«Ich stelle mich darauf ein, dass wir über Ostern zu Hause bleiben, gar nirgends hingehen», sagt eine Frau in Erstfeld. Das Dorf im Urner Reusstal ist geplagt vom Durchgangsverkehr. Zu den Hauptreisezeiten sind die Strassen im Dorf verstopft.
Es gibt kein Durchkommen mehr, auch nicht für die Einheimischen.
Kurz vor dem Dorf hat es eine Autobahnabfahrt. Staut sich der Reiseverkehr auf der Gottardroute, setzen hier viele Reisende den Blinker, fahren in Erstfeld ab und zwängen sich Stossstange an Stossstange über die Kantonsstrasse Richtung Süden. In der Hoffnung, hier schneller vorwärtszukommen als auf der Autobahn.
Der Kanton Uri hat mit verschiedenen Massnahmen versucht, das Problem einzudämmen. Aktuell werden – je nach Staulänge – verschiedene Autobahneinfahrten geschlossen; wer dem Stau über die Kantonsstrasse ausweicht, kann weiter oben im Reusstal nicht wieder auf die Autobahn auffahren.
Im Bundesparlament liegt aktuell der Vorschlag einer Maut auf dem politischen Parkett: Reisende, welche die Schweiz lediglich durchqueren, sollen künftig eine Gebühr zahlen. Ständerat und Nationalrat unterstützen die Idee des Tessiner SVP-Ständerats Marco Chiesa.
Wie aber kommt eine mögliche Durchreisegebühr bei den Betroffenen an? Ganz unterschiedlich, zeigt sich bei einem Besuch der Gotthardraststätte bei Gesprächen mit Reisenden aus Deutschland.
Die Vignette akzeptiere ich, das ist okay – aber noch eine zusätzliche Gebühr finde ich nicht in Ordnung.
Ein Autofahrer aus Süddeutschland ist klar gegen eine zusätzliche Gebühr – nur schon aus Gründen der Gleichberechtigung: «Die Vignette akzeptiere ich, das ist okay. Aber noch eine zusätzliche Gebühr bezahlen, während die Schweizer bei uns gratis durch ganz Deutschland fahren, das finde ich nicht in Ordnung.»
Ich würde trotz Gebühr durch die Schweiz fahren.
Eine Frau aus dem Schwarzwald, die ein paar Parkfelder weiter gerade mit ihrem Hund aus dem Auto steigt, zeigt Verständnis für den Maut-Vorschlag; sie zweifelt aber an der erwünschten Wirkung: «Wenn es das Ziel ist, den Verkehr sozusagen auszudünnen und über andere Länder zu lenken, dann würde das mindestens bei mir nicht funktionieren. Ich würde trotz zusätzlicher Gebühr durch die Schweiz fahren.»
Was immer wieder erwähnt wird: Die Gotthardroute ist für viele der direkteste Weg in den Süden. Auch für den Mann, der geschäftlich nach Turin fährt und in Erstfeld eine Pause einlegt: «Gerade wenn ich an Familien denke, werden die sich immer für die schnellste Route entscheiden und diese Kröte wohl schlucken», sagt er.
Gemäss dem Bundesamt für Statistik macht der Transitverkehr, also reiner Durchfahrtsverkehr, etwa ein Drittel des Personenverkehrs über die Alpen aus. Der sogenannte Binnenverkehr, mit Abfahrts- und Zielort innerhalb der Schweiz, macht ebenfalls ein Drittel aus. Und das restliche Drittel entfällt auf Personenverkehr vom Ausland in die Schweiz und umgekehrt. Am häufigsten fahren die Durchreisenden von Deutschland nach Italien.