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Neue Regeln für Solarstrom Lupsingen setzt auf Strom aus dem eigenen Dorf: Wie geht das?

Seit Anfang Jahr sind Solarstrombörsen für ganze Gemeinden erlaubt. Lupsingen BL packt die Chance und hat nun einen der grössten.

Lupsingen BL ist ein ruhiges Dorf zwischen Jurahügeln unweit von Liestal mit knapp 1600 Einwohnerinnen und Einwohnern. Hier glänzen nicht nur auf vielen Dächern Solarstromanlagen, das Dorf glänzt auch bei der dezentralen Nutzung: Die hiesige «Lokale Elektrizitätsgemeinschaft» (LEG) ist mit 68 Mitgliedern eine der grössten der Schweiz. Dieses Strombörsen-Modell ist erst seit Jahresbeginn zulässig.

Person in weissem T-Shirt lädt ein Elektroauto auf.
Legende: Wer das Stromangebot kennt, geht bewusster damit um, sagt der Lupsinger LEG-Initiant Manuel Balmer. SRF/Simone Weber

«Eine LEG ist wie ein lokaler Dorfmarkt», sagt Initiant Manuel Ballmer. Tagsüber werde die Ware angeliefert und die Kundschaft könne einkaufen, wenn etwas da liege. Weil das lokal günstiger ist als beim regionalen Stromversorger, folge die Nachfrage eher dem Angebot. So steuere man das Verhalten, damit Strom möglichst dann genutzt wird, wenn am meisten produziert wird.

Schrittweise zur gemeinsamen Strom-Nutzung

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Die Website lokalerstrom.ch der Schweizer Energiebranche gibt einen Überblick zu dezentralen Energienutzung von Betriebsmodellen und Praxisbeispielen bis Anbietern und Preisen. An Bord sind unter anderen auch der Städteverband, der Bund und WWF.

Seit 2018 gibt es den «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch», ZEV, zum Beispiel für Bezüger in einem Mehrfamilienhaus mit PV obendrauf. 2025 brachte das neue Stromgesetz Regelungen, die einen «virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch», vZEV, über direkte Nachbarschaft hinaus ermöglichen.

Seit Anfang 2026 können «lokale Elektrizitätsgemeinschaften», LEG, gegründet werden. Mit diesen kann man Strom aus lokaler Produktion innerhalb eines Quartiers oder in einer ganzen Gemeinde verkaufen und nutzen.

Vertragsfreiheit

Die LEG können ihre internen Preise in ihren Verträgen frei festlegen. Die LEG Lupsingen hat derzeit einen fixen Tarif. Denkbar wären auch dynamische Tarife je nach tageszeitlicher Einspeisesituation.

Dank der LEG-Tarife ist es überdies interessanter geworden, PV-Anlagen an nicht optimalen Lagen zu montieren, wenn diese zu Zeiten mit schwächerem Angebot Strom liefern.

Auch Mit-Initiant Roger Wenk, Präsident der kommunalen Natur- und Umweltschutzkommission, unterstreicht, dass er nun den eigenen Verbrauch noch gezielter nach dem Angebot optimiere. Er lade etwa sein Elektroauto über Mittag.

Profitieren beim Verkaufen und Kaufen

Lupsinger Hauseigentümerinnen und -eigentümer haben die Vorteile der LEG also rasch für sich entdeckt. Während mit immer mehr PV-Anlagen und Stromüberschüssen zu Spitzenzeiten die Einspeisetarife ins allgemeine Netz sinken, geht bei der LEG die Rechnung für dezentrale Anlagen besser auf. Dies, weil Netzbetreiber mindestens 20 Prozent Rabatt auf die Netztarife geben. Diese machen etwa die Hälfte des Strompreises für die Kundschaft aus.

Dieser Rabatt macht die Lupsinger LEG zu einer Win-Win-Story: Wer einspeist, erhält ein paar Rappen mehr für den Solarstrom. Wer kauft, bezahlt ein paar Rappen weniger als bei der regionalen Versorgerin Primeo Energie. Diese verliert zwar Umsatz, hat dafür aber weniger Druck, ihr Netz teuer auszubauen für immer mehr Sonnenstrom, der unregelmässig fliesst.

Das Geld bleibt im Dorf.
Autor: Manuel Ballmer Mit-Initiant der LEG Lupsingen

Laut Ballmer kann man mit einer kleinen PV-Anlage auch im Sommer via LEG bis zur Hälfte mehr bekommen für das Einspeisen als beim grossen Versorger. Beim Strombezug spare man gegenüber dessen Standardtarif mit LEG rund 20 Prozent.

In der Summe sparten die Käufer mit der LEG Lupsingen seit dem Start im April knapp 4400 Franken, die Verkäufer nahmen 1100 Franken mehr ein. Das stärke auch die lokale Wertschöpfung, so Ballmer: «Das Geld bleibt im Dorf.»

Es braucht Zugpferde

Lupsingen ist mit seiner LEG nicht nur vorne dabei, weil dort viele Häuser von Eigentümern stehen, die investieren können und wollen. Das liegt auch an Protagonisten wie Ballmer, die Herzblut und Know-how mitbringen. Vor 15 Jahren gründete der frühere Banker im Dorf eine Solargenossenschaft mit, heute bietet sein Startup Ecolabor eine LEG-App an. Die Software soll Verkäuferinnen und Käufer von Strom zusammenbringen und die komplexe Rechnerei einfacher und transparenter machen.

Verband Swissolar begrüsst LEG

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«LEG sind eine super Sache», sagt Lena Kern, die beim Solarenergie-Branchenverband Swissolar für Technik und Betriebswirtschaft mitverantwortlich ist. Dies, weil sie den Vermarktungs-Radius für Strom aus einer PV-Anlage markant vergrösserten. Das Modell biete sich an, sobald jemand mehr produziert als er selber verbraucht.

Lokale Nutzung des Stroms via LEG könne überdies einen Ausbau des überregionalen Netzes unnötig machen. Die meisten Stromversorgungsunternehmen stünden dem Modell denn auch positiv gegenüber – zulassen müssten es alle. Der organisatorische und administrative Aufwand, eine LEG aufzugleisen, sei indes nicht zu unterschätzen.

Das Modell der lokalen Elektrizitätsgemeinschaft sei eine Art «Strommarktliberalisierung light», findet Kern. «Zum ersten Mal kann auch jemand Privates das Stromnetz für die Verteilung und Vermarktung von privat lokal produzierter Energie nutzen. Das gab es so noch nie.»

Ballmer hofft, dass die App dazu beiträgt, dass die Lupsinger LEG landesweit Schule macht. Potenzial gebe es in sehr vielen Gemeinden. Schwer hätten es LEG indes dort, wo ein Versorger niedrige Preise biete, etwa dank lokaler Wasserkraft.

Hügelige Landschaft mit Häusern und bewaldeten Hügeln im Hintergrund unter blauem Himmel.
Legende: Auf den Dächern von Lupsingen im Baselbieter Jura hat es derzeit rund 150 Photovoltaik-Anlagen, die Strom für gegen 800 Haushalte liefern. (Archivbild) Keystone/Georgios Kefalas

Am Ziel sei ihre Lupsinger LEG noch nicht, sagt Ballmer, der auch für die GLP im Kantonsparlament sitzt. Zwar seien schon viele Einspeiser dabei, aber erst wenige Stromkäufer. Er ist überzeugt, dass sich das ändert, wenn sich die Vorteile herumsprechen.

Regionaljournal Basel Baselland, 24.7.2026, 17:30 Uhr ; 

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