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Premiere im Kanton Glarus Autofreies Klöntal: Des einen Freud, des andern Frust

Weniger Autos, mehr Ruhe: Der erste Slow Sunday im Klöntal sorgt für Begeisterung bei Velofahrerinnen und Wanderern – aber auch für Sorgen bei einzelnen Betrieben. Zwischen Naturparadies und Umsatzeinbruch zeigt sich ein Sonntag voller gemischter Gefühle.

Der letzte Sonntag im Juni 2026: Seit sieben Uhr morgens ist die Zufahrt ins Klöntal gesperrt.

Polizeiauto vor Strassensperre mit Bergen im Hintergrund und Warnschild.
Legende: SRF

Wo sonst an heissen Sommertagen Autos aneinander vorbeikriechen, gehören die Strassen an diesem Sonntag Velofahrerinnen, Familien und Wanderern. Viele sprechen von einer fast ungewohnten Stille.

Du wirst nicht überholt, kein Abgas – ein Paradies der Natur.
Ein Velofahrer

Ein Velofahrer strahlt: «Du wirst nicht überholt, es stinkt nicht nach Abgasen – ein Paradies der Natur.» Ein anderer erinnert sich: «Vor 25 Jahren haben wir darüber schon einmal abgestimmt. Jetzt ist es endlich Realität.»

Menschen steigen an einem Seeufer in zwei Busse ein.
Legende: SRF

Stopp – fertig. In Riedern, dem Tor zum Klöntal, geht es für Autos nicht mehr weiter. «Wir stellen fest, dass vor allem Auswärtige die Vorsignalisationen möglicherweise nicht gesehen haben und hier feststellen, dass das Klöntal gesperrt ist», sagt Marco Jenny, Spezialdienst Kantonspolizei Glarus, gegenüber SRF. Ab Riedern geht es nur noch im Postauto oder auf dem Velo weiter.

Menschen bei einer Bushaltestelle mit Fahrrädern, See und Bergen im Hintergrund.
Legende: SRF

Trotzdem zieht es auch spontane Ausflügler ins Tal. Ein Paar erzählt, sie hätten am Vorabend «einfach mal gegoogelt» und seien sofort hängen geblieben: «Als wir hörten, dass es hier autofrei ist, war klar: Da müssen wir hin.» Die befürchteten Menschenmassen bleiben aus; «es hält sich in Grenzen», sagen sie erleichtert.

Im Restaurant ist die Hälfte weniger Gäste als gestern.
Autor: Röbi Gaus Platzwart Campingplatz Vorau, Klöntalersee

Für Kaj Weibel von den Jungen Grünen, der die Idee politisch mitgetragen hat, ist der Tag ein Höhepunkt: «Es ist ein Freudentag. So lange hat man dafür gekämpft.» Gleichzeitig sieht er noch Luft nach oben: «Es hat mehr Autos, als es an einem autofreien Sonntag haben sollte.»

Während viele die Ruhe geniessen, spüren andere die Kehrseite. Hinten im Tal klagen Touristiker über Umsatzeinbussen, etwa im Camping Vorauen am Ende der Strasse. Platzwart Röbi Gaus zeigt auf die halb leere Gartenwirtschaft: «Es sind halb so viele Gäste wie gestern.» Auch auf dem Zeltplatz sei es «ein rechter Verlust». Die sieben Angestellten wolle man trotzdem bezahlen: «Jetzt müssen wir schauen, wie wir die finanzielle Lücke füllen.»

So voll waren wir noch nie.
Autor: Ane Johnsen Geschäftsführerin Hotel Rhodannenberg

Ganz anders die Stimmung am Eingang des Klöntals, nahe der Bushaltestelle direkt am See. Dort, im Hotel Rhodannenberg, ist Geschäftsleiterin Ane Johnsen verblüfft: «So voll waren wir noch nie.»

Menschen essen und unterhalten sich unter Sonnenschirmen mit Blick auf einen See.
Legende: SRF

«Schon um acht war die halbe Terrasse besetzt.» Für sie ist der Slow Sunday ein Glücksfall.

So zeigt dieser erste autofreie Sonntag ein vielschichtiges Bild: hier Ruhe, Natur und Begeisterung und dort leere Plätze und Sorgen um den Umsatz.

Menschen entspannen auf einer Wiese am See mit Bergen im Hintergrund.
Legende: SRF

Es ist ein Tag, der das Klöntal verändert hat. Und einer, der Diskussionen auslösen wird, bevor der nächste Slow Sunday kommt.

Im Juli und August folgen zwei weitere autofreie Sonntage. Dann zieht man Bilanz. Das Projekt am Klöntalersee ist ein Versuch mit Ausstrahlung. Andere Tourismushotspots beobachten genau, wie die einzelnen autofreien Tage funktionieren. Das Glarnerland könnte also – wie schon beim Stimmrechtsalter 16 oder bei den Gemeindefusionen – erneut ein Vorreiter fürs ganze Land sein.

Wie die Slow Sundays entstanden

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  • Die Idee für autofreie Sonntage im Klöntal stammt von den Grünen Glarus.
  • An der Landsgemeinde 2022 fand der Vorschlag eine Mehrheit.
  • Ursprünglich waren acht autofreie Sonntage vorgesehen – durchsetzbar waren am Ende drei.
  • Der Regierungsrat beschloss eine Ausnahmeregelung: Wer vor 7 Uhr im Tal ist, darf jederzeit hinausfahren.
  • Kritiker wie Kaj Weibel, Landrat der Grünen, sehen darin den Grund, warum es trotz Fahrverbot mehr Verkehr gibt als erwartet.
  • Die Regelung kommt demnächst erneut ins Glarner Parlament.
  • Nach den drei Sonntagen werden Verkehrsdaten, Besucherzahlen und wirtschaftliche Auswirkungen ausgewertet.
  • Auf dieser Basis entscheidet der Kanton, ob und wie das Projekt weitergeführt wird.

Regionaljournal Ostschweiz, 17:30 Uhr, 28.6.2026 ; 

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