- Grossveranstaltungen wie Schwingfeste profitieren von der Mithilfe der Armee – doch in Bundesbern regt sich gegen diese Unterstützung Widerstand.
- Hinter den Kulissen wird hart gefeilscht, wie sinnvoll solche Einsätze sind. Bundespräsident Guy Parmelin jedenfalls hat dafür kein Verständnis mehr.
- Das zeigen Recherchen der «Neuen Zürcher Zeitung».
Im Tarnanzug bauen sie die grossen Tribünen fürs Schwingfest oder halten die Lauberhorn-Pisten instand – Angehörige der Armee dürfen dies per Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen. Mittlerweile sind Grossanlässe teils auf die Armee angewiesen.
Für das diesjährige Basel Tattoo haben 50 Soldaten die Tribünen aufgebaut und insgesamt 900 Diensttage geleistet. Für den Geschäftsführer des Militärmusikfestivals, Erik Julliard, ist klar: Ohne die Hilfe der Armee ginge die Rechnung weniger gut auf: «Wir haben seit 19 Jahren eine karitative Stiftung. Wir geben Geld da rein, nur weil wir zusammenarbeiten können und Kosten sparen. Es wäre schade, wenn das nicht mehr stattfindet.»
Andere Anlässe wie das Lauberhornrennen könnten nach eigenen Angaben ohne die Unterstützung der Armee gar nicht durchgeführt werden.
Mehr Verteidigung, weniger zivile Anlässe?
Im letzten Jahr hat die Armee ganze 26'000 Diensttage für Assistenzdienste geleistet. Doch diese sind umstritten: Das Wirtschaftsdepartement von Guy Parmelin schreibt, es sei nun der Zeitpunkt gekommen, «um endlich und definitiv mit Unterstützungseinsätzen der Armee zugunsten von Sport- oder Kultur-Grossanlässen aufzuhören.» Denn die Armee solle sich konsequent auf die Verteidigung des Landes konzentrieren.
Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit wieder stärken. Und darauf müssen, wollen und werden wir auch die Schweizer Armee klar ausrichten.
Diese Stossrichtung hat Armeechef Benedikt Roos erst kürzlich bekräftigt: «Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit wieder stärken. Und darauf müssen, wollen und werden wir auch die Schweizer Armee klar ausrichten, in aller Konsequenz.»
Das bedeute aber nicht, dass die Armee Anlässe wie das Lauberhornrennen nicht mehr unterstütze. «Solange die Verordnung in Kraft ist, werden entsprechende Gesuche auch künftig anhand der geltenden Voraussetzungen geprüft und gegebenenfalls bewilligt», heisst es vom Verteidigungsdepartement (VBS).
Veranstalter wie Erik Julliard können vorderhand aufatmen: «Wir haben diese Woche eine neue Leistungsvereinbarung mit dem VBS für weitere fünf Jahre unterschrieben. Die Armee und auch das VBS möchten auf die Karte Basel Tattoo setzen.»
Politisch gerät die Unterstützung der Armee für zivile Anlässe zunehmend unter Druck.