Die langen Schulferien sind für Kinder oft eine willkommene Auszeit, stellen aber viele berufstätige Eltern vor organisatorische Herausforderungen. Eine mögliche Antwort darauf bietet die neue Jahresschule in Belp: Dort gehen die Kinder künftig nur noch vier Tage pro Woche zur Schule, dafür reduzieren sich die Schulferien von dreizehn auf sechs Wochen.
Mehr Ruhe im Familienalltag
Lennart Overdiek und Marlies Erb haben ihre älteste Tochter für die Jahresschule angemeldet, weil sie sich davon weniger Hektik im Alltag erhoffen. Die Kinder werden an der Jahresschule ganztags von 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr am selben Ort von denselben Personen betreut. «Unsere Tochter muss so nicht mehr zwischen Mittagsbetreuung und Schule hin und her wechseln», erklärt Marlies Erb. «Das dürfte nicht nur für uns, sondern auch für sie mehr Ruhe in den Alltag bringen.»
Gleichzeitig setzt die Familie auf die Viertagewoche, um mehr Entspannung zu finden. «Wir können uns so organisieren, dass wir am Freitag alle gemeinsam frei haben», sagt Lennart Overdiek. Die verlängerten Wochenenden möchten sie für gemeinsame Familienausflüge nutzen. «Das kann dann hoffentlich auch für die kürzeren Schulferien kompensieren», so Overdiek.
Lange Sommerferien: eine Herausforderung
Für Martina Lutz waren die verkürzten Ferien ausschlaggebend, um ihre Tochter für die Jahresschule anzumelden. Als Einzelkind waren die langen Sommerferien ohne «Gspänli» für ihre Tochter oft langweilig. «Meist hat sie bereits nach ein bis zwei Wochen gefragt: ‹Wann geht der Kindergarten endlich wieder los?›», erzählt Lutz. Für die berufstätigen Eltern stellte zudem die Organisation der Kinderbetreuung während der langen Schulferien stets eine Herausforderung dar.
Gleichzeitig fällt ihrer Tochter das frühe Aufstehen am Morgen schwer. «Sie ist eher eine Nachteule», sagt Martina Lutz. Durch die Viertagewoche erhofft sich die Familie, dass die Tochter mit mehr Energie durch die Woche kommt.
Durchgehende Betreuung bringt Vorteile
Stephan Schöll, künftiger Lehrer an der Belper Jahresschule, sieht im Projekt eine Chance, die traditionelle Schulorganisation neu zu denken. «Als Vater kenne ich die Herausforderungen der Kinderbetreuung nur zu gut. Dieses Modell bietet die Möglichkeit, nicht nur neue Arbeitsweisen für Lehrpersonen zu etablieren, sondern auch die Familien im Alltag spürbar zu entlasten», erklärt Schöll seine Motivation.
Gleichzeitig sieht Stephan Schöll in der durchgehenden Tagesbetreuung grosse Vorteile: «Man erlebt viel mehr Facetten im Alltag der Kinder: vom Augenreiben am Morgen bis am Abend, wenn die Batterien leer sind.» Dies biete Lehr- und Betreuungspersonen bessere Zugangsmöglichkeiten zu den Kindern und sorge gleichzeitig für mehr Kontinuität im Schul- und Arbeitsalltag.
Das Pilotprojekt startet nach den Sommerferien 2026 und ist vorerst auf drei Jahre ausgelegt. Danach soll eine erste Bilanz gezogen werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch die Pädagogische Hochschule Bern.