Die Bürgergemeinde von Büsserach SO besitzt eine Kirschbaum-Anlage. 370 Bäume stehen auf einer Fläche von zwei Hektaren, leicht ausserhalb des Dorfs. Alle, die das Bürgerrecht der Gemeinde haben, erhalten dort gratis zwei Kirschbäume. Die anderen Bäume der Anlage können gemietet werden, auch von Auswärtigen: für 10 Franken pro Baum pro Jahr.
-
Bild 1 von 3. Martina Röthlisberger und Peter Giger in der Kirschbaum-Plantage. Weder er noch sie haben persönliche Bäume, obwohl sie das Bürgerrecht der Gemeinde besitzen. Bildquelle: SRF / Bruno von Däniken.
-
Bild 2 von 3. Gewisse Familien haben seit Jahren dieselben Bäume. Bildquelle: SRF / Bruno von Däniken.
-
Bild 3 von 3. 10 bis 20 Kilogramm Kirschen gibt es pro Baum, schätzen die Zuständigen. Die Ernte ist wetterabhängig. Bildquelle: SRF / Bruno von Däniken.
Die grosse Kirschbaum-Plantage in Büsserach geht auf eine Initiative aus der Bevölkerung in den 1970er-Jahren zurück. Früher besassen einzelne Bürgerinnen und Bürger Kirschbäume, die auf Landwirtschaftsland standen. Damit nicht alle fürs Ernten auf den Feldern rumtrampeln, entstand die Idee, die Bäume an einem gemeinsamen Ort zusammenzuführen.
Die Kirschbaum-Regeln in der Gemeinde Büsserach sind seit Jahrzehnten fast gleich. Die Details sind im Allmend-Reglement über die Nutzung der Gemeinschafts-Kirschanlage geregelt: «Die Nutzniesser der Bäume verpflichten sich, an den Bäumen keine Äste abzureissen und alles zu tun, um die Bäume nicht zu verletzen», heisst es hier zum Beispiel.
Bis zu 20 Kilogramm Kirschen
Die Bäume werden durch die Gemeindeverwaltung zugeteilt. Auf der Plantage stehen sogenannte Mittelstamm-Kirschbäume. Die frühen Magda-Kirschen und die späten Heidegger-Kirschen werden bewusst nicht gleichzeitig reif. So verteilt sich die Erntezeit. Im Schnitt gibt es pro Baum 10 bis 20 Kilogramm Kirschen, je nach Wetter.
«Bürgerinnen und Bürger bekommen gratis zwei Bäume, einen frühen und einen späten. Die anderen Bäume können gemietet werden, von allen, die Lust dazu haben», präzisiert Martina Röthlisberger, die im Gemeinderat für das Thema zuständig ist.
Martina Röthlisberger besitzt zwar das Bürgerrecht in Büsserach und hätte Anrecht auf eigene Bäume: «Ich selber habe keinen Baum, aber meine beiden Brüder haben total vier Kirschbäume. Wir nutzen diese zusammen», sagt sie beim Rundgang durch die Plantage.
Etwa die Hälfte der Kirschbäume ist an Bürgerinnen vergeben, die anderen an Einwohner von Büsserach ohne Bürgerrecht oder externe Personen. Rund 80 Prozent der Bäume werden aktuell genutzt. Ein Landwirt schaut zu den Bäumen, Kirschen pflücken müssen alle selber, erklärt Peter Giger, Präsident der Forst- und Allmend-Kommission: «Jedes Jahr schneiden wir bei einem Drittel der Bäume die Äste. Freiwillige helfen; für Wurst, Brot und ein Getränk nehmen sie die Äste zusammen.»
Hilfe aus der Landwirtschaft
Der Landwirt entfernt im Auftrag auch Brennnesseln und Brombeerstauden. Damit das Gras unter den Bäumen nicht zu hoch wird, weiden in der eingezäunten Anlage Schafe.
Ausgaben und Einnahmen seien nicht deckungsgleich, meint Peter Giger. Die Kosten übersteigen den Ertrag. Kürzlich habe man zudem die Eingangstore ersetzen müssen. Die drei kleineren Tore waren entwendet worden. Ansonsten habe man aber wenig Probleme mit der Plantage, ergänzt Giger.
Zukunft gesichert?
Seit 50 Jahren setzt Büsserach nun auf die Kirschbaum-Plantage. Deren Zukunft ist aktuell ein Thema. Rund 20 Bäume sind abgestorben. Will man neue Bäume einpflanzen? Braucht es neues Obst?
Das Bedürfnis für die Kirschbäume jedenfalls sei da, sagt Allmend-Präsident Peter Giger. Deshalb wolle man die Tradition im Solothurner Dorf fortführen. Wie genau, wird jetzt geklärt.