Worum geht es? Der KI-Chatbot Grok von Elon Musk hat die Plattform X in den letzten Tagen mit sexualisierten Bildern geflutet. Viele Leute nutzten den Chatbot, um Fotos von realen Personen zu manipulieren – meist ohne deren Zustimmung. Besonders häufig forderten Nutzer Grok auf, Fotos von Frauen in normaler Kleidung in Bikini-Outfits oder Unterwäsche zu verwandeln.
Was kann ich machen, wenn ich von Deepfakes betroffen bin? Medien- und Kommunikationsanwalt Manuel Bertschi sagt: «Als erstes sollte man sich sofort bei der entsprechenden Plattform melden und die Löschung der Bilder verlangen.» Zudem kann man auch die Person kontaktieren, die das Foto veröffentlicht hat. Das jedoch ist oft kompliziert, weil diese Personen meistens anonym operieren – und wahrscheinlich eine böswillige Absicht hinter ihrem Verhalten steckt.
Wie kann ich mich rechtlich wehren? Wenn man die Täterschaft kennt, kann man zivilrechtlich dagegen vorgehen. «Wenn eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorliegt, wird das Gericht die betreffende Person anweisen, das Foto vom Netz zu nehmen», sagt Bertschi. Schwieriger ist es, wenn die Täterschaft nicht identifizierbar ist. «In diesen Fällen kann man eine Strafanzeige gegen Unbekannt einreichen.»
Stehen die Plattformen juristisch in der Verantwortung? «Aus meiner Sicht schon», sagt Manuel Bertschi, «weil alle, die an einer Persönlichkeitsverletzung mitwirken, von Gesetzes wegen dafür verantwortlich sind.» Gleichzeitig sehen sich viele Tech-Unternehmen in erster Linie lediglich als Plattformanbieter und lehnen eine Verantwortung für die darauf geteilten Inhalte ab. «Es gibt zu dieser Frage leider erst wenige Gerichtsentscheide», so Bertschi.
Wie finde ich heraus, ob KI-veränderte Bilder von mir existieren? Es gibt verschiedene Programme, die bei dieser Suche helfen können, beispielsweise Tineye oder Faceseek. Dort kann man ein Foto von sich hochladen und die Programme durchsuchen dann das Internet nach Bildern mittels Techniken der Geschichtserkennung.
Wie kann ich mich präventiv vor Deepfakes schützen? Grundsätzlich sollte man darauf achten, wo und welche Aufnahmen man von sich veröffentlicht. «Ich rate zur Zurückhaltung», sagt Bertschi. Auf den meisten sozialen Plattformen kann man einschränken, wer die eigenen Bilder sehen kann, beziehungsweise wer darauf Zugriff hat. Das bietet einen gewissen Schutz. Allerdings braucht KI mittlerweile nicht mehr viele Informationen. Viele KI-Tools sind in der Lage, aus einem Portraitfoto ein Bewegtbild eines ganzen Körpers zu machen.
Was unternimmt der Staat? Die griffige Regulierung von Kommunikationsplattformen ist komplex, genauso wie die juristische Verfolgung von entsprechenden Rechtsverstössen. Hindernisse sind beispielsweise die Anonymität der Täter und die Internationalität der Plattformanbieter. «Das grosse Problem ist die Durchsetzbarkeit», sagt Bertschi. Wichtig wäre, dass sich die internationale Gemeinschaft auf Grundsätze bei der Regulierung einigen würde.
Darf ich Fotos von anderen Personen ein bisschen verändern, nur zum Spass? Manuel Bertschi sagt: «Fotografien sind grundsätzlich urheberrechtlich geschützt.» Das Verwenden, Verändern oder Verbreiten von Bildmaterial ohne Erlaubnis und über den privaten Gebrauch hinaus kann sowohl zu einer Urheberrechts- als auch zu einer Persönlichkeitsverletzung führen.