Mittwoch, 6. Mai – Punkt 11:00 Uhr: Ein dumpfer Knall im Berg markiert einen Wendepunkt. Beim Nordportal in Ingenbohl im Kanton Schwyz beginnt mit dieser Sprengung der Vortrieb für den Morschacher Tunnel. Der exakt 2.89 Kilometer lange Tunnel ist die kürzere der beiden geplanten Röhren. Sie bilden die Kernstücke der neuen Axenstrasse zwischen Brunnen und Sisikon.
Die erste Sprengung am Morschacher Tunnel sei ein wichtiges Ereignis, sagt André Rüegsegger, Baudirektor des Kantons Schwyz: «Dass wir heute mit dem symbolischen Tunnelanschlag kundtun können, dass es nun mit der neuen Axenstrasse richtig losgeht, ist sehr erfreulich.» Und auch der Urner Baudirektor Hermann Epp spricht von einem Freudentag.
Die Axenstrasse, die die beiden Kantone Uri und Schwyz verbindet, ist seit Jahren ein Sorgenkind. Heute führt die Strasse über weite Strecken noch offen und spektakulär am Urnersee entlang unter Felswänden, die so beeindruckend wie brüchig sind und somit im schlimmsten Fall zu mehrwöchigen Sperrungen der Strasse führen. Für die bis zu 14’000 Pendlerinnen und Pendler und Lastwagen, die auf diese Strasse tagtäglich angewiesen sind, ist das mühsam.
Jahrelang hatte man um eine Lösung gerungen. Mit der neuen Umfahrung durch den Morschacher und den Sisikoner Tunnel haben der Bund und die Kantone Uri und Schwyz einen gangbaren Weg gefunden.
Die Tunnelbauten bergen aber auch einige Herausforderungen. Der Morschacher Tunnel beispielsweise verläuft durch geologisch anspruchsvolles Gestein, aus dem stellenweise Bergwasser austreten kann. Bei starken Regenfällen besteht zudem die Gefahr, dass grössere Wassermengen in den Tunnelbereich eindringen.
Um das Wasser kontrolliert abzuleiten, wurde in Ingenbohl ein Entwässerungsstollen gebaut, der direkt in den Vierwaldstättersee führt. Doch auch da brauchte man Zusatzmassnahmen, da es vor rund zwei Jahren zu einem Wassereinbruch in den Stollen kam.
«Bei jeder Baustelle, egal ob es sich um einen Tunnelbau handelt oder man zu Hause eine Küche einbaut, gibt es unterwegs immer kleine Herausforderungen. Das Unerwartete macht ja auch den Reiz des Tunnelbaus aus», sagt Stefan Gielchen, Gesamtprojektleiter der neuen Axenstrasse. Aber – dies betont er – im Grossen und Ganzen seien sie beim Bau der neuen Axenstrasse gut unterwegs und im Zeitplan.
Strasse von nationaler Bedeutung
Die ersten Autos und Lastwagen sollen in rund sieben Jahren über die neue Axenstrasse fahren. Kostenpunkt des Grossprojekts: über eine Milliarde Franken. Den Grossteil übernimmt der Bund.
Das Geld sei gut investiert, ist der Schwyzer Baudirektor André Rüegsegger überzeugt. Die Axenstrasse sei nicht nur für die beiden Standortkantone Schwyz und Uri von grosser Relevanz. Sie habe auch nationale Bedeutung: «Fast jeder in der Schweiz, nehme ich an, ist da schon mal durchgefahren. Indem wir die Strasse nun sicherheitstechnisch aufwerten, ist das letztlich ein Gewinn für die ganze Schweiz.»