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Nach Verlust der Konzession Telebielingue-Mitarbeitende: «So geht man nicht mit Personal um»

Frustrierte Telebielingue-Mitarbeitende fordern nach Massenentlassungen einen Sozialplan. Die Geschäftsleitung lehnt ab.

Die Mitarbeitenden von Telebielingue sind frustriert. «So geht man nicht mit seinem Personal um», sagt Laurent Wyss. Der Moderator und Produktionsleiter arbeitet seit 25 Jahren beim Regionalsender.

Es mangele an Transparenz und Respekt seitens der Geschäftsleitung, so Wyss. Zusammen mit anderen Mitarbeitenden hat er diese Woche eine Protestaktion auf einem Platz vor der Redaktion in Biel gemacht.

Konzession verloren

«Seit zwei Jahren weiss man, dass Telebielingue wahrscheinlich die Konzession verliert. Die Geschäftsleitung hat es verpasst, vorzusorgen», sagt er enttäuscht. Das Team von Telebielingue hingegen gebe trotz grosser Unsicherheit jeden Tag sein Bestes und mache Regionaljournalismus.

Gruppe von Menschen mit Regenschirm und Lautsprecher bei Outdoor-Veranstaltung.
Legende: Produktionschef Laurent Wyss und Journalistin Claudia Nuara fordern bei einer Protestaktion von der Gassmann-Gruppe eine «gerechte Behandlung». Keystone/Alessandro della Valle

Rückblick: Im Januar 2024 vergab das Bundesamt für Kommunikation die Konzession für die Region nicht an den Platzhirsch Telebielingue, sondern an den neuen Mitbewerber Canal B.

Hinter Canal B steht der Neuenburger Sender Canal Alpha. Der Sender erhält nun bis 2034 jährlich rund 3.7 Millionen Franken aus dem Gebührentopf. Die Telebielingue-Eigentümerin Gassmann Media zog den Entscheid bis vor das Bundesverwaltungsgericht, blitzte im März aber definitiv ab.

Mitarbeitende fordern Sozialplan

Anfang April kam es zu einer Massenentlassung bei Telebielingue. Die Gassmann-Gruppe kündigte 40 Angestellten per Ende Juli. Mit den Gebührengeldern breche auch die primäre Finanzierungsgrundlage des Senders weg, so die Begründung des Medienkonzerns.

Die Leitung lässt uns im Regen stehen.
Autor: Laurent Wyss Produktionsleiter und Moderator Telebielingue

«Trotz Konsultationsverfahren gab es seither keinen richtigen Dialog zwischen der Leitung und uns», kritisiert Moderator Laurent Wyss.

In einer Petition fordern 45 von 55 Mitarbeitenden nun vom Gassmann-Konzern Verhandlungen zur Ausarbeitung eines Sozialplans. «Wir verlangen, dass das Unternehmen jene, die ihren Job verlieren, bei der Neuorientierung unterstützt. Das sollte selbstverständlich sein, auch weil es viele langjährige Angestellte betrifft.»

Eigentlich wollten die Mitarbeitenden die Petition der Geschäftsleitung diese Woche bei der Protestaktion übergeben. «Es ist niemand gekommen, unser CEO hat uns im Regen stehen lassen», sagt Laurent Wyss.

Leitung sagt: «Wirtschaftlich nicht umsetzbar»

Christian Bärenfaller ist seit 2024 CEO von Gassmann Media. Er sagt: «Ein öffentlicher Platz ist nicht der richtige Ort für Gespräche.»

Die Geschäftsleitung sei aber schon seit Längerem mit der Belegschaft in Kontakt. «Wir diskutieren regelmässig mit der Personalkommission und der Gewerkschaft an einem runden Tisch.» Zudem sei die Forderung nach einem Sozialplan nicht neu.

Wir müssen und wollen in die Zukunft des Senders investieren.
Autor: Christian Bärenfaller CEO Gassmann Media

Bärenfaller verweist darauf, dass das Unternehmen im Fall von Telebielingue gesetzlich nicht zu einem Sozialplan verpflichtet ist. «Wir haben es trotzdem in Betracht gezogen und durchgerechnet, sind aber zum Schluss gekommen, dass ein Sozialplan finanziell nicht drin liegt. Auch weil wir in die Zukunft investieren wollen.»

Interviewsituation mit Reporter und Interviewpartner an Tisch.
Legende: Ein Sozialplan sei gesetzlich nicht vorgesehen und wirtschaftlich nicht realisierbar, sagt Gassmann-CEO Christian Bärenfaller. Keystone/Alessandro della Valle

Mit «Zukunft» meint Christian Bärenfaller: Telebielingue will auch ohne Gelder aus dem Gebührentopf weitersenden. «Telebielingue 2.0» heisst das neue Konzept. «Wir bleiben in Biel und bilingue. Wir wollen ein dynamisches Newsmagazin machen.» Dafür will die Geschäftsleitung bis zu 17 Arbeitsplätze erhalten.

Wie es nun zwischen der Führung und der Belegschaft von Telebielingue weitergeht, ist offen. Die Mitarbeitenden erwarten bis zum 10. Mai eine Antwort auf ihre Forderung.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6.5.2026, 17:30 Uhr ; 

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