Auf Rigi Kulm in der Zentralschweiz steht in einer alten Remise die Lok 7. Die tonnenschwere, grünlackierte Dampflokomotive hat Baujahr 1873. Einst war sie das touristische Zugpferd. 1959 kam sie ins neu gegründete Verkehrshaus der Schweiz, als eines der ersten Exponate.
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Bild 1 von 4. Schon immer beliebt: Die Lok 7 unterwegs runter von der Rigi Kulm Richtung Kaltbad, 1937. Bildquelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv .
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Bild 2 von 4. Die Dampf-Lok 7 ist bis heute ein Publikumsmagnet. Hier beim Bahnhof Goldau wird sie 2025 anlässlich «150 Jahre Arth Rigi Bahn» auf Rigi Kulm gefeiert. Bildquelle: Keystone/ Urs Flüeler.
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Bild 3 von 4. Nebel, Regen oder sonst unfreundliches Wetter? Dann lockt die Remise auf Rigi Kulm zu einem Museumsbesuch. Bildquelle: Rigi Bahnen AG.
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Bild 4 von 4. Wenn sie nicht gerade auf einer Erlebnisfahr ist, steht in der Remise nämlich die Lok 7 mit Baujahr 1873. Bildquelle: SRF/Maria Schmidli.
2020 erfuhr die Lok 7 eine Auferstehung: Sie wurde wieder fahrtüchtig gemacht und ist seither bei rund zwölf Extrafahrten pro Jahr auf der Rigi unterwegs. «Kaum ist die LoK 7 unterwegs, scharen sich die Leute um sie. Sie ist mit dem stehenden Kessel weltweit die Letzte ihrer Art», sagt Ivan Steiner, Leiter Marketing bei den Rigi Bahnen.
Bei Nebel ins Museum
Nun erhält die Lok auf Rigi Kulm ein eigenes Museum. Dort ist jedoch nicht nur die Dampflok zu sehen. Vielmehr wird auch die Geschichte der Rigi erzählt. Gäste können die Historie des ersten Berggasthauses der Alpen, des weltweit ersten Skigebietes oder der ersten Bergbahn Europas mittels KI-unterstützter Videotechnik mitverfolgen.
Es geht darum, in den frequenzschwachen Zeiträumen ein zusätzliches Angebot zu schaffen.
Wenn also die Rigi nebelverhangen ist, keine Sicht auf See und Berge bietet, lockt das Gipfelmuseum. Die Ausstellung sei das perfekte Schlechtwetterprogramm, heisst es bei den Rigi-Bahnen.
Dem pflichtet Florian Eggli vom Institut für Tourismus und Mobilität an der Hochschule Luzern bei: «Es geht darum, in den frequenzschwachen Zeiträumen ein zusätzliches Angebot zu schaffen.» Davon profitiere auch die Gastronomie und die Menschen, die auf dem Berg arbeiten, weil so eine konstante Nachfrage entstehe. Die Idee sei nicht neu, auch andere Alpendestinationen böten den Besucherinnen und Besuchern eine Schlechtwetteralternative.
Andere Museen auf Gipfeln
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Bild 1 von 3. James Bond auf dem Schilthorn. Seit 2013 gibt es die interaktive Ausstellung. Auf dem Schilthorn wurden einst Szenen für den Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» gedreht. Bildquelle: Keystone/ Christian Beutler.
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Bild 2 von 3. Die temporäre Installation «Breathe with Pilatus» auf Pilatus Kulm ist ein begehbarer Raum aus Stoff, Licht und Klang, entwickelt von der Künstlerin Annabelle Schneider. Bildquelle: Pilatus Bahnen.
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Bild 3 von 3. Am ESAF in Mollis war Muni Max ein Publikumsmagnet. Ein Verein will den Holzstier künftig auf dem Nätschen oberhalb von Andermatt als Museum zugänglich machen. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
Dass das neue Museum auf der Rigi für einen zusätzlichen Touristenansturm sorgt und den Berg noch mehr an die Grenze bringt, glaubt Florian Eggli hingegen nicht. Viel Ansturm gäbe es jeweils an schönen Tagen. Und dieses Angebot ziele auf das Gegenteil: «Beim Massentourismus geht es um einen schnellen Besuch, um ein Foto ganz nach dem Motto ‹been there, done that›. Beim Kulturtourismus geht es um die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Rigi.»
Mit einem solchen Format versuchten die Bergdestinationen eher, Publikums-Peaks zu entflechten – die Leute besser zu verteilen, sie auch zu anderen Zeiten auf den Berg zu holen.
Berginszenierungen gab es schon immer
Stellt sich die Frage, warum die Natur nicht ausreicht und weshalb es eine solche Inszenierung auf dem Berg überhaupt braucht. Die Rigi habe auch früher schon verstanden, sich zu präsentieren, sagt Florian Eggli: «Der Sonnenaufgang auf der Rigi war das Spektakel und der Grund, wieso die Leute auf die Rigi kamen. Es gab dafür extra einen Aussichtsturm, der unnötig war. Man braucht keinen Turm auf dem höchsten Punkt des Berges. Da ging es darum, die Bedeutung des Sonnenaufgangs zu bestärken, eben zu inszenieren.»
Die Ausstellung rund um die Lok 7 auf Rigi Kulm nimmt diese alte Idee auf. Sie bringt Nostalgie auf den Berg zurück – jedenfalls für die nächsten sieben Jahre.