- Mattea Meyer nimmt nach einer mehrmonatigen Auszeit ihre Arbeit im Nationalrat und als Co-Präsidentin der SP Schweiz wieder auf.
- An der Sondersession Ende April wird sie teilnehmen, wie Meyer zu Tamedia sagte.
«Ich bin voller Energie und Freude für mein politisches Engagement», sagte die Zürcher Nationalrätin in einem am Montag veröffentlichten Interview. Zum politischen Leben habe sie nochmals bewusst Ja gesagt. «Und das fühlt sich sehr richtig an.»
In den vergangenen Monaten habe es Momente gegeben, in denen sie nicht gewusst habe, ob sie je wieder ins Bundeshaus zurückkehren werde. Diese Zeit beschrieb Meyer als das Schwierigste, was sie in ihrem Leben erlebt habe. «Nicht zu wissen, ob der alte Alltag wieder Normalität wird, ob es einen Weg zurück gibt.» Das habe Angst gemacht. Von dieser Angst sei sie heute befreit. «Umso schöner ist es, jetzt wieder hier zu sein», sagte die 38-Jährige.
Plädoyer für mehr Ehrlichkeit
Ende November 2025 hatte Meyer auf Instagram von einer «grossen Erschöpfung» gesprochen und ihre Arbeit ruhen lassen. Sie habe geschrieben, dass sie die Notbremse ziehe, sagte sie im aktuellen Interview. «Im Nachhinein muss ich mir eingestehen, dass es da wohl schon zu spät war.» Alltägliche Dinge, wie E-Mails zu beantworten oder die Kinder am Morgen bereit zu machen, hätten sie viel Energie gekostet. «Einer Freundin in meinem Zustand würde ich auch nicht raten, bis zu den Ferien weiterzumachen», sagte sie.
Es habe viel Überwindung gekostet, sich einzugestehen, dass sie keine Energie mehr hatte. Auch der Schritt an die Öffentlichkeit sei ihr schwergefallen. «Wenn wir nicht über unsere Schwächemomente reden, entsteht das Bild:
‹Wow, hier gibt es in Bern Leute, die Übermenschliches leisten›», sagte Meyer rückblickend. «Ein bisschen mehr Ehrlichkeit oder gegenseitige Fürsorge schaden nicht.»
Professionelle Hilfe und private Unterstützung
Während ihrer Auszeit, in der sie zu hundert Prozent krankgeschrieben war, habe sie professionelle Hilfe erhalten. Sie habe das Glück gehabt, dass bei einer Therapeutin etwas frei geworden sei. «Die Unterversorgung ist dramatisch», sagte die SP-Politikerin. Auch bei ihrer Therapeutin habe sie zunächst eine Absage wegen fehlender Kapazität erhalten. «Solche Mails habe ich reihenweise zurückerhalten», sagte Meyer.
Zudem verwies sie auf die Unterstützung ihres persönlichen Umfelds und ihrer Partei. Das Co-Präsidium mit Cédric Wermuth habe es ihr ermöglicht, loszulassen. Ihr Umfeld und die Partei hätten ihr stets gesagt, sie dürfe geduldig sein und sich die nötige Zeit für die Erholung nehmen. Von Tamedia auf ihre wertvollste Einsicht angesprochen, antwortete Meyer denn auch: «Geduldiger und gelassener mit mir selber zu sein.»