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Rassismus-Skandal Zwischenbericht zeigt strukturelle Probleme bei Polizei Lausanne

  • Im vergangenen Sommer hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt rassistische und diskriminierende Gruppenchats bei der Polizei Lausanne aufgedeckt.
  • Die Stadtregierung hat daraufhin eine Untersuchung in Auftrag gegeben – und heute einen Zwischenbericht vorgestellt.
  • Dieser zeige unter anderem Probleme bei der Anerkennung von Kompetenzen sowie bei der Ausbildung von Führungskräften auf.

Die derzeitige Organisation der Stadtpolizei von Lausanne ermöglicht es nicht, Diskriminierungen wirksam aufzudecken. Dies bestätigt die Stadtverwaltung in ihrer Bilanz zum Fortschritt der Polizeireform, die nach der Entdeckung diskriminierender Nachrichten zwischen Beamten auf Whatsapp eingeleitet wurde.

Diskriminierung, Sexismus und Ausgrenzung

Im Oktober 2025 hatte die Stadt eine externe Stelle eingerichtet, damit sich die Mitglieder der Polizei vertraulich äussern können. Die gesammelten Informationen flossen in einen heute vorgelegten zusammenfassenden Bericht ein.

Polizist in gelber Weste mit der Aufschrift 'Police' von hinten.
Legende: Die Stadtpolizei Lausanne kämpft seit Monaten mit Rassismusvorwürfen. Keystone / LAURENT GILLIERON

Das Dokument weist auf diskriminierende Nachrichten und sexistische Situationen hin, aber auch auf Ausgrenzung von Personen mit abweichenden Meinungen, Ungleichbehandlungen in bestimmten internen Prozessen und Schwierigkeiten bei der Inanspruchnahme von Meldemechanismen.

Reform notwendig

Ebenfalls im Oktober hatte die Stadt einen zweiten Bericht über die Organisation und die Arbeitsprozesse innerhalb der Polizei in Auftrag gegeben. Die Zwischenergebnisse weisen auf kritische Punkte in der Führung, der Ausbildung der Führungskräfte und den Vertrauensbeziehungen hin und unterstreichen die Notwendigkeit, die managementbezogenen, sozialen und deontologischen Aspekte der Polizeiarbeit zu stärken. «Diese Ergebnisse bestätigen die Notwendigkeit einer Reform der Stadtpolizei», erklärt die Stadtverwaltung, die diese «mit Entschlossenheit» vorantreiben will. In diesen Prozess werden auch Vereinigungen einbezogen, die sich für die Bekämpfung von Diskriminierung einsetzen.

Rassismus in Whatsapp-Gruppen

Rassistische, sexistische, antisemitische oder diskriminierende Nachrichten kursierten unter den Lausanner Polizisten in zwei Whatsapp-Gruppen. Die Gruppen wurden 2023 geschlossen und umfassten sechs beziehungsweise 48 Mitglieder, die alle der Lausanner Polizei angehörten.

Die Messenger-Gruppen wurden im vergangenen Sommer von der Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt aufgedeckt. Dies, nachdem RTS ein Foto eines Polizisten mit erhobenem Daumen vor einem Graffiti mit der Aufschrift «RIP Mike» veröffentlicht hatte, benannt nach dem nigerianischen Staatsbürger, der 2018 nach einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen war.

Die Stadt Lausanne ergriff sofort Massnahmen und suspendierte einige Mitarbeiter. Auch der Kommandant der Stadtpolizei kündigte im September an, dass er ab Juli 2026 vorzeitig in den Ruhestand treten werde.

Transparenz-Hinweis

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In einer früheren Version dieses Artikels hiess es, der Kommandant der Stadtpolizei habe im September angekündigt, ab Juli nächsten Jahres vorzeitig in den Ruhestand zu treten. Da diese Ankündigung bereits im vergangenen Jahr erfolgte, wird er nicht erst 2027, sondern bereits im Juli dieses Jahres zurücktreten.

SRF 4 News, 4.2.2026, 12 Uhr ; 

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