Fische wandern flussaufwärts. Doch mit dem Bau von Wasserkraftwerken sind diese Wanderungen schwieriger geworden. Deshalb wurden in den letzten Jahrzehnten Fischaufstiege gebaut. Bei der Lösung dieses Problems sei man auf Kurs, sagt Christoph Dietschi, verantwortlich für den Wasserbau beim Amt für Umwelt des Kantons Solothurn.
Doch Fische wandern auch flussabwärts. Bis 2030 sollten die Kantone eigentlich dafür sorgen, dass Fische sicher absteigen können. Doch hier ist man bei der Lösung nicht auf Kurs.
Fischabstieg als «qualvolles Gemetzel»
Der Schweizerische Fischerei‑Verband hat kürzlich mit einem drastischen Beispiel auf die Problematik aufmerksam gemacht: Beim Abstieg von Aalen im Rhein komme es immer wieder zu schweren Verlusten, zu einem «qualvollen Aalgemetzel», wie der Verband schreibt.
Die langen Wanderfische geraten mangels sicherer Abstiegsmöglichkeiten häufig in die Turbinen. Bei älteren, schnell drehenden Anlagen können bis zu 90 Prozent der Fische sterben, bei neueren Turbinen erwische es rund 20 Prozent, sagt Christoph Dietschi. Zu hohe Verluste: «Wenn wir bei jedem Wasserkraftwerk an der Aare 20 Prozent der Fische verlieren, dann bleiben am Schluss nicht mehr viele übrig.»
Das Grundproblem beim Abstieg liegt darin, dass für Fische die stärkste Strömung der natürliche Weg ist – und genau dieser führe häufig direkt zu den Turbinen, sagt Christoph Dietschi.
Eine kostspielige Lösung aus der Forschung
Während der Fischaufstieg seit Jahrzehnten erforscht wird, beschäftigt sich die Wissenschaft erst seit etwa 15 Jahren intensiver mit dem Abstieg. An der ETH Zürich arbeitet Robert Boes, Professor für Wasserbau, an Lösungen. Die Idee: die Fische sollen über einen Rechen zu einem Bypass-Kanal am Kraftwerk vorbeigeleitet werden.
An kleinen Kraftwerken und Wehren funktioniere dieses Prinzip bereits, sagt Boes. Anders sei es bei den grossen: hier brauche es bis zu 100 Meter lange und fünf Meter tiefe Leitrechen, die schnell durch Treibgut verstopft werden können. «Die Statik ist schwierig, wegen dem hohen Wasserdruck braucht man eine sehr robuste Struktur und dadurch steigen die Kosten.»
Eine Anlage an einem grossen Wasserkraftwerk könne gut und gerne einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, sagt Robert Boes. Grundsätzlich würde die Idee funktionieren, unter Laborbedingungen habe man gute Erfahrungen gemacht. Doch was dies genau für die Praxis bedeute, sei sehr schwer einzuschätzen.
«Wir haben es mit einer Vielzahl von verschiedenen Fischarten zu tun. Für den einen Fisch funktioniert es vielleicht sehr gut, für den anderen weniger gut.»
Die Zeit drängt: Sichere Abstiege bis 2030
Zurzeit versucht die Forschung, die Kosten für diese Methode des Fischabstiegs noch zu senken. Doch die Zeit drängt. Bis 2030 müssten die Betreiber der Wasserkraftwerke den Fischen eigentlich einen Auf- und Abstieg ermöglichen.
Diese Vorgaben dürften aber kaum überall rechtzeitig erfüllt werden, sagt Christoph Dietschi vom Kanton Solothurn. Es gebe daher seitens der Kantone Überlegungen, eine Verlängerung dieser Frist zu beantragen.
Der Schweizerische Fischerei-Verband sieht dies aber anders und fordert, dass die Schweiz die Deadline von 2030 einhält und bei der ökologischen Sanierung der Wasserkraft aufs Tempo drückt.