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Projekt Switzerland 2038 Wie realistisch sind die Schweizer Olympia-Pläne 2038?

Olympische Winterspiele in der Schweiz – in zwölf Jahren könnte es wieder so weit sein. Gestern hat der Verein Switzerland 2038 seine konkreten Pläne vorgelegt. Sie sehen dezentrale Spiele in allen Landesteilen und Sprachregionen vor. Das wäre ein Novum in der Olympia-Geschichte. Wenn die Schweiz solche Spiele will und die Anforderungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erfüllt, erhält sie den Zuschlag.

Inlandredaktor Philipp Schrämmli schätzt ein, wie realistisch Olympische Spiele 2038 in der Schweiz sind, was die Stärken des Projekts sind und woran es scheitern könnte.

Philipp Schrämmli

Inlandredaktor

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Philipp Schrämmli ist Inlandredaktor und arbeitet seit 2017 für Radio SRF. Er studierte an der Universität Basel Philosophie und Rechtswissenschaften. Seine Fachgebiete sind Gesellschaft, Justiz, Verkehr und Sportpolitik.

Wie realistisch sind die neuen Schweizer Olympia-Pläne?

Diese Kandidatur hat jetzt grössere Chancen, vor allem, weil man offenbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Bei den Bewerbungen in den letzten Jahrzehnten ist es nie gelungen, die Bevölkerung vor Ort mitzunehmen. Viele Leute hatten Angst vor hohen Kosten, die auf die Gemeinden zukommen könnten, vor Touristenmassen oder davor, dass die Natur Schaden nehmen könnte. Aber bei der jetzigen Kandidatur scheinen die Gefahren deutlich kleiner zu sein.

Was sind denn die Stärken der Kandidatur?

Die Olympischen Winterspiele 2038 würden mehr oder weniger in der ganzen Schweiz stattfinden, und zwar überall dort, wo die Infrastruktur bereits vorhanden ist. Eishockey beispielsweise würde in Städten wie Zürich, Zug oder Lugano gespielt, Bob und Rodeln wären in St. Moritz oder Skispringen in Engelberg. Man müsste also kaum zusätzliche Bahnen, Loipen oder Hallen bauen. Die Kosten für die Gemeinden wären daher überschaubar. Ausserdem könnten sie relativ gut abschätzen, was auf sie zukommt, weil es an den meisten dieser Standorte bereits Weltmeisterschaften oder Weltcuprennen gab. Hinzu kommt: Gemäss den Organisatoren können sie über 80 Prozent des Budgets selbst stemmen. Sie benötigten auch keine staatliche Defizitgarantie, weil ein möglicher Verlust von Privatpersonen oder Sponsoren getragen werden soll.

Woran könnte das Projekt scheitern?

Es gibt einige Stolpersteine – zum Beispiel bei der Finanzierung. Knapp 20 Prozent des Budgets müsste immer noch der Staat beisteuern. Das sind rund 200 Millionen Franken vom Bund und noch einmal so viel von Kantonen und Gemeinden, exklusiv der Kosten für Sicherheit. Hierbei ist noch zu erwähnen, dass ein solcher Event auch immer Wertschöpfung bringt. Zudem gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik von Umweltverbänden, die sich grundsätzlich an solchen Grossanlässen stören; am Gigantismus, der Reiserei, dem Ressourcenverbrauch.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Ball liegt nun beim Bund. Der Bundesrat wird bald eine Vorlage in die Vernehmlassung schicken. Am Schluss wird das Parlament entscheiden, ob es die gewünschten Millionen für die Olympischen Winterspiele sprechen will. Beides sollte noch dieses Jahr geschehen. Die Kandidatur würde dann 2027 beim IOC eingereicht. Auch die Kantone und Gemeinden können noch mitreden und selbst entscheiden, ob sie mitmachen wollen. Es könnte theoretisch zu Volksabstimmungen kommen, wobei etwas anders wäre als in der Vergangenheit: Zum Zeitpunkt von Volksabstimmungen hätte das IOC die Spiele bereits an die Schweiz vergeben. Das heisst, dass die Leute in den Gemeinden wüssten, dass sie tatsächlich Austragungsort werden könnten. Das dürfte die Ausgangslage wohl verändern. Doch selbst wenn sich eine Gemeinde gegen die Winterspiele entscheiden würde, wäre nicht alles gescheitert: Das Organisationskomitee könnte eine andere Gemeinde anfragen.

Umweltschützer: Nachhaltigkeit kaum möglich

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Die allfällige Ausrichtung von Olympischen Spielen in der Schweiz wird von Umweltschützern sehr kritisch bewertet, obwohl die Spiele dezentral und in bestehenden Sportstätten stattfinden sollen. Solche Spiele könnten fast nicht nachhaltig ausgerichtet werden, weil sie eine Spitzenbelastung aller Infrastrukturen bedeuteten, sagt Kaspar Schuler, ehemaliger Geschäftsleiter von Cipra International zum Schutz des Alpenraums.

Solche «Lippenversprechen» seien bei den unmittelbar bevorstehenden Winterspielen im Februar in Mailand und Cortina d’Ampezzo auch gegeben und von den Ausrichtern in katastrophaler Weise nicht eingehalten worden, kritisiert der langjährige Umweltschützer.

So sei an den acht dezentralen Orten keine finanzielle Transparenz geschaffen worden. 57 Prozent der Vorhaben würden erst nach den Winterspielen fertiggestellt. Die Umweltorganisationen seien deshalb aus einem gemeinsamen Komitee ausgetreten.

Laut Schuler müssen Olympische Winterspiele immer innert kürzester Zeit bautechnisch gesehen ein riesiges Volumen umsetzen. Diesmal seien es in Norditalien sieben Milliarden Euro. Das könne in aller Regel nicht in so kurzer Zeit umweltverträglich in die Landschaft gesetzt werden. «Das ist die Bau-Realität neben der ganzen Euphorie für das tolle Sportfest, die ich sehr gut verstehe», so Schuler. Doch Realität und Absicht klafften weit auseinander: «Wieso soll das in der Schweiz anders sein?»

HeuteMorgen, 13.01.2026, 06:00 Uhr ; 

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