Seit der Tragödie am Dienstagabend sind die Blicke auf Kerzers gerichtet. Das Dorf am Rande des Kantons Freiburg und inmitten des Schweizer Gemüsegartens steht selten im Mittelpunkt. Nun dominieren Schock und Trauer im 5500-Seelen-Dorf.
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Bild 1 von 10. Das Postauto-Unglück in Kerzers FR bewegt die Schweiz. Am Ort des Geschehens wurden Blumen niedergelegt. Bildquelle: Keystone/Cyril Zingaro.
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Bild 2 von 10. Luftaufnahmen des Dorfes Kerzers am Tag nach der Tragödie. Bildquelle: Keystone/Laurent Merlet.
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Bild 3 von 10. Das völlig ausgebrannte Postauto aus der Luft – das Feuer habe sich innerhalb von weniger als einer Minute ausgebreitet. Bildquelle: Kantonspolizei Freiburg.
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Bild 4 von 10. Beim Brand des Postautos sind am Dienstagabend mindestens sechs Passagiere ums Leben gekommen, fünf Personen wurden verletzt. Bildquelle: BRK.
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Bild 5 von 10. Ein als «psychisch instabil» geltender Mann hatte sich selbst in Brand gesteckt. Bildquelle: BRK.
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Bild 6 von 10. In sozialen Medien waren dramatische Bilder und Videos von dem brennenden Bus zu sehen. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 10. Die Identifikation der Toten steht nach Polizeiangaben noch aus. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
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Bild 8 von 10. Die Feuerwehr stellte am Dienstagabend einen Sichtschutz auf. Bildquelle: BRK.
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Bild 9 von 10. Ein Grossaufgebot der Einsatzkräfte war vor Ort. Bildquelle: BRK.
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Bild 10 von 10. Das Postauto war von Düdingen nach Kerzers unterwegs. Bildquelle: BRK.
Die Szenen mit dem brennenden Postauto sind auch am Tag danach immer noch präsent. Mitten im Feierabendverkehr waren viele Menschen unterwegs und haben die Ereignisse aus erster Hand mitbekommen.
Oder sie waren am Kochen, wie Sana Omrani Bouhjar: «Ich habe laute Schreie gehört und dann einen Mann gesehen, der mit einem Stein die Fenster des brennenden Postautos einschlagen wollte.» Erst da habe sie realisiert, dass da noch Menschen drin waren.
Einer ihrer drei Söhne ist normalerweise in diesem Bus. Er besucht eine Schule in Freiburg und kommt mit diesem Postauto nach Hause. An diesem Tag habe er ausnahmsweise einen früheren Kurs genommen. Sana Omrani Bouhjar zittert immer noch beim Gedanken, was wäre, wenn. Sie habe geweint, ihr Sohn habe geweint und die Kinder seien ganz nah bei ihr gewesen.
Oder Teke Zeynel. Er arbeitet in einem Imbisswagen direkt neben der Unglücksstelle. Am Abend hörte er einen Knall und sah die Flammen im Postauto. Danach sei der Bus noch ein paar Meter weitergefahren, bis kurz vor den Fussgängerstreifen. Als die Türen aufgingen, seien drei, vier Personen hinausgerannt.
«Die Jacke einer Frau brannte und ich konnte die Flammen mit der Hand löschen», erzählt Teke Zeynel. Mit dem Feuerlöscher, den er danach holte, versuchte er, das Feuer zu löschen. «Aber ich hatte keine Chance.» Er wollte auch einen Hammer holen, um die Fenster einzuschlagen.
Kondolenzbuch und Blumen
Beim Unglücksort ist mittlerweile ein weisses Zelt aufgestellt mit einem Kondolenzbuch, in dem die Bevölkerung ihre Anteilnahme kundtun kann. Im Verlauf des Tages kommen Menschen vorbei, die Blumen niederlegen. So beispielsweise Vanessa Luizzi: «Eine Geste, für die, die gestorben sind», sagt sie, den Tränen nahe.
Es hätte jeden treffen können.
«Ausgerechnet in Kerzers»: Diese Aussage hört man an diesem Tag immer wieder im Dorf. Und ausgerechnet in einem Bus, der auch von vielen jungen Menschen benutzt wird. «Es hätte jeden treffen können», sagt die Studentin Alessia Testa aus Kerzers.
Adeline Nobs steht beim Unglücksort. Sie hat gerade ihren Sohn in die Schule gebracht und ist fassungslos: «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass in Kerzers etwas Derartiges passiert.» Sie und ihre Kinder nehmen diesen Bus häufig, um nach Düdingen zu fahren. «Mein Sohn sagte mir, er wolle nicht mehr Bus fahren. Wir sollen das Auto nehmen.»
Die Bevölkerung von Kerzers und das Dorf werden wohl beide noch einige Zeit im Ausnahmezustand bleiben.