Ein mittelalterliches Schloss, eine Bergbahn auf den Moléson, eine Gruyères-Schaukäserei und ein Schokoladen-Museum – Greyerz ist der Tourismus-Hotspot des Kantons Freiburg. Jedes Jahr lockt die Region eine Million Touristinnen und Touristen an.
Doch eine neue Steuer spaltet die Gemeinde: In Zukunft sollen alle Unternehmen, die direkt oder indirekt vom Tourismus profitieren, der Gemeinde eine Tourismusabgabe bezahlen. So sollen pro Jahr rund 100'000 Franken in die Gemeindekassen fliessen für die Förderung von touristischen Anlässen.
Unterschiedliche Meinungen der Bertoffenen
In Greyerz sind die Meinungen dazu gespalten. Philippe Girardon betreibt im mittelalterlichen Städtchen eine kleine Bar. Die neue Abgabe kostet ihn rund 200 Franken pro Jahr. «Das ist nicht alle Welt», sagt er. Wenn die Gemeinde dafür gute Events auf die Beine stellen könnte, bezahle er das gerne.
Es ist nicht nötig, den Tourismus in Greyerz noch mehr zu fördern.
Kritischer ist Valery Saurat, der eine Boutique mit Souvenirs, handgemachten Kunstwerken und Accessoires führt. «Greyerz ist bekannt genug. Es ist nicht nötig, den Tourismus noch mehr zu fördern», findet er. Die Firmen würden der Gemeinde schon genug bezahlen über die ordentlichen Steuern.
Die Höhe der Abgabe ist je nach Betrieb unterschiedlich. Das Maximum von 5000 Franken im Jahr bezahlen nur die Bergbahnen und die grössten Hotelleriebetriebe. Restaurants bezahlen einen Betrag pro Platz, Läden pro Quadratmeter Geschäftsfläche. Und Betriebe, die nicht direkt Touristinnen und Touristen ansprechen, bezahlen einen Minimalbetrag von 100 Franken pro Jahr.
Bisher haben einige freiwillig bezahlt, andere nicht.
Der Gemeindepräsident von Greyerz, Jean-Pierre Doutaz, findet, dass die Tourismusförderung mit der neuen Abgabe gerechter werde. «Bisher gab es nur eine freiwillige Abgabe, die einige bezahlt haben und andere nicht.» Die neue Abgabe stelle sicher, dass alle einen angemessenen Teil beitragen.
Doch wieso sollen auch Betriebe bezahlen, die nicht direkt Touristinnen und Touristen anlocken – etwa Landwirtschaftsbetriebe? Auch sie würden vom Tourismus profitieren, ist Doutaz überzeugt. «Greyerzer Bauern liefern zum Beispiel die Milch, aus der der Käse hergestellt wird, den die Touristinnen und Touristen kaufen.» Ausserdem sei die minimale Abgabe von 100 Franken im Jahr verkraftbar.
Kein Zurück mehr
Mit der neuen Tourismusabgabe will die Gemeinde nicht ihre Infrastrukturen ausbauen. Die zusätzlichen 100'000 Franken sollen in Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte, 1.-August-Feiern oder Ähnliches fliessen. «Das Ziel ist es nicht, mehr Menschen anzulocken. Sondern die, die kommen, länger hier zu behalten», so der Gemeindepräsident.
Trotz gespaltener Meinungen in Greyerz: Ein Zurück gibt es voraussichtlich nicht mehr. Die Gemeindeversammlung hat die neue Tourismusabgabe mit 44 zu 16 Stimmen gutgeheissen. Nun liegt das Reglement beim Kanton, der es noch bewilligen muss. Laut Jean-Pierre Doutaz wurde die Verwaltung aber schon bei der Erarbeitung einbezogen. Er gehe deshalb davon aus, dass es noch dieses Jahr in Kraft treten könne.