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Pionierprojekt In Zürich entsteht das erste queer-freundliche Alterszentrum

In Zürich wurde der Grundstein für ein Schweizer Pionierprojekt gelegt. Angestossen hat es der Verein «queerAltern».

In Zürich ist am Donnerstag der Grundstein für das erste queer-freundliche Alterszentrum der Schweiz gelegt worden. Im Espenhof sind 26 Wohnungen für Angehörige der LGBTIQ+-Gemeinschaft reserviert.

Willkommen sind alle, sofern sie Lesben, Schwule und andere queere Menschen akzeptieren. Wie Andy Leemann, ab Februar Direktor der Gesundheitszentren für das Alter, sagte, sollen Interessierte von Anfang an wissen, dass im Espenhof Toleranz herrscht.

Wir wollen mit unserer Altersstrategie Vielfalt abbilden.
Autor: Andreas Hauri Gesundheitsdirektor der Stadt Zürich

Insgesamt umfasst das neue Zentrum 138 Wohnungen und eine Pflegewohngruppe. Ein Wohnhaus ist für queere Menschen reserviert. «Wir wollen mit unserer Altersstrategie Vielfalt abbilden», sagte Gesundheitsdirektor Andreas Hauri (GLP) bei der Grundsteinlegung.

Ab Frühling 2028 soll das Zentrum bezugsbereit sein, wie die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich mitteilt. Die Stiftung betreibt 35 Siedlungen mit über 2000 bezahlbaren Wohnungen.

Stadt Zürich offen für Bauprojekt

2018 ist der Verein queerAltern Zürich mit der Idee an die Stadt herangetreten. «Ich finde es toll, dass wir mit unserem Projekt auf offene Ohren gestossen sind und eine Kooperation auf Augenhöhe entwickeln konnten», sagt Präsidentin Barbara Bosshard gegenüber SRF.

Gruppe mit Helmen und Sicherheitswesten posiert mit Schaufeln.
Legende: Barbara Bosshard (zweite von rechts) bei der Grundsteinlegung in Zürich. Stadt Zürich/Instagram

Aber warum braucht es eigentlich spezielle Alterswohnungen für queere Menschen? «2021 wurde über die Ehe für alle abgestimmt – und ein Drittel war dagegen», sagt die 75-Jährige. «Vielleicht beantwortet das die Frage.»

Auch jetzt würde es online Hasskommentare zum Projekt geben, so die Präsidentin des 2014 gegründeten Vereins. Dies zeige, dass es in der Mehrheitsgesellschaft noch immer Vorbehalte gegenüber der queeren Community gebe.

Wir haben eine andere Biografie, eine andere Sexualität, eine andere Identität als Menschen, die von Geburt an heterosexuell sind.
Autor: Barbara Bosshard Präsidentin von queerAltern

Umso schwieriger sei es, als queerer Mensch in eine Altersinstitution zu ziehen und dort offen zu leben. Sich in einem komplett neuen Umfeld noch einmal erklären und outen zu müssen, kann belastend sein. Manche ziehen es vor, zu schweigen.

«Wir haben eine andere Biografie, eine andere Sexualität, eine andere Identität als Menschen, die von Geburt an heterosexuell sind», sagt Bosshard. «Ich will zum Beispiel auch nicht von einem heterosexuellen Mann angemacht werden.»

Ausstrahlung über Zürich hinaus?

Wo andere Fotos ihrer Enkel herumreichen und vom letzten Familienfest erzählen, möchte sich Bosshard auch mit Menschen austauschen können, die eine ähnliche Lebensgeschichte haben. Über gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen sprechen, ohne sich ständig rechtfertigen und erklären zu müssen.

Gleichzeitig geht es nicht darum, sich abzukapseln. Schliesslich werden auf dem Areal queere und nicht-queere Menschen leben. «Ich bin überzeugt, dass das ganze Quartier von der Vielfalt der Biografien profitiert und es ein Pionierprojekt mit Ausstrahlung werden wird», schliesst die LGBTQ+-Aktivistin.

SRF 4 News, 30.1.2026, 16:25 Uhr ; 

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