Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Manuelle Verkehrszählung Der Kanton Solothurn zählt den Verkehr traditionell noch von Hand

720 Oberstufenschülerinnen und -schüler zählen jeweils an einem repräsentativen Tag den Verkehr. Aus gutem Grund.

«Früher sassen Menschen am Strassenrand und zählten Autos und Lastwagen, die vorbeifuhren. Heute läuft das elektronisch», heisst es in einem SRF-Artikel der Konsumentensendung «Espresso» von 2016. Und doch gibt es knapp 10 Jahre später noch einen Kanton, der den Verkehr weiterhin flächendeckend von Hand zählen lässt: der Kanton Solothurn.

Autoschlange auf einer Landstrasse in den 1950er Jahren.
Legende: Der Verkehr in der Stadt Zürich 1952. Das Zählen der Autos war damals eher übersichtlich. Das Zählen des Verkehrs von Hand geht im Kanton Solothurn auf die 60er-Jahre zurück. Keystone

Der Kanton Solothurn zählt als einer der wenigen Kantone den Verkehr zu einem grossen Teil von Hand. Im Kanton standen am Messtag im Sommer 2025 gemäss Amt für Verkehr 46 festinstallierte, automatische Messgeräte. Hinzu kamen wochenweise noch 75 mobile, elektronische Zählgeräte. Beide decken aber bei Weitem nicht alle Kantonsstrassen ab.

Deshalb zählten Oberstufenschülerinnen und -schüler an 91 Standorten an einem Sommertag den Verkehr manuell. Dank dem flächendeckenden Zählen der Schüler gelange der Kanton zu mehr Daten, sagt Kurt Erni, Leiter Verkehr und Grundlagen beim Solothurner Amt für Verkehr: «Wir können so auf einem sehr dichten Zählstellennetz den Verkehr erfassen, das wäre ohne diese Hilfe nicht möglich.» Die Zählwerte sind wichtig, weil sie die Basis für die Verkehrsplanung bilden.

Am 11. Juni 2025 waren für die Verkehrszählung 720 Sek-Schülerinnen und -Schüler im Einsatz. Gezählt wird alle fünf Jahre, an jeweils an einem Tag. Daraus wird ein Durchschnittswert errechnet.

Der Tag sei bewusst gewählt. «Wir haben einen Tag Ende Juni gewählt, einen Mittwoch, einen repräsentativen Tag», sagt Kurt Erni vom Kanton Solothurn. In den Ferien oder an Feiertagen wird natürlich nicht gemessen. Solche Tage zeigen nicht den alltäglichen Werkverkehr.

Sind die Daten der Schülerinnen und Schüler korrekt?

Die Qualität der Verkehrserhebung durch die Schülerschaft sei gut: «Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht bei der Zusammenarbeit mit Schulen im Kanton Solothurn», so Erni weiter.

Die Lehrpersonen und Oberstufenschüler werden vor der Zählaktion durch den Kanton instruiert. Die Schülerinnen müssen auf ihrer Zählliste jeweils die richtige Kategorie Fahrzeug anwählen. Sie müssen aus sieben Kategorien auswählen.

Vier Personen in orange Westen sitzen neben Strasse im Grünen.
Legende: Die Qualität der Erhebung stimme, heisst es beim Auftraggeber, dem Kanton Solothurn. Kanton Solothurn/Amt für Verkehr und Tiefbau

Es ist ein Unterschied, ob ein Lieferwagen oder Lastwagen vorbeifährt. «Das wird im Schulzimmer vorgängig trainiert», erzählt Erni. Die Schulen werden für den Dienst entlohnt. Das sei ein willkommener Zustupf in die Schulkasse.

Es ginge ohne manuelles Zählen, aber...

Es gebe in den Kantonen ganz unterschiedliche Erhebungskonzepte, heisst es beim Solothurner Amt für Verkehr weiter. Wenn das ganze Kantonsstrassennetz gut mit Automaten abgedeckt sei, brauche es keine manuellen Zählungen.

Im Kanton Solothurn habe man aber zu wenig automatische Zählstellen. «Es wären grosse Investitionen nötig», so Erni weiter. Diese Mittel stünden dem Kanton nicht zur Verfügung.

Kanton Zürich ergänzt Velodaten manuell

Box aufklappen Box zuklappen

Im Kanton Zürich werden an 470 Messtellen Daten gesammelt. An gewissen Verkehrszählstellen wird gelegentlich manuell gezählt, um die Sammlung mit manuellen Daten zu ergänzen.

Hierbei werden unter anderem bei den bestehenden Messstellen periodisch zusätzlich Velos gezählt.

Kann künstliche Intelligenz manuelle Zählungen ablösen? Nicht unbedingt, glaubt Erni. Videobasierte Daten seien im städtischen Raum zwar denkbar. Dass aber auf dem ganzen Kantonsgebiet verkehrszählende Videokameras stehen, sei nicht realistisch. Abgesehen von den Kosten gehe das wohl auch aus Datenschutzgründen kaum.

Möglich also, dass die traditionelle Messmethode von Hand, die im Kanton Solothurn aufs Jahr 1960 zurückgeht, weitergeführt wird. Die nächste manuelle Strassenverkehrszählung ist dort für 2030 geplant.

Regional Diagonal, 17.1.2026, 12.03 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel