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Prävention im Thurgau Über Suizid reden soll kein Tabu mehr sein

Der Thurgau hat eine überdurchschnittlich hohe Suizidrate. Nun will er mit Massnahmen Gegensteuer geben.

Catherine Rutishauser hat ihren Mann durch einen Suizid verloren. Auch nach fast 20 Jahren kann sie sich gut an die Zeit danach erinnern. «Ich konnte nicht mehr gerade denken und wusste nicht, was auf mich zukommt», sagt sie rückblickend.

Frau in dunkler Jacke im Wald stehend
Legende: Der Tod ihres Mannes kostete Catherine Rutishauser viel Kraft. Kraft, die ihr für die Suche nach geeigneten Hilfsangeboten fehlte. SRF

Zunächst erhielt sie externe Unterstützung. Der grosse Einbruch kam ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Mannes. Plötzlich kam sie nicht mehr zurecht. Ihr wurde klar, dass sie Hilfe braucht, wusste aber nicht, wo diese zu holen ist.

Die Geschichte von Catherine Rutishauser ist beispielhaft und zeigt: Angehörige können mehr Unterstützung brauchen. Hier setzen die Präventionsmassnahmen des Kantons Thurgau an. Der Kanton investiert insgesamt rund 140'000 Franken.

Die neue Thurgauer Suizidprävention

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In sechs Bereichen will der Kanton Thurgau Massnahmen ergreifen. Dazu gehören:

  • Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Plakatkampagne)
  • Früherkennung (Erste-Hilfe-Kurse für Gespräche über Suizidgedanken)
  • Reduzierte Verfügbarkeit suizidaler Mittel
  • Unterstützung Hinterbliebener (Leitfaden)

Reden hilft, findet der zuständige SVP-Regierungsrat Urs Martin. «Man hat Berührungsängste», sagt er. Suizid sei ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. «Wir müssen schauen, wie man Suizid mit der nötigen Sorgfalt thematisieren kann.» Das Ziel ist klar: Der Thurgau will eine tiefere Suizidrate.

Angst vor Nachahmungseffekten

Der Ostschweizer Kanton hat die siebthöchste Suizidrate der Schweiz. Warum dies so ist, könne wissenschaftlich nicht geklärt werden. Aber es gibt laut Judith Hübscher-Stettler, Präventionsbeauftragte des Kantons Thurgau, Erklärungsansätze.

Frau in Interview mit SRF-Mikrofon.
Legende: «Die direkte Ansprache von suizidgefährdeten Menschen kann sie von der Tat abhalten», sagt Judith Hübscher-Stettler. Das sei wissenschaftlich bewiesen. SRF

Einer davon ist der Nachahmungseffekt. Wenn jemand Suizid begehe, könne das als möglicher Ausweg angesehen werden und im Umfeld Nachahmerinnen und Nachahmer finden. «Das kann ein möglicher Grund sein für Häufungen innerhalb einer Familie oder in einer bestimmten Region», so die Präventionsexpertin.

Erste Hilfe für die Seele

Auch spezielle Erste-Hilfe-Kurse zu psychologischen Krisen will die Thurgauer Regierung finanziell unterstützen. In diesen Kursen wird gelehrt, wie man mit gefährdeten Menschen das Gespräch suchen kann. Sie vermitteln Basiswissen über psychische Erkrankungen.

«Jeder, der Auto fährt, muss lernen, wie er in einer Notfallsituation reagiert. Bei psychischen Notfällen sind wir meist sehr unbeholfen», erklärt Präventionsbeauftragte Hübscher-Stettler die Idee des Kurses.

Schilder an einer Wand mit Text für Hilfe bei Verzweiflung.
Legende: In der Schweiz gibt es verschiedene Hilfsangebote für Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. Imago/Die Bildmanufaktur

Catherine Rutishauser hat für sich einen Weg gefunden, mit dem Tod ihres Mannes umzugehen. Sie hat sich zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen und leitet eine Selbsthilfegruppe zum Thema Suizid. Die Anstrengungen des Kantons, mehr über das Thema zu sprechen und vorzusorgen, findet sie mutig. «Es zeigt, dass man Suizid in der Gesellschaft nicht einfach so hinnimmt und sieht, dass es ein Problem ist.»

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

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Erwachsene: Dargebotene Hand/Sorgentelefon

  • Telefon (rund um die Uhr): 143
  • Mail und Chat: www.143.ch

Kinder und Jugendliche: Pro Juventute

  • Telefon (rund um die Uhr): 147
  • Mail und Whatsapp: www.147.ch

Weitere Informationen

Regionaljournal Ostschweiz, 2.2.26, 17:30 Uhr ; 

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