Lupsingen BL ist ein ruhiges Dorf zwischen Jurahügeln unweit von Liestal mit knapp 1600 Einwohnerinnen und Einwohnern. Hier glänzen nicht nur auf vielen Dächern Solarstromanlagen, das Dorf glänzt auch bei der dezentralen Nutzung: Die hiesige «Lokale Elektrizitätsgemeinschaft» (LEG) ist mit 68 Mitgliedern eine der grössten der Schweiz. Dieses Strombörsen-Modell ist erst seit Jahresbeginn zulässig.
«Eine LEG ist wie ein lokaler Dorfmarkt», sagt Initiant Manuel Ballmer. Tagsüber werde die Ware angeliefert und die Kundschaft könne einkaufen, wenn etwas da liege. Weil das lokal günstiger ist als beim regionalen Stromversorger, folge die Nachfrage eher dem Angebot. So steuere man das Verhalten, damit Strom möglichst dann genutzt wird, wenn am meisten produziert wird.
Auch Mit-Initiant Roger Wenk, Präsident der kommunalen Natur- und Umweltschutzkommission, unterstreicht, dass er nun den eigenen Verbrauch noch gezielter nach dem Angebot optimiere. Er lade etwa sein Elektroauto über Mittag.
Profitieren beim Verkaufen und Kaufen
Lupsinger Hauseigentümerinnen und -eigentümer haben die Vorteile der LEG also rasch für sich entdeckt. Während mit immer mehr PV-Anlagen und Stromüberschüssen zu Spitzenzeiten die Einspeisetarife ins allgemeine Netz sinken, geht bei der LEG die Rechnung für dezentrale Anlagen besser auf. Dies, weil Netzbetreiber mindestens 20 Prozent Rabatt auf die Netztarife geben. Diese machen etwa die Hälfte des Strompreises für die Kundschaft aus.
Dieser Rabatt macht die Lupsinger LEG zu einer Win-Win-Story: Wer einspeist, erhält ein paar Rappen mehr für den Solarstrom. Wer kauft, bezahlt ein paar Rappen weniger als bei der regionalen Versorgerin Primeo Energie. Diese verliert zwar Umsatz, hat dafür aber weniger Druck, ihr Netz teuer auszubauen für immer mehr Sonnenstrom, der unregelmässig fliesst.
Das Geld bleibt im Dorf.
Laut Ballmer kann man mit einer kleinen PV-Anlage auch im Sommer via LEG bis zur Hälfte mehr bekommen für das Einspeisen als beim grossen Versorger. Beim Strombezug spare man gegenüber dessen Standardtarif mit LEG rund 20 Prozent.
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Bild 1 von 3. Drei der Köpfe hinter der Dorf-LEG in Lupsingen (von links): Simon Dürrenberger, Manuel Ballmer und Roger Wenk. Bildquelle: SRF/Simone Weber.
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Bild 2 von 3. Seit dem Start hat die LEG Lupsingen ihren Teilnehmenden 5500 Franken Vorteile gegenüber dem Versorger gebracht. Bildquelle: SRF/Simone Weber.
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Bild 3 von 3. Wenn dereinst an allen Zählern der LEG-Teilnehmenden solche Übertragungsmodule hängen, werden die Einspeise- und Verbrauchsdaten in Echtzeit dokumentiert. Bildquelle: SRF/Simone Weber.
In der Summe sparten die Käufer mit der LEG Lupsingen seit dem Start im April knapp 4400 Franken, die Verkäufer nahmen 1100 Franken mehr ein. Das stärke auch die lokale Wertschöpfung, so Ballmer: «Das Geld bleibt im Dorf.»
Es braucht Zugpferde
Lupsingen ist mit seiner LEG nicht nur vorne dabei, weil dort viele Häuser von Eigentümern stehen, die investieren können und wollen. Das liegt auch an Protagonisten wie Ballmer, die Herzblut und Know-how mitbringen. Vor 15 Jahren gründete der frühere Banker im Dorf eine Solargenossenschaft mit, heute bietet sein Startup Ecolabor eine LEG-App an. Die Software soll Verkäuferinnen und Käufer von Strom zusammenbringen und die komplexe Rechnerei einfacher und transparenter machen.
Ballmer hofft, dass die App dazu beiträgt, dass die Lupsinger LEG landesweit Schule macht. Potenzial gebe es in sehr vielen Gemeinden. Schwer hätten es LEG indes dort, wo ein Versorger niedrige Preise biete, etwa dank lokaler Wasserkraft.
Am Ziel sei ihre Lupsinger LEG noch nicht, sagt Ballmer, der auch für die GLP im Kantonsparlament sitzt. Zwar seien schon viele Einspeiser dabei, aber erst wenige Stromkäufer. Er ist überzeugt, dass sich das ändert, wenn sich die Vorteile herumsprechen.