Zu wenig Turnfeste sorgen für Ärger: Schweizweit finden dieses Jahr nur sechs Turnfeste statt. Der Run darauf ist riesig. So musste das einzige Turnfest im Aargau fast 200 Vereinen eine Absage erteilen. Auch das Appenzeller Turnfest erteilte 170 Absagen. Der Frust ist gross. Die Turnerinnen und Turner trainieren übers Jahr genau für solche Turnfeste. Eine Absage sei, als ob die Meisterschaft nicht stattfinden würde, heisst es beim Schweizerischen Turnverband auf Anfrage. Für ein Turnfest braucht es nebst Platz auch Gastronomie, Zeltplatz, Unterhaltung und Helferinnen und Helfer.
Das sind die Turnfeste 2026: Die sechs Turnfeste finden im Juni statt, in Liesberg BL, Herisau AR, Seengen AG, Kerzers FR und Islikon TG. Hinzu kommt das Jugendregionalturnfest Wintersingen BL. 2024, im Jahr vor dem Eidgenössischen Turnfest in Lausanne, gab es viele Turnfeste. Damals waren einige zu wenig besucht und die Vereine konnten ihre Kosten nicht decken. «Nach dem Turnfestüberfluss im Jahr 2024 mit rund 15 Festen kommt das 2026 nun mager daher», schreibt der Schweizerische Turnverband.
Geografische Auswahl im Aargau: Christian Büchli organisiert als OK-Präsident das Aargauer Turnfest in Seengen. An zwei Wochenenden im Juni wird im Seetal geturnt. Das Interesse sei riesig: «Es haben sich 390 Vereine angemeldet, aber wir konnten nur 190 annehmen.» Man habe zu 80 Prozent Aargauer Vereine berücksichtigt. «Viele Vereine sind enttäuscht, weil sie auch bei anderen Turnfesten Absagen kassiert haben.» So ging es diversen Solothurner Vereinen, erzählen sie in der Solothurner Zeitung. Immerhin: Am Seengener Turnfest konnte die Kapazität erhöht werden – es werden 8500 statt 5000 Turner teilnehmen können, dank eines Extra-Tags.
Absagen im Kanton Appenzell-Ausserrhoden: Auch das Appenzeller Kantonalturnfest hat Vereine enttäuscht. 240 Vereine haben Startplätze ergattert, 170 gingen leer aus, sagt Wettkampfleiter Silvan Buff auf Anfrage. Anders als im Aargau wurde nicht geografisch sortiert, sondern nach Anmeldezeitpunkt. Appenzeller Vereine haben einen garantierten Startplatz. Alle sechs Jahre findet im Appenzellerland ein Kantonalturnfest statt. «Es ist rein vom Platz her sehr schwierig. Wir haben nur drei Austragungsorte, die die nötige Kapazität haben», sagt Silvan Buff.
Vereine sind nun gefordert: Tiziana Hämmerli vom Schweizerischen Turnverband koordiniert die Anmeldungen für die regionalen Turnfeste. Die Vereine seien in der Pflicht, sagt sie: «Der Grundgedanke, dass Turnvereine ihre Anlässe selber organisieren, soll bleiben. Man kann nicht nur profitieren.» Die Turnfest-OK machen, was sie können: «Alle bestehenden Turnfeste haben ihre Kapazitäten bis ans absolute Limit erhöht – bei jedem Anlass um 500 bis 1500 Teilnehmende mehr als ursprünglich geplant.» Die Aargauer Turnvereine würden genügend Turnfeste durchführen, heisst es beim Verband. Auch die Kantone Bern, Thurgau oder Zürich seien gut aufgestellt.
So geht es weiter: Etwas Hoffnung gibt es jenseits der Schweizer Grenze. Vom 13. bis 17. Mai findet das Landesturnfest in Konstanz (D) statt. «Es besteht die Möglichkeit für ein gemeinsames, grenzüberschreitendes Turnfest-Erlebnis», schreibt der Schweizerische Turnverband. Für 2027 übrigens sieht es aktuell nicht nach mehr Turnfesten aus. «Es laufen aber in mehreren Regionen Gespräche», sagt Tiziana Hämmerli vom Verband.