Lars Guggisberg ist an diesem Abend nicht SVP‑Nationalrat, sondern Captain und Spielmacher. Auf einem Fussballplatz in Bolligen bei Bern dirigiert er den FC Nationalrat – genau wie Granit Xhaka die Schweizer Nationalmannschaft. Dieser sei ein Vorbild für viele: «Er kann sehr gut motivieren. Er kann seine Mannschaft anheizen. Das wird auch an der WM sehr wichtig sein», so Guggisberg.
Auch andere Spieler orientieren sich an ihren Lieblingsprofis – manchmal aus sportlichen, manchmal aus lokalpatriotischen Gründen, so wie SP-Nationalrat und Offensivspieler David Roth. Er setzt auf Ruben Vargas, der ebenfalls Luzerner ist. «Meine Stärke ist eher das Rennen, weniger die Technik. Das ist bei Vargas sicher nicht der Fall. Aber das Kämpferherz, das habe ich schon auch ein bisschen», begründet Roth die Wahl seines Vorbilds.
Die Nationalräte müssen einstecken
Wer gewinnen will, muss einstecken können, egal ob an einer Weltmeisterschaft oder in einem Freundschaftsspiel, so wie an diesem Abend gegen ein Team von Coca-Cola. Kurz nacheinander werden GLP-Nationalrat Jürg Grossen und Captain Lars Guggisberg umgegrätscht.
Beide stehen nach den fairen Tacklings schnell wieder auf. «Es war teilweise schon hart», sagt Grossen nach dem Abpfiff dazu. «Es geht zur Sache, aber das gehört zum Fussball dazu.»
Der FC Nationalrat besteht seit 1967 und bestreitet seither regelmässig Freundschaftsspiele. Gemäss einer Legende haben ihn die beiden Politiker Helmut Hubacher (SP) und Albin Breitenmoser (CVP) gegründet, weil sie an den ratsfreien Nachmittagen nicht immer jassen wollten. So schreiben es die Parlamentsdienste auf ihrer Webseite.
Zum einen stärkt es die Kollegialität, zum anderen unterbricht es die Sessionswoche.
Noch heute sind Fussballabende eine willkommene Abwechslung im Polit-Alltag. «Zum einen stärkt es die Kollegialität, zum anderen unterbricht es die Sessionswoche. Man ist anderthalb Stunden draussen und hat einfach Freude am Sport», hält Roth fest. Ausserdem lerne man, taktisch zusammenzuarbeiten. Das sei nicht nur auf dem Platz wichtig, sondern auch im Bundeshaus, erklärt sein Team- und Parteikollege Arbër Bullakaj.
Ein klarer Sieg – und eine Botschaft an die Nati
In Bolligen läuft es dem Politiker-Team an diesem Abend rund. Sie treffen dreimal. Es ist ein deutlicher Sieg. 3:1 lautet das Endergebnis. Die Botschaft der Nationalräte an die Schweizer Nationalmannschaft ist im Anschluss klar: «Die individuelle Qualität hat heute nicht gewonnen, sondern das Team – und das ist das, was auch die Nati mitnehmen soll», sagt SP-Offensivkraft Roth.
Bullakaj ergänzt: «Wir haben heute mit Coca-Cola gegen einen Weltkonzern gewonnen. Ich hoffe, dass nun auch die Nati gegen die ganz Grossen auf dieser Welt gewinnt!»