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Projekt Verkehr 45 Wer ist die Lobby hinter dem Grimseltunnel?

Die Priorisierung des Grimseltunnels brachte Bundesrat Albert Rösti harsche Kritik ein. Wer ihn unbedingt will.

Im Casino in Montreux trifft sich an diesem Nachmittag die Interessengemeinschaft Grimseltunnel zur Generalversammlung. Sie alle stehen für die Idee eines Tunnels von Innertkirchen im Berner Oberland nach Oberwald im Wallis ein: ein Projekt für den Tourismus.

Wenn man weiss, dass man mit 23 Kilometern ein Schmalspurnetz von 850 Kilometern realisieren könnte, dann ist die Idee natürlich faszinierend.
Autor: Gerhard Fischer SVP-Mitglied, ehemaliger Berner Grossrat

Einige, die hier sind, sind direkt vom Bahnprojekt betroffen, weitere sind schlicht begeistert von der Idee, das Bahnnetz an Schmalspuren nördlich der Alpen mit jenem südlich der Alpen zu verbinden. Auch Vorstandsmitglied Gerhard Fischer sagt: «Wenn man weiss, dass man mit 23 Kilometern ein Schmalspurnetz von 850 Kilometern realisieren könnte, dann ist die Idee natürlich faszinierend.»

Verkehr 45: im Herbst im Parlament

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In der Verkehrspolitik steht eine wichtige Weichenstellung an. Das Projekt dazu, Verkehr 45, liegt inzwischen vor. Im Herbst diskutiert das Parlament darüber. Der wohl umstrittenste Punkt dieser Auslegeordnung ist der Grimseltunnel. Er gehört zu den wenigen priorisierten Grossprojekten.

Fischer kommt aus Meiringen und war für die SVP Mitglied im Grossen Rat des Kantons Bern. Er habe schon 1992 im Bundeshaus gestanden und für den Grimseltunnel geworben, erzählt er, als einer der Ersten.

Ein grosses Schmalspurnetz in den Alpen

Die Grimseltunnel-Idee ist nicht neu, und aus der Idee dieses grossen Schmalspurnetzes in der Schweiz hat sich auch ein Netz an Interessenvertretern gesponnen. Im Vorstand sitzen Vertreter aus verschiedenen Kantonen mit Verbindungen in die Politik und die Tourismusbranche – und mit Laurent Wehrli auch ein Nationalrat der FDP. Er ist zugleich Verwaltungsratspräsident der Montreux-Berner Oberland-Bahn MOB. Er ist der Meinung, beim Ausbau des Verkehrs dürfe es nicht nur Geld für die grossen Städte geben. Es brauche ein Gleichgewicht, sagt er.

Wehrli muss seine Kolleginnen und Kollegen im Parlament nun vom Grimseltunnel-Projekt überzeugen. Doch er ist nicht allein im Parlament: Hans Wicki, Beat Rieder und Nadja Pieren: Sie sitzen allesamt im Verwaltungsrat der Grimselbahn AG. Und sie alle sagen: Jetzt oder nie.

Denn die Netzgesellschaft Swissgrid will die Höchstspannungsleitung über den Grimselpass in den Boden verlegen. Gleich daneben soll der Bahntunnel gebaut werden. Es wäre ein Kombi-Projekt. Der Stromstollen würde zugleich als Fluchtweg dienen. Die Chance für diese Kombination sei jetzt da, sagt Roger Nager, Vorstandspräsident der IG Grimseltunnel und alt Regierungsrat des Kantons Uri: «Von dem her ist die Dringlichkeit gegeben.» Nager musste in letzter Zeit viel Kritik zu dem Projekt lesen, das für ihn «ein Herzensprojekt» sei, wie er sagt.

Wunsch oder Notwendigkeit?

Der Nutzen sei gering und dass ein Tourismusprojekt priorisiert werde, sei unverständlich, hiess es von namhaften Kritikern. Roger Nager weist das zurück. Der Nutzen werde unter- und die Kosten würden überschätzt, sagt er.

Die Mittel des Bahninfrastrukturfonds sind begrenzt. Es braucht eine Prioritätenliste, und wir setzen die Prioritäten anders.
Autor: Ueli Stückelberger Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV)

Doch die entscheidende Frage wird an der Versammlung der IG Grimseltunnel in Montreux gleich selbst gestellt, nämlich, ob der Grimseltunnel ein notwendiges Projekt oder ein Wunschprojekt sei. Es sei ein notwendiges Wunschprojekt, so die Antwort der IG Grimseltunnel.

Berglandschaft mit Schnee, See und einem Gebäude.
Legende: Der Grimselpass soll für eine Schmalspurbahn untertunnelt werden, finden die einen. Die anderen setzen andere Prioritäten. Keystone/Peter Schneider

Anderer Meinung ist Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV). Der Grimseltunnel sei sicher kein notwendiges Projekt: «Die Mittel des Bahninfrastrukturfonds sind begrenzt. Es ist einfach nicht alles möglich, was man gerne hätte. Es braucht eine Prioritätenliste, und wir setzen die Prioritäten anders.»

Man hat der ETH alle Projekte zur Beurteilung gegeben – ohne Einflussnahme.
Autor: Bundesrat Albert Rösti Vorsteher des UVEK

Verkehrsminister Albert Rösti scheint etwas unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, das Projekt Grimseltunnel zu priorisieren, weil er selbst Berner Oberländer ist. Das bestreitet er gegenüber SRF: «Das darf keine Rolle spielen. Man hat der ETH alle Projekte zur Beurteilung gegeben – ohne Einflussnahme.»

Rendez-vous, 6.7.2026, 12:30 Uhr ; 

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