Die Mine in der Hand von Digger-Gründer Frédéric Guerne ist kaum grösser als eine Zigarettenschachtel. Unscheinbar, billig und selten tödlich. «Moderne Minen sollen nicht töten, sondern verstümmeln», erklärt Guerne. Die militärische Logik dahinter: Verwundete Soldaten müssen geborgen werden. Wer hilft, setzt sich selbst der Gefahr aus, auf eine weitere Mine zu treten.
In der Ukraine ist nach Schätzungen der UNO rund ein Fünftel des Landes vermint oder mit Blindgängern belastet. Riesige landwirtschaftliche Flächen sind dadurch unbrauchbar.
In Tavannes im Berner Jura bietet die Stiftung Digger Maschinen an, die diese Minenfelder räumen sollen.
Auf einem Video arbeitet sich eine ferngesteuerte Digger-Maschine durch ein vermintes Terrain. «Die Maschine entfernt Büsche und Vegetation, pflügt den Boden um und zerstört dabei 98 Prozent der Minen», erklärt der Digger-Chef. Langsam arbeitet sich die Maschine vor. Dann eine Explosion. Eine Antipanzermine. Die Maschine fährt weiter, als wäre nichts geschehen.
Eine teure Maschine verbilligt die Minenräumung
Die Maschine erwischt nicht ganz alle Minen. Die restlichen müssen von Minenräumern aufgespürt und entschärft werden. Dank der Vorarbeit der Maschine komme diese Arbeit aber bis zu dreissig Mal schneller voran, sagt Guerne. «Die Maschine macht die Minenräumung sicherer, schneller und günstiger.»
In der Werkstatt von Digger schleift ein Mechaniker an einer Motorhaube aus Spezialstahl. Funken sprühen. Eine Handvoll Mitarbeitende baut hier die Maschinen zusammen. Die Handarbeit hat ihren Preis. Mehr als 600'000 Franken kostet ein Minenräumer.
Vor dem Krieg in der Ukraine produzierte Digger ungefähr eine Maschine pro Jahr. Mit dem russischen Angriff vergrösserte sich die Nachfrage. «Plötzlich sagte die ukrainische Regierung, sie brauche hundert Maschinen pro Jahr», erinnert sich Guerne. Die kommen zwar nicht alle aus Tavannes. Aber auch Digger hat die Produktionskapazitäten auf zwei bis drei Maschinen erhöht.
Standortvorteil Berner Jura
Die Stiftung Digger existiert seit 28 Jahren. Sie ist nicht gewinnorientiert und entwickelt ihre Maschinen ausschliesslich für humanitäre Einsätze. Doch einfach war das Geschäft nie. Die Stiftung stand schon kurz vor dem Konkurs, Gründer Frédéric Guerne erlitt zwischenzeitlich ein Burn-out.
Und einfach ist es auch jetzt nicht: Weil insbesondere die USA weniger in die humanitäre Hilfe investieren, stehen wichtige Partner von Digger ohne Geld da. Und so muss Guerne nicht nur die Maschinen von Digger finanzieren, sondern auch noch den Betrieb dieser Maschinen vor Ort.
Die nächsten Monate seien gesichert. Doch der Blick darüber hinaus bereitet ihm Sorgen: «Für nächstes Jahr habe ich noch keinen Auftrag.»
Er ist dennoch überzeugt, dass es weitergehen wird. Auch weil Digger in der Region fest verwurzelt ist. «Die Leute hier identifizieren sich mit unserem Projekt und unterstützen uns.» Es sei ein Vorteil, wenn man praktisch die einzige humanitäre Organisation weit und breit sei.