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Ostern im Schnee verbringen? Erhöhte Lawinengefahr in den Bergen

Freie Tage, schönes Wetter, viel Neuschnee: Wen es in die Berge zieht, sollte die örtlichen Begebenheiten genau beachten.

Ostern steht vor der Tür – und damit für viele ein paar freie Tage. Die Wetteraussichten sind top, es soll in den nächsten Tagen immer wärmer werden. Ab Sonntag werden 20 und mehr Grad im Mittelland erwartet, auf 2000 Metern über Meer soll es neun Grad geben.

Gleichzeitig liegt in den Bergen viel Neuschnee. Das führt zu teils prekären Verhältnissen, was die Lawinensituation angeht.

Warnung für das Alpsteingebiet

Die Innerrhoder Kantonspolizei etwa warnt, die Situation im Alpstein – die Region rund um den Säntis – sei «besonders kritisch». Auch Wanderer müssten jederzeit mit Lawinenabgängen rechnen. Die Polizei und die örtlichen Tourismusorganisationen raten deshalb grundsätzlich von «Aktivitäten im Alpstein ab».

Bisher 15 Todesopfer bei Lawinenunfällen

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Im Ende März zu Ende gegangenen meteorologischen Winter 2025/2026 sind in der Schweiz 15 Personen in Lawinen ums Leben gekommen. Das entspricht in etwa dem langjährigen Durchschnitt.

Ein in vielen Regionen der Alpen ungünstiger Schneedeckenaufbau habe den Winter geprägt, so das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Dies habe zu überdurchschnittlich vielen Lawinen mit erfassten Personen geführt. Trotzdem seien in der Schweiz nicht mehr Menschen in Lawinen umgekommen, als in einem durchschnittlichen Winter, so das SLF.

Europaweit ist ein anderer Trend festzustellen: Kumuliert kamen in den Alpenländern Europas (inklusive Schweiz) bis Mitte März mindestens 127 Menschen in Lawinen ums Leben – so viele wie seit dem Winter 2020/2021 nicht mehr.

«Viel Schnee ist in den letzten zwei Niederschlagsperioden vor allem am Alpennordhang gefallen», stellt der Lawinenprognostiker Thomas Stucki vom SLF fest.

Auf den aktualisierten Karten ist denn auch zu sehen, dass auf 2000 Metern in den letzten sieben Tagen mancherorts bis zu einem Meter und mehr Schnee gefallen ist.

Karte der Schweiz mit Schneehöhenangaben an verschiedenen Orten.
Legende: whiterisk.ch

Weil während der Schneefälle zudem ein starker Wind aus nördlichen Richtungen geblasen hat, müssen Triebschneeansammlungen bei der Gefahreneinschätzung berücksichtigt werden, so Stucki. «Vor allem im Norden können Personen Lawinen auslösen, die gross werden können.»

Durchschnittliche Gesamtschneehöhe

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Schneebedeckte Berge und klare blaue Himmel.
Legende: Ostern 2026: Wetter gut, Schnee ebenfalls. Die Lawinensituation ist allerdings nicht ungefährlich. Keystone/Gian Ehrenzeller

Vielerorts in den Alpen liegt dank der starken Schneefälle im März jetzt insgesamt so viel Schnee, wie dies im Durchschnitt um diese Jahreszeit der Fall sein soll. Das war während des gerade zu Ende gegangenen meteorologischen Winters meist kaum der Fall.

Weniger Schnee als im langjährigen Durchschnitt liegt derzeit auf 2000 Metern vor allem auf der Alpensüdseite im Tessin. Genaue Angaben finden Sie auf der Karte der SLF-Website whiterisk.ch.

Die Situation im zentralen und südlichen Wallis sowie in Graubünden sei zwar stabiler geworden, wegen der Schwachschichten tiefer in der Schneedecke sei aber auch dort die Auslösung von grossen Lawinen stellenweise möglich, so der Lawinenprognostiker Stucki.

Aufgepasst neben der Piste und auf Touren

Für Variantenskifahrer neben den markierten Pisten bedeute das: «Man muss die örtliche Lawinensituation beurteilen und das Gelände lesen können, um eine möglichst risikoarme Route zu wählen.»

In der Tat ist bei Warnstufe 3 vor allem in steilem Gelände mit mehr als 30 Grad Hangneigung grosse Vorsicht geboten.

Eindrückliche Fernauslösung einer Lawine (via SLF):

Dasselbe gilt für Skitourenfahrer: Hier empfiehlt Stucki, die Route genau zu planen und dabei auch online verfügbare Hilfsmittel wie whiterisk.ch oder skitourenguru.com zu konsultieren.

Und: «Vor Ort muss man die lokale Situation laufend beurteilen und mit den Informationen vergleichen, die man in der Vorbereitung zusammengetragen hat.»

Früh starten – am Mittag zurückkehren

Angesichts der erwarteten Wetterentwicklung über die Ostertage nehme die Gefahr von trockenen Lawinen zwar ab, so Stucki. Dafür nimmt mit den steigenden Temperaturen die Gefahr von Gleitschnee- und Nasslawinen zu.

Mit der richtigen Ausrüstung in den Tiefschnee

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Wer neben der Piste Ski fährt – sei es als Variantenfahrer in einem Skigebiet oder als Tourengänger irgendwo im unberührten Schnee – sollte dies nicht ohne die nötige Ausrüstung tun. Dazu gehören im Minimum:

  • Aktives Lawinensuchgerät (Batterien testen!)
  • Eine Schaufel
  • Eine Sondierstange (Lawinensonde)

«Gleitschneelawinen sind vorerst vor allem in mittleren Lagen zu erwarten, wo der Neuschnee auf aperen Boden gefallen ist», sagt Stucki. Wird es noch wärmer, kann es dann auch zu Nassschneelawinen kommen – das sind spontane Lawinenabgänge, die vor allem in der zweiten Tageshälfte vorkommen.

Links zum Thema:

Man sollte die Skitour also früh am Morgen starten, damit man gegen Mittag, wenn es warm wird, wieder vom Berg runter ist.

Klar ist: Das schöne Osterwetter wird viele Menschen in die Berge locken – doch beim Aufenthalt im Gelände sowie bei Skitouren und Variantenfahrten ist Vorsicht geboten.

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Regionaljournal Ostschweiz, 2.4.2026, 8:30 Uhr ; 

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