Vor vier Jahren brannten zehn Tage lang die Wälder oberhalb von Verdasio im Centovalli. Die Flammen – entstanden durch einen Defekt am Bahnnetz – verschlangen beinahe 80 Hektar Wald. Damit wurde nicht nur ein grosses Stück Natur vernichtet, sondern auch der Schutz, der damit einhergeht. Jeder Forst in Siedlungsnähe bietet etwa Schutz vor Steinschlägen, Erdrutschen, Murgängen oder Lawinen. «Die Steilheit des Berges unmittelbar beim Ortskern ist ein beträchtlicher Risikofaktor», sagt der Forstingenieur Giovanni Galli gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI. Gerade wegen dieser Risiken waren die Wiederherstellungsarbeiten so wichtig.
Mittlerweile hat das Grün die Hänge zurückerobert. Die erste Phase der Wiederbesiedlung wird vom Ginster dominiert, einer Pflanze, die besonders von den Bedingungen nach einem Brand profitiert.
Der Bericht von RSI mit deutschen Untertiteln:
Ginster ist aber auch hoch entzündlich. Zwar wächst er gut auf der verbrannten Erde, trägt aber auch dazu bei, dass die Brandgefahr gefährlich hoch bleibt. Zudem wächst er so dicht, dass einige der gepflanzten Jungbäume im Wachstum gehemmt werden. Zudem fördert die fehlende Konkurrenz die Verbreitung von Neophyten.
Narben, die bleiben
Trotz der Wiederbegrünung am Hang bleiben die Brandwunden am Berg sichtbar. Ganze Waldabschnitte sind verschwunden, und die neu gepflanzten Jungbäume sind auch von Wildschäden bedroht. «Wir haben etwa 200 Bäume gepflanzt. Knapp die Hälfte hat die erste Wachstumsphase nicht überstanden», so Forstingenieur Giovanni Galli. Der Zustand vieler Pflanzen, die beim Brand nur beschädigt wurden, habe sich weiter verschlechtert, oder sie seien ganz abgestorben. Noch lebende Bäume tragen Narben davon. Die Rinde wurde weggebrannt, was die Pflanzen anfällig macht für Pilze und Parasiten.
Bis der Wald in seinen früheren Zustand zurückkehrt, wird es Jahrzehnte dauern. In der Zwischenzeit werden Schutznetze und Wasserkanäle die wenigen Einwohner des Dorfes schützen.
Das Tessin ist der am stärksten von Waldbränden betroffene Teil der Schweiz. 80 Prozent der in den vergangenen zwanzig Jahren verbrannten Fläche liegen im Süden der Alpen.
«Wir sind besonders betroffen, weil wir viel Niederschlag haben, der die Vegetation wachsen lässt, worauf dann Trockenperioden folgen», erklärt Marco Conedera. Er war vor seiner Pensionierung beim Bundesamt für Wald, Schnee und Landwirtschaft angestellt. Diese üppige Vegetation werde daher zu «leicht entflammbarem Brennstoff», besonders zwischen Februar und April, wenn Laubstreu in den Wäldern noch reichlich vorhanden ist.
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Bild 1 von 5. Der vom Brand betroffene Hang ist fast vollständig kahl: ein Problem für die darunter liegende Ortschaft. Bildquelle: RSI.
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Bild 2 von 5. Vor vier Jahren brannte bei Verdasio der Wald – die Spuren sind bis heute sichtbar. Bildquelle: RSI.
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Bild 3 von 5. Die Rinde des Baumes wurde vom Feuer beschädigt. Er hat zwar die Flammen überlebt, ist aber anfällig für Parasiten und Pilzbefall. Bildquelle: RSI.
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Bild 4 von 5. Mit dem Wiederaufkeimen der Vegetation zwischen dem trockenen Laub sinkt die Waldbrandgefahr. Bildquelle: RSI.
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Bild 5 von 5. Ein Eichensprössling kämpft sich durch die verbrannte Erde. Bildquelle: RSI.
Aber: In den vergangenen Jahrzehnten ist die Häufigkeit von Waldbränden im Tessin rückläufig. «Der Höhepunkt geht auf das Ende des Zweiten Weltkriegs zurück», so Conedera weiter. Ab den 1990er-Jahren wurden dann Präventivmassnahmen ergriffen – ein Wendepunkt, der die Brände wohl um ein Drittel reduzierte.
Im alpinen Raum bleiben Brände jedoch eine komplexe Gefahr – mehr noch als in mediterranen Gebieten. Die Flammen erneuern und reinigen den Boden für neue Pflanzengenerationen, bedrohen aber andererseits Siedlungen und Infrastruktur. Eine heikle Balance zwischen Natur und Mensch und eine Herausforderung, die auch in Zukunft bleiben wird.