Es ist ein kleines Tal am Jurasüdfuss, zwischen Hägendorf und Rickenbach, in der Nähe des Belchentunnels auf der Autobahn A2. Hier liegt ein idyllischer Wald mit singenden Vögeln und einem plätschernden Bach. Ein Ort, der heute dazu einlädt, zu verweilen und die Seele baumeln zu lassen.
Doch dieses Waldstück in Hägendorf war lange Zeit alles andere als ein Refugium der Ruhe. Während Jahrzehnten wurde der Wald hier nach dem Grundsatz der Profitmaximierung bewirtschaftet, sagt Manuel Walde. Er ist beim Kanton Solothurn für die Biodiversität verantwortlich. «Man hat hier aus ökonomischen Überlegungen das Wasser kanalisiert und umgeleitet.»
Vor der Kanalisierung war dieses Waldstück in Hägendorf ein Auenwald. Also ein feuchter Wald mit Überschwemmungsgebieten, wo Bäche oder Flüsse regelmässig über die Ufer traten. Dass in Hägendorf an der Jurakette ein Auenwald überhaupt gedeihen könne, sei aussergewöhnlich, sagt Revierförster Jürg Hunziker. Dazu sei das Gebiet nämlich eigentlich zu trocken.
Die Auferstehung des Auenwaldes
Durch die Kanalisierung des Wassers wurde zwar die Wirtschaftlichkeit des Waldes verbessert. Doch die Artenvielfalt nahm ab, und seine einstige Funktion als natürliches Wasserreservoir hatte der Wald verloren.
Der Zweckverband Forstrevier Untergäu hat den Auenwald in Hägendorf SO in den letzten Jahren unter der Leitung von Jürg Hunziker wiederbelebt. Dafür wurde der Verband nun mit dem «Elisabeth und Oscar Beugger-Preis 2026» ausgezeichnet. Dieser Preis ist mit 50'000 Franken dotiert.
Der Zweckverband Forstrevier Untergäu begann 2023 mit der Wiederbelebung des Feuchtwaldes zwischen Hägendorf und Rickenbach. Für die Revitalisierung wurde unter anderem mit grossen Steinen ein Damm gebaut, ein Bachlauf reaktiviert oder auch eine Forststrasse zurückgebaut. Zudem wurden auch die Fichten entfernt, die in jenem Gebiet eigentlich nicht heimisch waren.
Neu findet das Wasser wieder regelmässig auf nahezu natürliche Weise seinen Weg in den Auenwald. «Es gibt Bereiche, die häufig überflutet sind, andere sind nur sehr selten überschwemmt», sagt Manuel Walde. Dieses Wechselspiel sei wichtig für die Biodiversität im Wald. In solchen Feuchtgebieten fühlen sich nämlich der bedrohte Feuersalamander, die Geburtshelferkröte oder Fadenmolche sehr wohl.
Doch nicht nur für die Artenvielfalt kann der Auenwald einen wertvollen Beitrag leisten, erklärt Lesley Helbling von Pro Natura Schweiz. «Die Feuchtwälder haben eine wichtige Regulationsfunktion in Bezug auf Wasser.» Die Flächen im Auenwald könnten viel Wasser aufnehmen, das Wasser lange zurückhalten und dann langsam wieder abgeben. Wie bereits erwähnt, sind Auenwälder wie ein natürliches Wasserreservoir.
Hochwasserschutz und Schutz vor Austrocknung
Dank der umfassenden Arbeiten des Zweckverbands Forstrevier Untergäu ist der Auenwald in Zukunft besser gegen Trockenperioden geschützt. Gleichzeitig soll der höhere Wasserrückhalt auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten.
Auch wenn die Förster nun ausgezeichnet wurden, sei die Arbeit im Wald noch lange nicht vorbei. Bis 2030 soll der Auenwald in Hägendorf schrittweise vergrössert werden. Geplant ist auch ein weiterer Damm, damit der Wald noch mehr Wasser speichern und noch mehr Arten ein Zuhause bieten kann.