«Also», sagt eine Zweitklässlerin konzentriert und macht danach eine Denkpause. Sie steht vor einer Glasglocke, darunter ist ein Schokokuss. «Wir saugen jetzt die Luft ab, durch dieses Loch da.» Das Mädchen zeigt dem Journalisten, wie der Prozess sein wird, und fügt an: «Danach passieren unterschiedliche Sachen.»
Was genau vor sich geht, wenn um den Schokokuss herum ein Vakuum erzeugt wird, scheint dem Mädchen noch nicht klar zu sein. Aber sein Interesse daran ist mit dem Experiment geweckt – genau das will die Messe «Tun Basel.»
Mit süssem Experiment überzeugen
Nach kurzer Zeit sehen die Schülerinnen, welchen Einfluss das Vakuum auf die Süssigkeit hat: Der Schokokuss platzt. «Darf ich ihn essen?», fragt ein Mädchen. Jetzt, wo die Süssigkeit zerplatzt ist, tauge sie ja auch nicht mehr für ein weiteres Experiment.
Ausprobieren, bauen und mitnehmen
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Bild 1 von 6. Unter fachkundiger Anleitung probieren Buben und Mädchen viele Sachen aus. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 6. Nicht selten gehen die Kinder nach der Messe... Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. ... mit einem selbst gebastelten «Bhaltis» nach Hause. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 6. Niederschwellig: Wer an einem Tisch etwas Interessantes sieht, kann hinstehen, fragen und vielleicht gleich mitmachen. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 6. Technik zum Anfassen: Der Lötkolben zischt und das Kabel ist dran. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Auch beim allerersten Karriereschritt ist die Schutzbrille schon auf. Bildquelle: SRF.
Doch die Zweitklässlerin muss warten. Zuerst erzählt Artur Jeken vom Paul Scherrer Institut den Schulkindern, was sie gerade gesehen haben: «Das Experiment zeigt, dass wir stets einem Luftdruck ausgesetzt sind. Den spüren wir zwar nicht. Aber wenn wir diesen durch das Vakuum wegnehmen, breiten sich manche Sachen aus – beispielsweise der Schokokuss.»
Das Experiment soll die Kinder für Naturwissenschaft und Technik begeistern. In der Schule sind das die sogenannten MINT-Fächer. Und diese seien in der Region Basel besonders wichtig, betont der Baselbieter Bildungsdirektor Markus Eigenmann. «Unsere regionale Wirtschaft lebt von der Life Sciences-Industrie», sagt er beim Besuch der Messe «Tun Basel». Deshalb sei es wichtig, dass «der Nachwuchs sichergestellt» sei. Die Region müsse die Life Sciences pflegen.
Einer meiner Söhne hat eine Berufslehre gemacht, der andere eine weiterführende Schule.
Die «Tun Basel» will den Kindern aber nicht nur einen universitären Weg in die Berufswelt zeigen. Auch die Berufslehre sei ein guter Start in eine erfolgreiche Karriere und keineswegs nur ein Plan B, so der Basler Erziehungsdirektor Mustafa Atici. «Wir haben zwei Mal den Plan A.» Das könne er anhand seiner eigenen Familie sehen, bei seinen beiden Söhnen: «Einer hat eine Berufslehre gemacht, der andere eine weiterführende Schule.» Beide Berufswege seien gut, beide empfehlenswert.
Kaum mehr Technik-Zugang
Allerdings sind mittlerweile vor allem höhere Bildungswege bei Eltern und Jugendlichen beliebt. Die Gymnasialquote liegt in Basel bei etwa 30 Prozent, was viele als zu hoch erachten. Der Kanton möchte die Anzahl derer erhöhen, die sich für eine Berufslehre entscheiden.
Dass viele lieber Kopfarbeit leisten, als etwas handwerklich anzupacken, habe mit der aktuellen Lebensrealität zu tun, glaubt Ralf Martin vom Messtechnikunternehmen Endress + Hauser. «Früher schraubte man am Mofa rum oder reparierte irgendwelche Geräte.» Das sei heute nicht mehr so und deshalb sei es wichtig, «hier an der Messe über einfache Bastelprojekte diese Begeisterung wieder zu wecken».
Ich will Ingenieurin werden, so wie meine Grossmutter und mein Götti.
Aber: Konnte die Messe diese Begeisterung auslösen bei den Zweitklässlerinnen, die zuvor das Vakuum erzeugt haben? Das Experiment haben sie zumindest begeistert mitverfolgt.
Die Messe habe ihren Berufswunsch nicht beeinflusst, antwortet eines der Mädchen: «Ich will noch immer Ingenieurin werden, so wie meine Grossmutter und mein Götti.» Auch ein anderes Mädchen sagt, dass sich nichts geändert habe – «obwohl ich es hier an der Messe sehr toll finde.» Sie habe aber sowieso noch viel Zeit, sich für einen Beruf zu entscheiden, merkt die Zweitklässlerin an.