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PVC und Polystyrol Mikroplastik in Gartenerde entdeckt

Mehrere in der Westschweiz verkaufte Gartenerden enthalten Kunststoffrückstände. Das zeigt ein Test von RTS. Mikroplastik kann in Pflanzen gelangen und so auch in die Nahrungskette.

Untersucht wurden handelsübliche Universalerden, die in der Westschweiz verkauft werden. Der Test wurde im Auftrag des Westschweizer Radios und Fernsehens (RTS) durchgeführt. «Wenn Pflanzen wachsen, können diese Kunststoffe – sofern sie klein genug sind – biologische Barrieren überwinden», erklärt Fanny Berset. Sie ist Doktorandin für Umwelt‑ und Wasserwissenschaften an der Universität Genf und forscht zu Mikroplastik in Kompost.

So schneiden die Gartenerden ab (mit dt. Untertiteln):

Die Partikel könnten ins Wurzelsystem der Pflanzen gelangen, so Berset. Von dort aus breiteten sie sich in der gesamten Pflanze aus – auch in Früchten und Gemüse, die später verzehrt würden. «Noch problematischer ist, dass diese Stoffe aus unserem Darm in innere Organe und ins Blut gelangen können», sagt sie.

Sechs Produkte untersucht

Analysiert wurden sechs torffreie Universalerden. Die Tests erfolgten in einem spezialisierten Labor in Norwegen. Es kann Kunststofffragmente zwischen 0.027 und 1 Millimeter nachweisen.

Ein positives Resultat gab es dennoch: Eine Erde war vollständig frei von Mikroplastik. Dabei handelt es sich um ein Produkt, das bei Hornbach verkauft wird. Es ist zugleich das günstigste der getesteten Produkte und wird in der Schweiz hergestellt – von der Firma Ricoter.

Person in Labor schlägt Beutel mit Handschuhen um.
Legende: Nach den Eisheiligen beginnen viele Hobbygärtnerinnen und ‑gärtner mit der Arbeit im Gemüsegarten. Dazu gehört auch der Kauf von Erde. Doch einige Produkte enthalten erhebliche Mengen an Kunststoffrückständen. RTS

«Dieses Resultat hat mich überrascht», sagt Fanny Berset. «Plastik findet man heute praktisch überall in der Umwelt.» Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass die Analysemethoden noch Grenzen hätten.

Die Universalerde Mioplant von Migros wurde als «gut» bewertet. Sie enthielt sehr geringe Mengen zweier Kunststoffarten, die als wenig gesundheitsgefährdend gelten.

Polystyrol und PVC besonders problematisch

Mehr Plastik wurde in den Erden Capito (Landi) und Compo Bio (Jumbo) gefunden. Darunter auch Polystyrol. «Dieser Kunststoff ist problematischer, was seine Giftigkeit betrifft», sagt Berset. «Er sollte in Gartenerde nicht vorkommen.»

Gemäss Landi halten Lieferanten die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte konsequent ein. Die Universalerde enthalte einen gewissen Anteil an Kompost aus Haushaltsabfällen, weshalb Plastik aus dem Privathaushalt manchmal in die Erde gelangen könne.

Auch bei Jumbo heisst es, dass die Rohstoffe durch ein unachtsames Entsorgungsverhalten verunreinigt sein könnten. Trotz strenger Sortierung und Reinigungsmassnahmen sei eine vollständige Entfernung des Kunststoffs technisch nicht möglich.

Zwei weitere Produkte schnitten ungenügend ab. Dazu gehört die Bio‑Erde von Schilliger. Sie enthielt grosse Mengen an Kunststoff, darunter auch PVC. «PVC wird normalerweise für Rohre oder im Bauwesen verwendet. Für die Gesundheit kann es sehr gefährlich sein», erklärt Berset.

Schilliger teilte mit, die verwendeten Rohstoffe entsprächen geltenden Normen. Das Unternehmen habe zudem Kontakt mit seinem Lieferanten aufgenommen.

Am schlechtesten schnitt eine Erde von Obi ab. Sie enthielt insgesamt 20’800 Mikrogramm Kunststoff pro Liter, darunter viel PVC und Polystyrol. Für Fanny Berset ist klar: «Ich würde diese Erde eher nicht kaufen – vor allem nicht, wenn man damit Gemüse anbauen will.»

Obi erklärt, die Erde werde aus Grünabfällen hergestellt. Trotz Reinigungsmassnahmen sei es technisch unmöglich, sämtliche Kunststoffspuren vollständig zu entfernen.

Getrennte Sammlung an der Quelle

Box aufklappen Box zuklappen

Um die Herkunft dieser Verunreinigungen zu verstehen, besuchte RTS das Kompostierzentrum Châtillon in Bernex (GE). «Die Grünabfälle aus dem Kanton, die für die Kompostproduktion bestimmt sind, enthalten viele Fremdstoffe», erklärt Thomas Servant, Bereichsleiter bei den Services industriels de Genève (SIG). Dazu gehören Plastiksäcke, PET‑Verschlüsse oder Kaffeekapseln.

Trotz mehrerer Sortierschritte mit verschiedenen Maschinen und der Behandlung im Fermenter bleibt der Kompost mit Kunststoff belastet.

Die Chemikalien‑Risikoreduktions‑Verordnung (ChemRRV) schreibt vor, dass verkaufter Kompost nicht mehr als 0.1 Prozent Plastik enthalten darf. Diese Vorgabe gilt jedoch nicht für Mikroplastik, das mit blossem Auge nicht sichtbar ist. «Derzeit kenne ich keine industrielle Anlage, die Kompost auf Mikroplastikebene sortieren kann», sagt Thomas Servant.

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RTS A bon entendeur, 12.5.2026, 20:10 Uhr

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