Zweisimmen, Frutigen, Langenthal – im Kanton Bern wurden jüngst gerade mehrere Geburtenabteilungen in Spitälern geschlossen. Mitunter weil immer weniger Kinder zur Welt kommen.
Für Schwangere oder Gebärende, die in ländlichen Gebieten leben, hat dies Folgen: Sie haben zum Teil sehr lange Anfahrtswege für ihre Betreuung.
Wie könnte man sie besser versorgen? Welche Alternativen zur klassischen Geburtenabteilung im Spital gibt es? Diesen Fragen geht der Kanton Bern gemeinsam mit der Berner Fachhochschule und den Spitalgruppen Spitäler FMI und Spital STS im Berner Oberland nach. Es ist das erste Mal, dass die Geburtshilfe in diesem Kontext wissenschaftlich untersucht wird.
Hausarztpraxis oder Hebamme als Anlaufstelle
In einem ersten Schritt wird untersucht, wie es um die aktuelle Versorgungslage steht und was die Bedürfnisse von Familien, Ärztinnen, Hebammen und Gemeindevertretern sind. Danach werden Lösungen geprüft. «Wir wollen herausfinden, ob es alternative Versorgungsmodelle gibt, die kostengünstiger sind, und mehr Synergien nutzen», sagt Susanne Grylka, Fachbereichsleiterin Geburtshilfe an der Berner Fachhochschule.
Bereits heute gebe es Angebote frei praktizierender Hebammen und Geburtshäuser, die gut funktionieren würden. Die Betreuung werdender Eltern müsse also nicht zwingend im Spital stattfinden.
Susanne Grylka gibt ein Beispiel: «Wenn es in einem abgelegenen Tal eine Hausarzt- oder eine gynäkologische Praxis gibt, könnte man prüfen, ob es dort Räumlichkeiten gibt, die Frauen in Notfällen rund um die Geburt als Anlaufstelle nutzen könnten.»
Blick auf andere Länder
Die Erforschung der Versorgungsmodelle habe nicht das Ziel, neue Einrichtungen zu schaffen. «Vielmehr wollen wir untersuchen, wie bestehende Strukturen besser genutzt werden können», sagt Grylka.
Kanada und Schweden haben Modelle, die wir uns sicher genauer anschauen werden.
Dabei könne auch der Blick auf andere Länder mit langen Anfahrtswegen helfen. «Kanada, Schweden und die Niederlanden haben Modelle, die wir uns sicher genauer anschauen werden», sagt Susanne Grylka. In den Niederlanden etwa sind Hebammen für Schwangerschaftsvorsorge, Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung verantwortlich. Grylka betont, beim Blick auf andere Länder müsse man jedoch überlegen: Passt dieses Modell auch wirklich ins Berner Oberland?
Letztlich sei wichtig, dass die erarbeiteten Vorschläge realistisch umsetzbar seien und langfristig funktionierten. Das Projekt ist Anfang Februar 2026 gestartet und dauert voraussichtlich ein Jahr.