Zigaretten werden von Bahnhofsperrons, aus Badis, und immer öfter auch von Spielplätzen verbannt. So gilt auf allen städtischen Spielplätzen in St. Gallen künftig ein Rauchverbot. Die Stimmberechtigten haben dem am Sonntag zugestimmt.
Auch andernorts gibt es ähnliche Bestrebungen. Seit Mai ist etwa die Badi in Herzogenbuchsee grösstenteils rauchfrei. Rauchen ist nur noch in einer markierten Zone erlaubt.
Im letzten Jahr hätten die Badi-Betreiber viele Reklamationen von Eltern über Raucher erhalten, die keine Rücksicht genommen hätten, sagt Tamaris Lottaz, Geschäftsführerin der Badi Aquarena. Deshalb sei die Raucherzone geschaffen worden. «Die Zone ist lokal: Die Raucher haben die Übersicht, sehen die Kinder, die ins Wasser gehen, und können sich im Restaurant verpflegen», so Lottaz. Die Zone solle so bleiben, aber auch noch bessere Schattenmöglichkeiten bekommen.
Beim Platzieren von Raucherzonen sollten die Bedürfnisse der Rauchenden beachtet werden
Das sei eben auch der Punkt: Rauchfreie Zonen an der frischen Luft sollte man nicht irgendwo platzieren, heisst es bei der Zürcher Fachhochschule ZHAW. «Beim Platzieren von Raucherzonen sollten die Bedürfnisse der Rauchenden beachtet werden», sagt Frank Wieber, stellvertretender Leiter Forschung am Institut für Public Health an der ZHAW.
Er hat in einer Studie an Berufsschulen die vorhandenen Raucherzonen in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern umplatziert und neu gestaltet. Dabei wurde zum Beispiel darauf geachtet, dass die Rauchenden im Trockenen stehen, genügend Platz haben und nicht zu exponiert sind. «Andererseits sollte es nicht zu einladend sein. Es soll nicht der Lieblingsplatz werden», so Wieber.
Ziel sei es, das Rauchen nicht im Alltag zu verankern und als üblich zu definieren. So wurden Raucherzonen etwa weg von den Haupteingängen an weniger sichtbare Orte verschoben.
Ob Raucherzonen vom Rauchen abhalten, ist allerdings fraglich. In der Studie habe sich nicht gezeigt, dass Leute wegen Rauchzonen weniger rauchen würden. Die Studie habe sich aber auch über einen sehr kurzen Beobachtungszeitraum erstreckt, so Wieber. «Generell wissen wir aber aus der Forschung, dass es hilft, wenn man es ein bisschen schwieriger macht», so Wieber. Neue Hürden könnten der nötige Auslöser sein für Menschen, die ohnehin mit dem Gedanken an einen Rauchstopp spielten.
Erst in den 90er-Jahren wurde die Schweiz rauchfreier
Rauchen war in der Schweiz lange gesellschaftlich vollkommen akzeptiert. So wurde zum Beispiel im Bundeshaus geraucht, ebenso in Fernsehsendungen, in Restaurants und Bars. In den 1990er‑Jahren setzte ein Wandel ein: Arbeitsplätze wurden rauchfrei. Wenig später folgten die Züge. 2010 folgte das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen, das das Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen verbietet.
Heute gelten Verbote zunehmend auch draussen an der frischen Luft. Auch da könnten gesundheitsschädigende Stoffe eingeatmet werden. Vor allem für Kinder berge das ein höheres Risiko, betont etwa die Lungenliga.
Die Schweiz hat lasche Regeln, was den passiven Rauchschutz angeht
Trotz neuer Verbote hinke die Schweiz international hinterher. «Die Schweiz hat lasche Regeln, was den passiven Rauchschutz angeht», sagt Claudia Künzli, Bereichsleiterin Prävention bei der Lungenliga. Italien kenne beispielsweise ein Rauchverbot in Privatautos, wenn Kinder und Schwangere mitfahren. Und Spanien kennt laut Künzli ein Rauchverbot auf Restaurant-Terrassen.