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Neuer Untersuchungsbericht Unispital Zürich bestätigt schwere Fehler in der Herzchirurgie

Das USZ hat schwere Verfehlungen und unerwartete Todesfälle in der Herzchirurgie zwischen 2016 und 2020 bestätigt.

Die Ergebnisse eines Untersuchungsberichts belegen ein dramatisches Ausmass: Am Universitätsspital Zürich ist es in der Herzchirurgie zwischen 2016 und 2020 zu schweren Verfehlungen und unerwarteten Todesfällen gekommen.

Aufsehenerregend ist im Bericht die Übersterblichkeit im untersuchten Zeitraum. Statistischen Berechnungen zufolge war die Sterberate auf Basis von 4500 Operationen im Vergleich mit anderen Universitätsspitälern um bis zu 74 Fälle höher.

Die Ereignisse im Fall Maisano am Universitätsspital Zürich

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Jahr 2016 – 2020:

In der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich sterben überdurchschnittlich viele Patientinnen und Patienten. Später ist die Rede von möglicherweise 150 bis 200 vermeidbaren Todesfällen. Die Vorwürfe sind, dass ein von Francesco Maisano mitentwickeltes Cardioband nicht sicher ist, dass Patienten nicht korrekt aufgeklärt werden und dass Operationen teilweise Technologie- und Studieninteressen gedient haben.

Jahr 2020:

Ein Whistleblower (Arzt) informiert die Behörden und Medien über die Unregelmässigkeiten. Die Affäre wird öffentlich, Medienberichte und Spannungen innerhalb der Klinik nehmen stark zu.

Jahr 2021:

Das Universitätsspital Zürich trennt sich von Francesco Maisano – auch der Whistleblower verlässt das Spital. Maisano kehrt nach Mailand zurück und arbeitet dort weiter als Herzchirurg.

Jahr 2022 – 2023:

Der mediale und politische Druck auf die Unispital wächst. Es werden Forderungen nach einer externen, unabhängigen Untersuchung laut.

Jahr 2024:

Das Universitätsspital kündigt eine unabhängige Task Force an, die die Todesfälle an der Herzklinik untersuchen soll – in einem ausgeweiteten Zeitraum von 2015 bis 2021. Der frühere Bundesrichter Niklaus Oberholzer übernimmt die Leitung. Kritiker bemängeln jedoch, dass das USZ Auftraggeber und Financier der Untersuchung ist. Ebenfalls 2024 verliert das Cardioband die europäische Zulassung und wird nicht mehr verwendet.

Jahr 2025:

Medien veröffentlichen weitere Recherchen zu Todesfällen, Interessenskonflikten und internationalen Verflechtungen.

Über 300 Todesfälle während der Amtszeit von Klinikleiter Francesco Maisano wurden zudem genauer untersucht. Gemäss Analyse kam es dabei zu 75 chirurgisch problematischen Eingriffen, zu 64 «eher nicht zu erwartenden» Todesfällen und zu 11 «nicht zu erwartenden» Todesfällen.

Zudem kam in 13 Fällen ein Medizinprodukt unangemessen zum Einsatz, insbesondere das von Maisano mitentwickelte Cardioband. Diese Vorfälle – die besonders auffälligen Todesfälle sowie der unangemessene Einsatz des Cardiobands, hat das USZ der Staatsanwaltschaft gemeldet. Die Ermittler sollen prüfen, ob strafrechtlich relevante Verfehlungen vorliegen.

Führungs- und Systemversagen am Universitätsspital

Die Ursachen für die Verfehlungen ortet der Bericht in mehreren Bereichen. So sei Francesco Maisano 2014 überhastet und ohne ausreichende Prüfung seiner Qualifikationen und Interessenskonflikte zum Klinikchef ernannt worden. Zudem habe die damalige Spitaldirektion ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt und Warnsignale zu spät erkannt.

«Die Ergebnisse haben uns tief betroffen gemacht», sagte André Zemp, Spitalratspräsident am Universitätsspital Zürich, an der heutigen Medienorientierung. Das Spital bat die Betroffenen und ihre Angehörigen um Entschuldigung und richtete eine spezielle Beratungsstelle ein.

Rücktritte am Universitätsspital Zürich

Der Untersuchungsbericht hat zur Folge, dass drei Mitglieder des Spitalrats zurücktreten. Sie wollen so einen personellen Neuanfang ermöglichen.

Inzwischen habe die Klinik für Herzchirurgie unter neuer Leitung hohe Qualitätsstandards zurückgewonnen. Die Sterblichkeitsrate bewege sich wieder im unauffälligen Bereich. Verhindert werden sollen ähnliche Vorfälle künftig unter anderem mit einem Register für Interessenbindungen und einem geplanten Meldesystem für Missstände.

Francesco Maisona, der das Zentrum für Herzchirurgie leitete, verliess das Universitätsspital Zürich 2021 und kehrte nach Mailand zurück, wo er auch heute noch als Herzchirurg  arbeitet.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 5.5.2026, 6:31 Uhr ; 

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