Der Saal ist voll. Über 200 Menschen besuchen am Montagabend die Informationsveranstaltung auf dem Flugplatz Meiringen. Grund ist der Fluglärm, der vielen Angst bereitet. «Es ist unerträglich», sagt Peter Michel, Präsident der Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm in der Alpenregion.
Der F-35A-Kampfjet ist hörbar lauter als der aktuelle F/A-18. Das will der Bund kompensieren: mit halb so vielen Starts und Landungen, keinen Flügen am Freitagnachmittag und Montagmorgen und Lärmschutzfenstern bei mehr Häusern.
Aber gerade beim Lärmschutz haben sich viele im Saal mehr erhofft, auch der Meiringer Gemeindepräsident Daniel Studer: Wichtig sei, dass jene Gebäude einen Lärmschutz erhielten, die eine Einschränkung in der Wohn- und Lebensqualität wegen der lauteren Flugzeuge haben. «Da darf man nicht kleinlich sein, und ich wünsche mir vom Bund eine gewisse Kulanz.»
Andere Stimmen
Obwohl eine Mehrheit auf dem Flugplatz Meiringen den Bund und seine Massnahmen gegen den Fluglärm lautstark kritisiert, gibt es auch andere Stimmen. Vreni Wyss aus Brienzwiler beispielsweise findet den Lärm nicht so schlimm: «Ich weiss nicht, weshalb so viele Leute gegen diesen Flugplatz sind, dadurch gibt es auch Arbeitsplätze und Lehrstellen für die Jungen.»
Auch betroffen vom Lärm ist der Campingplatz Aaregg in Brienz am Brienzersee. Die deutsche Touristin Jana Frank sitzt auf einem Campingstuhl und nimmt den Fluglärm gelassen: «Mich störts nicht; ich finde es vielmehr faszinierend, wie die Flieger da Kurven fliegen.»
Campingplatzbesitzer Marcel Zysset muss wegen des Lärms immer wieder aufgebrachte Gäste beruhigen. Die Ankündigungen des Bundes freuen ihn nur bedingt: «Sanierungen von Fenstern nützen dem Campertouristen nicht wahnsinnig viel. Aber wenn es weniger Flugbewegungen gibt, bedeutet das weniger Lärm, und das wäre für die Region sicher erträglicher.»
Klare Forderungen aus Emmen
Die Reaktion der Luzerner Gemeinde Emmen auf die Ankündigungen des Bundes fällt deutlich aus. Die Lärmbelastung durch die neuen Kampfjets treffe die Standortattraktivität von Emmen und müsse durch den Bund angemessen entschädigt werden, schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung.
Mit dem neuen Kampfjet werde zwar weniger oft geflogen, die einzelne Flugbewegung werde aber lauter, wird Gemeindepräsidentin Ramona Gut-Rogger in der Mitteilung zitiert. «Genau das ist es, was die Menschen im Alltag spüren.» Deshalb sei klar: Die vorgesehenen Massnahmen reichten nicht aus, um die negativen Auswirkungen auf den Alltag der Bevölkerung Emmens zu kompensieren. Emmen fordert deshalb vom Bund eine Entschädigung.
Konkret: Der Bund soll sich finanziell an der bevorstehenden Sanierung des Hallenbads Mooshüsli beteiligen. Dieses sei direkt vom Lärm betroffen, da es in der Anflugschneise liegt. Zudem fordert die Gemeinde Emmen eine jährlich wiederkehrende Beteiligung des Bundes am Standortmarketing, um Emmen als Wohn-, Arbeits- und Lebensort langfristig zu stärken.
«Für uns ist entscheidend, dass sich die Interessen der Emmer Bevölkerung in konkreten Verbesserungen niederschlagen», so Ramona Gut-Rogger. Der Bund habe zwar wichtige Schritte unternommen. Doch die reichten nicht.
Ein lauteres Flugzeug, dafür weniger Flüge und mehr Schallschutz: Das sind die Pläne des Bundes. Die Bevölkerung aus den betroffenen Regionen Meiringen, Emmen und Payerne kann sich dazu bis Mitte Juni äussern.