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Neuer Karriereschritt Die schnellste Polizistin der Welt wird nun Profiläuferin

Nach nationalen Titelerfolgen will sich die Schaffhauserin Fabienne Vonlanthen nun mit Europas Top-Läuferinnen messen.

Fabienne Vonlanthen schrieb letztes Jahr Geschichte. Die Schaffhauserin gewann als erst zweite Schweizer Läuferin den Schweizermeistertitel in den drei Kategorien 10 Kilometer, Halbmarathon und Marathon. In diesem Jahr will sie nun an der Leichtathletik-EM in England für Furore sorgen.

Fabienne Vonlanthen

Langstreckenläuferin

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Fabienne Vonlanthen gehört zu den besten Langstreckenläuferinnen der Schweiz. Geboren im Juli 1993, entdeckte sie den Laufsport erst 25 Jahre später, als sie ihren beruflichen Weg zur Polizistin einschlug. Mittlerweile ist sie in der Schweiz an der Spitze des Laufsports angekommen. So etwa siegte sie 2022 an den «World Police and Fire Games» und darf sich seither die schnellste Polizistin der Welt nennen. Zudem holte sie 2025 den Schweizermeistertitel in gleich drei Kategorien – über 10 Kilometer, im Halbmarathon und im Marathon.

SRF News: Fabienne Vonlanthen, Sie gelten als schnellste Polizistin der Welt. Mussten Sie das schon einmal im Einsatz unter Beweis stellen?

Fabienne Vonlanthen: Nein, tatsächlich noch nie. Aber sollte es einmal vorkommen, wäre ich bereit.

In diesem Jahr setzen Sie beruflich nun alles auf eine Karte. Sie werden Profiläuferin. Warum?

Die letzte Saison war sehr erfolgreich. Ich habe einen Riesensprung gemacht, was meine Zeiten angeht. Jetzt will ich wissen, was noch geht, wie ich mich weiter verbessern kann.

Mein grosses Ziel ist es, mich für die Europameisterschaft in Birmingham zu qualifizieren und dort die Schweiz zu repräsentieren.

Wie viel Mut hat dieser Schritt gebraucht?

Es ist ein Sprung ins Ungewisse. Aber: Laufen ist meine Passion, und das ist nun der nächste, logische Schritt. Ich kann mich – ohne auf einen Dienstplan zu achten – einer Trainingsgruppe anschliessen, spontan in ein Trainingslager gehen. Ich will das nun durchziehen und herausfinden, ob es aufgeht.

Sie sind nun 32 Jahre alt, haben erst mit 25 mit dem Laufsport angefangen, als Sie Polizistin wurden. Wieso erst dann?

Polizistin werden war immer ein Kindheitstraum. Als ich mich bewarb, merkte ich: Oh Mist, da musst du sportlich etwas können. Ich war schon früher nie schlecht im Schulsport, aber erst dann habe ich die Laufschuhe hervorgenommen.

Zuerst war nach einem Kilometer die Luft draussen. Plötzlich aber konnte ich Kilometer um Kilometer anhängen und es fing an, Spass zu machen.

Sie laufen fast jeden Monat einen Marathon, dazu kommen weitere Rennen und Trainings. Ist das gesund?

Es ist eine Gratwanderung. Was braucht es, um weiterzukommen? Und was ist zu viel? Wann riskiert man eine Verletzung oder überfordert das Immunsystem und wird krank?

Läufer bei einem Stadtmarathon in Sevilla mit moderner Architektur im Hintergrund.
Legende: Erst mit 25 Jahren entdeckte Fabienne Vonlanthen den Laufsport. Nun gehört sie zu den besten Langstreckenläuferinnen der Schweiz. Fabienne Vonlanthen

Mittlerweile habe ich das im Griff. Ich kenne meinen Körper und weiss, was ich ihm zumuten kann. Und: Nicht jeder Wettkampf ist gleich wichtig. Manchmal laufe ich ihn auch als Training.

Fürs Laufen müssen sie auf vieles achten – Ernährung, Schlaf. Wie stark schränkt es sie ein?

Ich verzichte auf viel. In einer strengen Marathonvorbereitung sehe ich nicht viele Freunde. Spontan etwas zu unternehmen oder auch Familienfeste liegen oft nicht drin.

Familienfeste liegen oft nicht drin. Am Anfang war das schwierig, nun verstehen es aber viele.
Autor: Fabienne Vonlanthen Langstreckenläuferin

Am Anfang war das schon schwierig. In der Zwischenzeit verstehen aber viele, dass das mein Leben ist und es zu mir gehört.

In diesem Jahr ist die Leichtathletik-EM in Birmingham das grosse Ziel. Mit welchen Erwartungen?

Ich will mich über ein World Ranking qualifizieren, und derzeit bin ich so gut platziert, dass es reichen würde. Aber entschieden wird erst im Juni oder Juli. Bis dahin kann noch viel passieren.

Frau joggt auf Bergpfad mit Alpen im Hintergrund.
Legende: Fabienne Vonlanthen läuft jede Woche zwischen 100 und 160 Kilometern, um sich auf die EM in England vorzubereiten. Fabienne Vonlanthen

Medaillenchancen habe ich wohl eher weniger, es gibt in Europa stärkere Läuferinnen. Aber Letzte werde ich sicher auch nicht. Ich schätze, dass ich einen guten Mittelfeldplatz erreiche.

Mehr trainieren: Das nehmen sich viele für das neue Jahr vor. Haben Sie einen Tipp?

Es ist ratsam, nicht gleich zu viel zu machen – nicht gleich zehn Kilometer, sondern vielleicht nur zwei, und das dann langsam steigern. Wenn man zu viel will und merkt, dass es nicht geht, verliert man die Lust.

Das Gespräch führte Roger Steinemann.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 6.1.2026, 17:30 Uhr ; 

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