Patrick Hofer weiss aus eigener Erfahrung, wovon er spricht: «Ich habe selbst die Grossmutter betreut und so einen Einblick in das Sozialversicherungssystem erhalten und dort auch die Komplexität kennengelernt.»
Wie vieles in der Schweiz sei auch das Sozialversicherungssystem sehr vielschichtig. «Es gibt Bundesleistungen, Kantonsleistungen, Gemeindeleistungen. Wir haben verschiedene Sozialversicherungen wie AHV, IV und Krankenkassen», sagt Hofer.
Und um diese Komplexität zu reduzieren, hat Hofer in den letzten Monaten nun eigenständig eine App entwickelt. «We+» heisst die App. Je nach Anwendungsfall ist sie gratis oder kostenpflichtig. Die App richtet sich in erster Linie an Angehörige, welche pflegebedürftige AHV- oder IV-Bezügerinnen betreuen, sagt Hofer.
Dass in der Schweiz so viele Menschen die Ergänzungsleistungen nicht beziehen, die ihnen eigentlich zustehen, ist ein grosses Problem.
Weil, was viele nicht wüssten: Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen die Ergänzungsleistungen auch die Kosten für die Betreuung durch Angehörige.
Auswirkungen auf die Gesundheit
Patrick Hofer fände es richtig, wenn alle Menschen diese Gelder bekämen, die einen Anspruch darauf haben. «Das ist keine Sozialhilfe, sondern das sind Leistungen der Versicherungen, die einem zugute stehen. Dafür haben die Menschen einbezahlt in die AHV, IV oder Krankenkasse. Und es ist schade, wenn diese Leistungen nicht bezogen werden», sagt er.
Bea Heim ist Co-Präsidentin von Vasos, der Vereinigung aktiver Seniorinnen und Selbsthilfeorganisationen der Schweiz. Dass in der Schweiz so viele Menschen die Ergänzungsleistungen nicht beziehen, die ihnen eigentlich zustehen, sei ein grosses Problem, sagt sie.
Für die Betroffenen bedeutet dies, dass man sich im Alltag viel weniger leisten könne. «Man geht nicht mehr ins Café, man geht nicht mehr unter die Leute, weil man sich geniert. Man isst ungesünder. Und das hat dann auch Auswirkungen auf die Gesundheit», sagt Heim.
Fehlendes Wissen, Aufwand oder Scham
Die Gründe, weshalb Menschen die Ergänzungsleistungen nicht beantragen, sind laut Bea Heim vielfältig. Die Verfahren seien komplex, das schrecke viele ab. Und häufig fehlten auch grundlegende Informationen, zum Beispiel, dass man einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen hätte.
«Viele verstehen es eher als eine Art Sozialhilfe. Und das möchte man nicht, nachdem man ein ganzes Leben lang gearbeitet hat, sich durchgeboxt hat und im Alter dann auf Sozialhilfe angewiesen wäre. Aber es ist nicht das», sagt Heim.
Sie fände es darum richtig, wenn der Staat in diesem Bereich seine Rolle künftig stärker wahrnehmen und aktiv auf Menschen zugehen würde, die einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben könnten.