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Palliativmedizin LSD: der Rausch als Mittel gegen die Todesangst

LSD ist grundsätzlich verboten, doch die ehemalige Hippie-Droge erlebt ein überraschendes therapeutisches Comeback – zum Beispiel als Hilfe bei Depressionen. Eine Gruppe Schweizer Ärztinnen und Ärzte will nun wissenschaftlich beweisen, dass LSD als Medikament auch Sterbenden helfen kann – in der Palliativmedizin. LSD-Pionier Bill Richards über den Rausch als Mittel gegen die Todesangst.

Bill Richards

Psychotherapeut

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Der Psychotherapeut gilt als einer der Pioniere der psychedelischen Forschung, besonders auch mit Krebskranken. Er hat auf dem Gebiet 60 Jahre Erfahrung und lehrte an der Johns Hopkins University School of Medicine.

SRF News: Wie hilft LSD, wie hilft es Sterbenden?

Bill Richards: Wenn man die Substanz in der nötigen Dosis und Reinheit einnimmt, in einer sicheren und respektvollen Umgebung, und ein Mensch sich aufgehoben fühlt, dann kann dieses Erlebnis tief bedeutsam und heilend sein. Es ist einerseits eine beschleunigte Psychotherapie, der Umgang mit Angst, mit Kummer, mit Schuld. Die sterbenskranke Person trauert auch, weil sie all das loslässt, was sie bisher gekannt hat.

Ein Gefühl von Liebe und Sicherheit im Universum, das kann unglaublich hilfreich sein für jemanden am Ende seines Lebens.

Glauben Sie, dies hilft, das Sterben besser zu akzeptieren?

Ja. Was wir festgestellt haben in der psychedelischen Therapie: Es gibt in uns allen Erfahrungsschichten, deren Existenz wir vergessen haben. Diese gehen oft über das persönliche Leben hinaus. Wir finden bedeutsames, symbolisches Traummaterial. Die veränderten Zustände des Bewusstseins können sich realer anfühlen. Ein Gefühl von Liebe und Sicherheit im Universum, das kann unglaublich hilfreich sein für jemanden am Ende seines Lebens.

Was hören Sie als Rückmeldung nach dieser Erfahrung?

Die Rückmeldung ist meist: Die Schmerzen sind noch da, doch sie belasten mich nicht mehr so wie vorher. Ich weiss, dass ich bald sterben werde, und habe keine Angst mehr vor dem Tod. Doch ich sehe auch keinen Grund, es zu beschleunigen. Weil ich mich offen fühle meinen Beziehungen gegenüber. Ich will leben, bevor ich sterbe! Und es ist wirklich erstaunlich, wie viele Krebspatienten das tun. Sie besuchen andere Länder, sie studieren noch einmal etwas, sie machen Kunstprojekte. Sie sitzen nicht einfach herum und bemitleiden sich selbst.

Arzt behandelt bandagierte Hand eines Patienten im Krankenhaus.
Legende: Erleichtert LSD Sterbenden das Sterben? Schweizer Ärztinnen und Ärzte wollen das nun wissenschaftlich herausfinden. KEYSTONE/GAETAN BALLY

Was möchten Sie den Leuten, die die Schweizer Studie durchführen, mitgeben?

Ich versuche, sie zu unterstützen und ihnen Kraft zu geben, auch um das Unwichtige vom Wichtigen zu unterscheiden. Ich möchte, dass sie offen sind. Tolerant, nicht dogmatisch. Man kann diese Forschung nicht machen, ohne sich selbst zu entwickeln und zu wachsen.

Was denken Sie über die gegenwärtige Forschung mit LSD in der Schweiz?

Die Schweiz kann sehr stolz auf sich sein. Sie zeigt den Weg mit ihrer Forschung zum potenziellen Wert von LSD in der palliativen Medizin.

LSD zeigt einen Weg, wie man mit der eigenen Sterblichkeit umgehen kann.

Glauben Sie, es lohnt sich?

Es ist sehr bedeutsam und hilfreich für viele Menschen. Es ermöglicht ihnen, ein so viel volleres Leben vor ihrem Tod zu leben, als es sehr wahrscheinlich sonst der Fall sein würde. Es gibt weniger Schmerz und Angst, weniger Sorgen. Es gibt die Chance, dass man erkennt, was wichtig ist und was nicht. Es gibt den Leuten Kraft, sodass sie sich nicht mehr als Opfer von Krebs oder was auch immer sehen. Nicht nur den Betroffenen selbst hilft es, sondern auch ihrer Familie und ihren Freunden. Es zeigt einen Weg, wie man mit der eigenen Sterblichkeit umgehen kann.

Das Gespräch führte Anna Gossenreiter.

10vor10, 15.5.2026, 21:50 Uhr ; 

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