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Nachhaltige Stadtentwicklung Wakkerpreis 2026: Brig-Glis verbindet Historisches mit dem Heute

Die Walliser Gemeinde Brig-Glis erhält den Wakkerpreis. Die Gemeinde zeigt, wie man Geschichte bewahrt und gleichzeitig modern und nachhaltig baut.

Es steht sinnbildlich für den Gewinn des Wakkerpreises, den die Gemeinde Brig-Glis erhält: Das ehemalige Gästehaus St. Ursula liegt in der Altstadt von Brig-Glis neben dem Stockalperschloss mit Aussicht auf die Stadt. Früher lebten hier Schwestern des Ursulinen-Ordens. Heute dient das Haus als Hotel und im angrenzenden Neubau befindet sich eine Asylunterkunft.

Das ehemalige Gästehaus der Ursulinen mit Garten im Vordergrund.
Legende: Das ehemalige Gästehaus der Ursulinen wurde in den 1970er-Jahren um einen Betonbau von Amédée Cachin ergänzt. Keystone/Gaëtan Bally

«Diese Umnutzung ist ein Beispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit baukulturellem Erbe», sagt David Vuillaume, Geschäftsführer des Schweizer Heimatschutzes. Sie zeige, wie historische Einrichtungen, die über lange Zeit gesellschaftliche Aufgaben wahrnahmen, sinnvoll weitergenutzt werden könnten.

Brig-Glis ist ein Ort, wo man ankommt.
Autor: David Vuillaume Geschäftsführer Schweizer Heimatschutz

Heute wie früher gelte im ehemaligen Gästehaus eine Willkommenskultur. «Das macht die Identität von Brig-Glis aus – es ist ein Ort, an dem man ankommt», sagt Vuillaume.

Moderne Architektur im Dialog mit Historischem

Dieses Gespür für die Verbindung von Altem und Neuem ist mit ein Grund, weshalb Brig-Glis den Wakkerpreis 2026 erhält. «In Brig gibt es viele moderne Bauten, die mit älteren Gebäuden im Dialog sind», sagt Vuillaume – «die architektonische Qualität ist sehr hoch».

Wakkerpreis 2026: Orte der Verbindung

Als weiteres Beispiel nennt er den Pavillon im Park des Stockalperpalasts. «Das ist moderne, eigenständige Architektur, die gleichzeitig den Stockalperpalast nicht konkurrenziert.»

Naturgewalt prägt das Stadtbild

Nebst der gelungenen Verbindung von Alt und Neu zeichnet Brig-Glis laut Schweizer Heimatschutz noch etwas anderes aus: die Resilienz. So gelinge es der Gemeinde immer wieder, sich an das veränderte Klima anzupassen.

Fakt ist: Die Natur prägt Brig-Glis seit jeher. Überschwemmungen, Lawinen und Erdrutsche gehören zum Alltag. Einschneidend war das Unwetter von 1993, als die Saltina weite Teile der Gemeinde überflutete. «Statt sich mit grossen Infrastrukturen vor weiteren Überschwemmungen zu schützen, hat man die Gelegenheit genutzt, die Stadt attraktiver zu machen», sagt David Vuillaume vom Schweizer Heimatschutz. So wurde etwa der Sebastiansplatz als Fussgängerzone gestaltet.

Ein Pflastersteinplatz mit spazierenden Menschen.
Legende: Nach der Überschwemmung von 1993 wurde der Sebastiansplatz neugestaltet. Keystone/Gaëtan Bally

Die Anpassung an klimatische Bedingungen gehe aber noch weiter: Baumalleen verbesserten das Mikroklima und Biodiversitätsflächen förderten die Artenvielfalt. Gleichzeitig nutzt die Stadt die Natur als Ressource für Erholung und Sport.

«Endlich etwas Positives im Wallis»

Der Briger Stadtpräsident Mathias Bellwald zeigt sich erfreut über die Auszeichnung: «Der Wakkerpreis erfüllt uns mit Stolz und Dankbarkeit – endlich einmal etwas Positives im Wallis.» Der Preis zeige, dass Brig-Glis ein Bewusstsein dafür habe, wo es sich lohne, etwas zu erhalten und wo nicht.

Aber es sei nicht immer einfach, Tradition und aktuelle Bedürfnisse zu verbinden – das habe man beim ehemaligen Gästehaus St. Ursula gesehen. Anfänglich habe es Widerstand gegen die geplante Asylunterkunft gegeben. «Aber es ist normal, dass Meinungen aufeinanderprallen, wenn man etwas Neues entwickelt», sagt Bellwald.

Eine Frau mit Kopftuch.
Legende: Schwester Nicole vom Kloster St. Ursula unterstützte die Umnutzung des ehemaligen Gästehauses St. Ursula in Brig. SRF

Und auch Schwester Nicole vom Kloster St. Ursula in Brig ist zufrieden, wie Altes mit Neuem verbunden wurde. Dass das ehemalige Gästehaus heute Hotel und Asylunterkunft zugleich ist, findet sie richtig: «Letztlich sind wir alle Gäste des Herrgotts», sagt sie und betont die Wichtigkeit der Vielfalt.

Die offizielle Übergabe des Wakkerpreises findet am 20. Juni 2026 im Rahmen einer öffentlichen Feier statt.

Der Wakkerpreis

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Der Schweizer Heimatschutz vergibt jährlich einer politischen Gemeinde oder in Ausnahmefällen Organisationen oder Vereinigungen den mit 20'000 Franken dotierten Wakkerpreis.

Erstmals ermöglicht wurde die Preisvergabe 1972 durch ein Vermächtnis des Genfer Geschäftsmannes Henri-Louis Wakker an den Schweizer Heimatschutz.

SRF4 News, 15.1.2025, 10:30 Uhr ; 

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