Das Problem im See: Zwischen 1918 und 1964 wurden in den Schweizer Seen rund 8200 Tonnen Munition im Thuner-, Brienzer-, und Vierwaldstättersee versenkt. Über die Hälfte dieser Menge (4600 Tonnen) liegt auf dem Grund des Thunersees. Kistenweise wurde überzählige oder überalterte Ordonnanzmunition in einwandfreiem Zustand oder Fehlchargen im Seewasser versenkt.
Das Risiko einer Bergung: Würde man die Munition aus der Tiefe holen, wäre das mit erheblichen Risiken für das empfindliche Ökosystem in den Seen verbunden. Das Bundesamt für Rüstung armasuisse sucht deshalb neue technische Lösungen, um diese Munition umweltschonend zu bergen.
Die Suche nach der Lösung: Diese Frage stand im Zentrum eines Ideenwettbewerbs, den das Bundesamt für Rüstung armasuisse 2024 lanciert hat. 214 Vorschläge gingen ein. Eine interdisziplinäre Fachjury aus Behörden, Forschungsinstituten und Hochschulen prüfte daraufhin die Eingaben nach klar definierten Kriterien. Nachfolgend die drei prämierten Ideen:
Idee «Beaver»: Die Idee von IHC Defence (NL) und REASeuro (NL): Die Munition wird unter einer luftgefüllten Taucherglocke, die den Arbeitsbereich während der Bergung vollständig vom See trennt, geborgen. Der «Beaver» verflüssigt die Sedimentschicht am Seegrund und holt die darin liegende Munition mit Hilfe eines Magneten heraus. Auf einem Floss wird die Munition dann neutralisiert.
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Bild 1 von 2. Bildquelle: Royal IHC.
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Bild 2 von 2. Bildquelle: Royal IHC.
Idee «Blauwal»: Helbling Technik schlägt ein fahrbares System vor, bei dem eine modifizierte Strandreinigungsmaschine mit Abdeckung aufwirbelnde Sedimente zurückhält. Die Maschine wird von einem Begleitboot aus gesteuert.
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Bild 1 von 2. Bildquelle: Helbling Technik Wil AG.
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Bild 2 von 2. Bildquelle: Helbling Technik Wil AG.
Idee «Cochlea»: Das Konzept von Walo Bertschinger sieht einen geschlossenen Kubus vor, in dem die Munition mit einem Schneckenförderer geborgen wird. Die Munition wird in Kammern gesammelt und dann zur Entsorgung gebracht.
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Bild 1 von 2. Bildquelle: Walo Bertschinger.
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Bild 2 von 2. Bildquelle: Walo Bertschinger.
Die Nicht-Lösung des Problems: Die prämierten Ideen würden zwar wichtige Ansätze für weitere Untersuchungen liefern, erklärt die Projktleiterin beim Bundesamt für Rüstung, Anne-Laure Gasser. Eine unmittelbare Bergung sei aber nicht geplant und wäre mit den heutigen Erkenntnissen und Mitteln auch noch nicht möglich. Es sei auch keine der eingereichten Ideen unmittelbar umsetzbar.
So geht es weiter: Der Wettbewerb habe aber interessante Ansätze geliefert, die gelte es nun zu vertiefen. Die armasuisse kann auch weder einen Zeithorizont nennen noch allfällige Kosten einer machbaren Lösung abschätzen. Anne-Laure Gassner sagt: «Es wird noch Jahre dauern.» Aber man habe im Moment auch keinen Grund, die Munition in den Seen zu bergen. So lange keine Schadstoffe ins Wasser gelangen. «Ändert sich das, müssen wir handeln», sagt Projektleiterin Gassner. Denn was heute stabil sei, bedeute nicht, dass es das auch in 20 Jahren noch sei.