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Männlichkeit im Umbruch «Bei der Männlichkeit sind wir aktuell in der Schwebe»

Am diesjährigen «Rethink Masculinity Day» setzten Männer ein Zeichen dafür, dass auch Fürsorge männlich sein kann. Thomas Neumeyer von «männer.ch» sagt: Stereotype Bilder von harter Männlichkeit sollen aufgeweicht werden.

Thomas Neumeyer

Kommunikationsleiter beim Dachverband «männer.ch»

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Thomas Neumeyer ist im Dachverband progressiver Schweizer Männer- und Väterorganisationen «männer.ch» für die Kommunikation und die Mitgliederbetreuung zuständig.

SRF News: Herr Neumeyer, wann ist ein Mann ein Mann für Sie?

Thomas Neumeyer: Für mich ist ein Mann dann ein Mann, wenn er Verantwortung übernimmt, und zwar für sich selber, für die Menschen um sich herum, aber auch für die Gesellschaft. In dem Sinne glaube ich, ein Mann ist ein Mann, der sich um sich selbst kümmern muss, aber auch dafür schaut, dass es den anderen gut geht.

Wie steht denn dieser Mann, den Sie beschreiben, zur Frau?

Ich glaube, es ist wichtig, dass Männer und Frauen sich auf Augenhöhe begegnen. Und dass die Rollen, die sie einnehmen, nicht von Geschlechterstereotypen bestimmt sind, sondern von der Beziehung, in der man ist. Und dass diese Beziehungen frei gestaltet werden dürfen.

Ein Mann kann auch für andere da sein: Windeln wechseln, putzen, sich um alte Menschen kümmern.

Das ist ja auch ein Anliegen der Aktion «Rethink Masculinity». Was genau muss man überdenken?

«Rethink Masculinity» möchte, dass stereotype Bilder von Männlichkeit, die von Dominanz, Leistung und Härte geprägt sind, aufgeweicht werden, und zum Beispiel mehr Bilder von «Caring Masculinities» gelebt werden.

Dass man sagt, ein Mann kann auch für andere da sein: Er kann sich um Kinder kümmern, er kann putzen, Windeln wechseln, er kann sich auch in seinem Care-Beruf zum Beispiel um alte Menschen kümmern. Und dass das auf keine Art und Weise unmännlich ist, sondern auch zu einem männlichen Selbstbild sehr gut dazugehören kann.

Wie viel Erfolg haben Sie mit «Rethink Masculinity», bewegt das die Leute?

Ich glaube, gesellschaftlich ist Gleichstellung ein sehr grosses Thema. Es ist ein grosses Anliegen von sehr vielen Menschen, dass Männer und Frauen gleichgestellt sind und auf Augenhöhe miteinander zusammenleben können.

Gleichzeitig haben wir aktuell auch starke Tendenzen, die sich eine alte, traditionelle stereotype Männlichkeit zurückwünschen. Wir sind aktuell in der Schwebe.

Sind Sie der Gegenentwurf zu Alpha Boys und Incels?

Auf jeden Fall, wenn man die Manosphere als diesen Ort bezeichnet, wo ein Frauenbild herrscht, bei dem Frauen Männern untergeordnet sind und Männer hart und dominant sein müssen und wo Frauen abgewertet werden – ja, dann sind wir sicher ein Gegenentwurf. Weil wir finden, Männer und Frauen sind gleichgestellt. Und da gibt es noch viel Arbeit zu tun, bis das auch gelebte Realität ist.

In der Manosphere wird Männlichkeit sehr oft verknüpft mit der Abwertung von Frauen, darin ist Gewalt angelegt.

Welche Gefahr droht durch diese zur Schau gestellte Hypermaskulinität?

Ich finde, man muss unterscheiden: Das Streben nach Erfolg oder das Streben nach viel Muskeln oder dass man Sport gut findet, das ist per se noch nicht sehr problematisch. Aber in der Manosphere wird das sehr oft verknüpft mit der Abwertung von Frauen und dem Wunsch, dass Frauen sich unterordnen müssen. Schon in diesem Wunsch, in diesem Bild, ist Gewalt angelegt. Und das ist schlussendlich auch den demokratischen Prinzipien zuwiderlaufend, die sagen, dass alle Menschen gleich sind.

Würden Sie sagen, dass Sie die besseren Männer sind?

Ich finde, es ist immer schwer, sich selbst als besser darzustellen. Das finde ich nicht sinnvoll. Aber ich glaube, es macht Sinn, dass man als Mann versucht, ein Leben zu führen, in dem man anderen und sich selbst nicht schadet und dem anderen Geschlecht auf Augenhöhe und mit Respekt begegnet.

Das Gespräch führte Ruth Wittwer.

Info 3, 9.4.2026, 17 Uhr ; 

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