Die Politik will beim Transitverkehr härter durchgreifen. Wer künftig mit dem Auto von einem Nachbarland durch die Schweiz hindurch fährt, soll dafür extra bezahlen. Das Parlament hat dazu Ja gesagt, nun muss der Bundesrat eine Umsetzung ausarbeiten. Diese Transitgebühr soll den Verkehr reduzieren und so die Umwelt und die Bevölkerung entlasten. Wie sinnvoll und machbar es ist, erklärt Verkehrsplaner Luca Urbani.
SRF News: Ist eine Gebühr ein sinnvoller Ansatz?
Luca Urbani: Es kann schon sinnvoll sein. Aber zuerst muss klar sein, was das Ziel ist, was für einen Verkehr man steuern muss. Will man die Täler entlasten? Geht es um Spitzenbelastung? Um die allgemeine Mission? Es gibt viele Aspekte und bei jedem gibt es vielleicht einen anderen Hebel, den man aktivieren muss.
Die Idee ist, die Spitzenbelastung auf den Nationalstrassen zu reduzieren. Aber wie gross wäre der Effekt tatsächlich? Würde weniger Verkehr durch die Schweiz rollen?
Das ist eine spannende Frage. Road Pricing existiert überall, in den Städten, mit der Vignette auf den Nationalstrassen der Schweiz und mit Gebühren auf vielen Autobahnen im Ausland. Aber mit einem Ziel mit so grossem Massstab hat man sehr wenig Erfahrung. Insbesondere bei Spitzenbelastungen – also während Ferienzeiten – ist es schwierig zu beurteilen, wie viele Leute tatsächlich einen anderen Weg wählen würden, wenn sie etwas bezahlen müssten, wenn sie durch die Schweiz fahren. Also etwas mehr als heute, muss man sagen, weil heute braucht man ja sowieso schon eine Autobahnvignette.
Die Gebühr soll flexibel werden, je nach Verkehrsaufkommen. Könnte das ein sinnvoller Weg sein?
Das hätte einen grossen Effekt. Im Flugverkehr hat man schon gelernt, die Spitze der Spitze noch ein bisschen zu glätten. Wenn es am letzten Tag der Schulferien extrem teuer wäre, könnte man vielleicht am Tag vorher ausweichen oder in der Nacht. Das ist jetzt auch schon wegen des Staus so. Aber das könnte man zusätzlich lenken. Das kann gewisse Effekte nach sich ziehen.
Der Bundesrat spricht von grossem Aufwand: Kontrollen an allen Grenzen, technische Systeme, neue Infrastruktur. Wie realistisch ist die Umsetzung einer solchen Gebühr überhaupt?
Es ist sicher schwer schätzbar. Mit den heutigen Mitteln ist so etwas möglich. Man könnte Nummernschilder erkennen. Das ist sicher möglich, aber es ist sehr, sehr aufwendig.
Welche Massnahmen wären wirksam oder zumindest einfacher umzusetzen?
Man könnte einen ähnlichen Effekt mit deutlich weniger Aufwand erzielen, wenn man einfach den Preis der Autobahnvignette erhöhen würde. Das hätte einen deutlich stärkeren Effekt bei jenen Leuten, die nur in Ferienzeiten reisen. Die Tarife sind in die Jahre gekommen. Deshalb ist es extrem günstig geworden im Vergleich zu allem, was rund um die Schweiz noch bezahlt werden muss, um Strassen zu benutzen. Man könnte natürlich «chirurgischer» sein. Aber es wäre zu evaluieren, wie es beim Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen würde.
Das Gespräch führte Nicolà Bär.