Mit dem Bergsturz von Blatten verlor das Tal nicht nur mehrere Hotelbetriebe, sondern auch den Zugang zum touristischen Herzstück, dem hinteren Lötschental. Dieses ist bei Touristinnen, Wanderern und Alphütten-Besitzerinnen sehr beliebt – und war nun ein Jahr nur in Ausnahmefällen zugänglich. Seit diesem Wochenende ist es wieder erreichbar.
Mehrmals täglich fährt ein Postauto von der Lauchernalp auf die Fafleralp, ganz hinten im Lötschental. Es hat Platz für zwanzig Gäste, diese müssen ihre Fahrt anmelden. «Die Strasse ist schmal und kurvenreich», sagt ein deutscher Tourist. Mulmig sei ihm aber nicht, der Buschauffeur fahre vorsichtig.
Ich bewerbe mich, die Strecke den ganzen Sommer fahren zu dürfen.
Einer der Postautofahrer ist Kilian Lehner, der die neue Strecke interessant findet. «Es ist eine Abwechslung, wenn man nicht immer nur ins Tal ein- und ausfährt. Ich habe keine Angst, hier zu steuern.» Ein anderer Fahrer, Helmut Tannast, möchte die Strecke am liebsten den ganzen Sommer lang übernehmen. Er habe sich bereits nach zwei Fahrten mündlich beim Chef beworben, um auf dieser Linie bleiben zu dürfen.
Das grösste Hotel im Lötschental eröffnet wieder
Die Fafleralp sei im Sommer einer der meistbesuchten Orte im Lötschental. Dass das Hotel dort nun wieder per Bus erreichbar ist, sei ein wichtiger Meilenstein, sagt der Geschäftsführer von Lötschental Tourismus, Matthias Fleischmann. Das Hotel öffnet am Samstag, 4. Juli, nach einem Jahr wieder. Ohne Busverbindung wäre dies nicht möglich, sagt Matthias Fleischmann.
Die Kapazitäten seien mit acht Kursen und zwanzig Plätzen pro Tag nach wie vor beschränkt. «Das ist zwar nicht das gleiche Angebot, wie vor dem Bergsturz, aber trotzdem eine intensive Verbesserung gegenüber letztem Sommer», sagt Fleischmann.
Projekt war ein Hosenlupf
Der öffentliche Verkehr auf die Fafleralp habe verschiedene Herausforderungen mit sich gebracht, erzählt Fleischmann. Die Finanzierung zum Beispiel, welche die Tourismusorganisation zusammen mit dem Kanton stemmt. «Eine halbe Million Franken kostet das Angebot insgesamt.»
Es war keine einfache Geschichte, von der ersten Sitzung bis zur ersten Busfahrt.
In der Planungsphase habe die Sicherheit zudem Sorgen bereitet: Die neue Strasse zur Fafleralp führt auch unterhalb des Öigschtchummu-Gletschers vorbei, der wegen Abbrüchen überwacht wird. Ein Ampelsystem soll auf der Strasse im Notfall Alarm schlagen. «Es war keine einfache Geschichte, von der ersten Sitzung bis zur ersten Busfahrt.»
Ein Paar aus Holland, welches letztes Jahr noch zu Fuss zuhinterst ins Tal marschierte, hält es für fabelhaft, dass man wieder mit dem Bus zur Fafleralp gelangt.
Der Blick auf das zerstörte Dorf gibt jedes Mal einen Rückschlag.
Auch ein Einheimischer sitzt im Postauto Richtung Fafleralp und schaut aus dem Fenster. Man gewöhne sich kaum an diesen Anblick. Das zerstörte Dorf und der Schuttkegel lösten jedes Mal etwas in ihm aus, einen Rückschlag. Trotzdem sei er schon ein paarmal zu Fuss dort unterwegs gewesen. Jetzt – mal mit dem Postauto durchzufahren – sei irgendwie schön.
Von Katastrophentourismus will Matthias Fleischmann nicht sprechen. «Es ist natürlich, dass man mit eigenen Augen sehen will, worüber man viel gelesen und gehört hat. Ausserdem ist es wichtig für die Betriebe im Lötschental, dass Gäste wieder Umsatz bringen.»