallen und Matthias Hüppi den Cupsieg mit Zehntausenden Fans auf dem St. Galler Marktplatz. Keystone/Gian Ehrenzeller

Wie sieht die Situation bei den Fans aus? Die organisierte Fanszene stellt sich klar hinter Hüppi und die vier bisherigen Verwaltungsräte. Schon nach dem Cupsieg entrollten die Fans ein Spruchband, auf dem sie sich bedankten – ohne Patrick Thoma zu erwähnen. Die bestehende Stabilität solle nicht gefährdet werden, der FCSG sei immer grösser als Einzelpersonen und Machtinteressen. Aktuell läuft eine Online-Petition, die sich gegen eine Machtübernahme wehrt – innert Kürze unterschrieben Tausende. Zusätzlich wird dazu aufgerufen, die Saisonkarte nicht zu verlängern, sollte Matthias Hüppi tatsächlich zurücktreten.

So könnte der neue Verwaltungsrat aussehen

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Fussballspieler in gelbem Trikot unter Regen.
Legende: Wird Marwin Hitz Verwaltungsrat beim FC St. Gallen? Keystone/Claudio Thoma

In Kürze soll eine ausserordentliche Generalversammlung stattfinden. Am Dienstagnachmittag tagt das Grossaktionariat. Danach will es kommunizieren – eventuell in der Nacht auf Mittwoch oder dann am Mittwoch selbst. Portiert werden für einen neuen Verwaltungsrat diese Personen.

Stefan Kölliker soll Präsident werden. Der SVP-Politiker war 16 Jahre lang Regierungsrat im Kanton St. Gallen, wo er für das Bildungsdepartement verantwortlich war.

Patrick Thoma ist der einzige Bisherige im kolportierten neuen Verwaltungsrat. Der Immobilienunternehmer aus Amriswil TG eröffnete kürzlich eine Filiale seines Unternehmens in St. Gallen – in Stadionnähe.

Marwin Hitz soll sich um die sportlichen Belange kümmern. Bis vor Kurzem stand der Thurgauer noch beim FC Basel im Tor.

Martina Wüthrich ist eine Thurgauer Juristin.

Urs Baumer ist Treuhänder aus der Region St. Gallen.

Regionaljournal Ostschweiz, 26.5.2026, 12:03 Uhr ; 

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