Oberhalb von Frenkendorf auf dem Bienenberg im Baselbiet soll eines der grössten Demenzdörfer Europas entstehen. Auf dem Areal des heutigen Pflegeheims «Dahay» plant die Stiftung Eben‑Ezer eine Anlage, die Menschen mit Demenz einen Alltag ohne geschlossene Türen ermöglichen soll.
Wie der Alltag heute aussieht, zeigt ein Blick ins bestehende Heim. Im «Dahay» fällt die Schiebetür zur geschlossenen Demenzabteilung heute oft ins Schloss. «Bewohnerinnen und Bewohner schlüpfen sonst manchmal hinter mir ins Treppenhaus», sagt Geschäftsführerin Ursula Tschanz. Weglauftendenzen seien verbreitet.
In einem Demenzdorf brauche es solche Türen nicht mehr, sagt Tschanz: «Wir möchten, dass die Bewohner ihre Wohngruppe verlassen und sich dennoch sicher auf dem Gelände bewegen können.»
So könnte ein Demenzdorf aussehen
Wie die neue Anlage für Demenzkranke aussehen könnte, sieht man in einem Kellerraum des heutigen Pflegeheims: Dort steht ein Modell des geplanten Areals. Um den bestehenden Neubau – auf der grossen Wiese unterhalb des Waldrands – sind 13 kleine Häuser vorgesehen. Der Wald und die Landwirtschaftsfläche in Gehdistanz sollen erhalten bleiben. Noch ist nichts definitiv, aber Tschanz erklärt einen möglichen Ansatz: «Es gäbe einen Dorfplatz und einzelne Häuser. Viele Wege soll es geben, sodass die Leute in ihre Häuser oder auf den Dorfplatz zurückfinden.»
Wichtig seien natürliche Grenzen – ohne Zäune oder Abschrankungen. «Wir wollen keine Mauern, Maschendrahtzäune oder Ähnliches auf dem Gelände, sondern natürliche Grenzen: mit Hecken oder Bruchsteinmauern.»
Das Konzept der Demenzdörfer stammt ursprünglich aus den Niederlanden; die erste Anlage entstand 2009. In der Schweiz gibt es bislang zwei solche Einrichtungen – das Juradorf in Wiedlisbach und den Lindenpark in Balsthal. Sie ermöglichen Menschen mit Demenz, sich in einer alltagsähnlichen Umgebung frei zu bewegen. «Ein solches Dorf schafft eine Umgebung, die Raum bietet, sich im Alltag zu orientieren und selbstständig kleine Wege zu gehen», sagt Karin Meier von Alzheimer Schweiz.
Das Hirn eines Menschen mit Demenz funktioniert anders. Eine angepasste Umgebung kann Stress vermindern.
Das Ziel sei, Stress zu reduzieren und Überforderung zu vermeiden: «Das Hirn eines Menschen mit Demenz funktioniert anders. Eine angepasste Umgebung kann Stress vermindern.» Das hilft auch gegen Begleiterscheinungen wie Aggressivität, depressive Verstimmungen oder Antriebslosigkeit.
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Bild 1 von 3. Drohnenaufnahme des heutigen Pflegeheims «Dahay» auf dem Bienenberg in Frenkendorf – auf diesem Areal soll das neue Demenzdorf entstehen. Bildquelle: zvg.
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Bild 2 von 3. Im neuen Demenzdorf sollen bis zu 200 Menschen mit Demenz leben können. Bildquelle: zvg.
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Bild 3 von 3. Im Baselbiet fehlen schon heute spezialisierte Pflegeplätze für Menschen mit Demenz. Das geplante Demenzdorf in Frenkendorf soll dem regionalen Engpass entgegenwirken. Bildquelle: zvg.
Tschanz' Engagement für das Demenzdorf in Frenkendorf ist auch ein persönliches: Vor vier Jahren erhielt ihr eigener Bruder eine Alzheimer-Diagnose. «An einen solchen Ort würde ich meinen Bruder gerne geben, wenn er nicht mehr daheim sein könnte.»
90 Millionen Franken für den Neubau
Der heutige Betrieb mit 59 Betten soll langfristig zugunsten des Demenzdorfes eingestellt werden. Ältere Gebäude würden abgerissen, der neuere Teil weiter genutzt. Das Demenzdorf soll in einer ersten Etappe rund 120 Plätze bieten; im Vollausbau sind 200 Pflegeplätze vorgesehen.
Für das Projekt rechnet die Leitung mit Kosten von rund 90 Millionen Franken; finanziert werden soll es vollständig durch private Mittel. «Nur so können wir ein solches Demenzdorf schnell bauen», sagt Projektleiter Hartmut Vetter.
Vorausgesetzt, es gibt keine Einsprachen, könnten Anfang 2032 die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen.